03.12.2018 – zuletzt aktualisiert am: 09.12.2021

Resturlaub: Auszahlen lassen, damit er nicht verfällt?

Wer arbeitet, muss auch frei haben, und zwar mindestens vier Wochen im Jahr – so steht es im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG). Bei 6 Werktagen die Woche braucht es für die gesetzlichen vier Urlaubswochen 24 Tage, bei der gängigeren Fünftagewoche beträgt der Urlaubsanspruch 20 Arbeitstage. Arbeitet ein Angestellter weniger, verringert sich die Anzahl der Urlaubstage entsprechend. Doch immer wieder kommt es vor, dass Urlaubstage nicht von Arbeitnehmern genommen werden und sogenannter Resturlaub übrigbleibt. Was passiert mit den restlichen Urlaubstagen, wenn das neue Jahr beginnt? Wann verfällt Resturlaub? Und: Dürfen Unternehmen Urlaubstage auszahlen?

Kann man restliche Urlaubstage ins nächste Jahr mitnehmen?

Das kommt auf den Grund an, aus dem die Urlaubstage nicht genommen werden konnten. Eine Urlaubsübertragung ist nach § 7 Abs. 3 BUrlG nur in Ausnahmefällen gestattet, wenn „dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen.” Das ist der Fall, wenn man als Arbeitnehmer wegen einer Urlaubssperre im Betrieb, einem Übermaß an Arbeit oder Krankheit während des Urlaubs den Jahresurlaub nicht in vollem Umfang nehmen konnte. Dies sollte man sich vom Arbeitgeber schriftlich bestätigen lassen.

Bis wann muss Resturlaub genommen werden?

Resturlaub muss man in der Regel bis zum 31.03. des Folgejahres antreten, sonst verfällt der Anspruch auf Urlaubstage aus dem Vorjahr. Von dieser Regelung gibt es jedoch einige Ausnahmen – beispielsweise, wenn der Arbeitnehmer erst nach dem 1. Januar des Vorjahres bei der Firma angefangen hat.

Resturlaub bei Krankheit oder nach der Elternzeit

Auch bleibt der Anspruch über den 1. April hinaus in vollem Umfang erhalten, wenn zwischendurch Elternzeit genommen wurde oder der Arbeitnehmer für längere Zeit krank war. Geht der krankheitsbedingte Ausfall über die ersten drei Monate des Jahres hinaus, bleibt auch der Urlaubsanspruch bestehen. Wer danach wieder arbeitsfähig ist, muss seinen Resturlaub zeitnah nehmen.

Wann verfällt der Resturlaub endgültig?

Um aber auch den Arbeitgeber vor einer Anhäufung von Urlaubstagen durch arbeitsunfähige Arbeitnehmer zu schützen, verfallen Ansprüche auf Urlaubstage 15 Monate nach Ablauf des Jahres, in dem der Urlaubsanspruch entstanden ist.

Einfach den Resturlaub auszahlen lassen? Das sagt das Gesetz

Möchte sich der Arbeitnehmer lieber etwas Schönes kaufen, statt die freien Tage zu genießen? Dann wäre es natürlich eine prima Sache, wenn man sich den Resturlaub auszahlen lassen könnte – aber ganz so einfach ist das in der Praxis nicht. Denn der gesetzliche Urlaubsanspruch eines Arbeitnehmers dient dazu, seine Erholung zu ermöglichen und damit seine Gesundheit zu schützen. Und auch für den Arbeitgeber ist dieser Tausch eine heikle Sache. Denn selbst wenn er den Urlaub auszahlt, erlischt der rechtliche Anspruch auf die Urlaubstage nicht.

Resturlaub-Auszahlung berechnen: So funktioniert es

In der Praxis werden Urlaubstage – im gegenseitigen Einvernehmen – trotzdem ausgezahlt. Diese Urlaubsabgeltung ist so hoch wie das normale Gehalt. Maßgeblich ist hierbei laut §11 BUrlG der durchschnittliche werktägliche Verdienst der letzten 13 Wochen. Überstundenauszahlungen werden nicht mitberechnet, Provisionen hingegen schon. Diese Summe wird dann mit der Anzahl der Urlaubstage multipliziert.

Resturlaub bei Kündigung: Was passiert damit?

Im Falle einer Kündigung (ganz gleich ob vom Arbeitnehmer oder durch den Arbeitgeber) sollten die verbleibenden Urlaubstage möglichst genommen werden. Verlässt der Angestellte das Unternehmen vor dem 30. Juni, kann er ein Zwölftel des Jahresurlaubs pro Beschäftigungsmonat in dem letzten Beschäftigungsjahr geltend machen.

Die Berechnung für den Urlaubsanspruch lautet: Urlaubsanspruch (ganzes Jahr) / 12 * Beschäftigungsmonate (in diesem Jahr)

Gut zu wissen: Fällt der letzte Arbeitstag in die zweite Jahreshälfte, hat der Arbeitnehmer sogar Anspruch auf den gesamten Jahresurlaub. Allerdings gilt hier die Regel, dass der Arbeitnehmer dafür mindestens 6 Monate im Unternehmen angestellt sein muss. Wenn nicht, gilt die anteilige Regelung.

Doch Achtung: Wechselt man den Job, kann der neue Arbeitgeber über diesen Resturlaub informiert werden. Man kann also nicht einfach bei der Kündigung den gesamten Jahresurlaub nehmen und dann beim neuen Arbeitgeber für das gleiche Kalenderjahr noch einmal Urlaubstage beanspruchen. So werden Doppelansprüche vermieden.

Jetzt mehr zum Urlaubsanspruch beim Jobwechsel erfahren in unserem Beitrag „Urlaubsanspruch: Gesetzliche Regelung bis Berechnung

Einmalzahlung vom Resturlaub im Falle einer Kündigung

Kann der Resturlaub im Falle einer Kündigung nicht mehr oder nur noch teilweise gewährt werden, da die verbleibende Arbeitszeit nicht ausreicht oder das Unternehmen nicht auf die Arbeitsleistung verzichten kann, ist eine Auszahlung der Urlaubstage möglich. Der Anspruch besteht dann zum Zeitpunkt der Beendigung des Arbeitsverhältnisses. Im Zuge eines Aufhebungsvertrags können individuelle Regelungen in Bezug auf den Resturlaub vereinbart werden.

Weitere Informationen zum Thema Aufhebungsvertrag erläutern wir in unserem Beitrag „Auflösungs- bzw. Aufhebungsvertrag statt Kündigung“.

Resturlaub bei Freistellung: Was ändert sich?

Stellt der Arbeitgeber den Arbeitnehmer für den Rest der Beschäftigungszeit frei, werden die noch verbleibenden Urlaubstage in diese Zeit eingerechnet. Allerdings muss der Arbeitgeber dann zusätzlich die Urlaubsabgeltung auszahlen.

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