Winterreifen aufziehen: Das verlangt der Gesetzgeber

Wer kennt das nicht: Überraschender Schneematsch auf herbstlichen Straßen und plötzlich ist sie da, die Frage: Verflixt, warum habe ich noch nicht die Winterreifen aufgezogen? Wenn jetzt ein Unfall passiert… Immer wieder begegnen einem beim Thema Winterreifen widersprüchliche Informationen. Was ist erlaubt, was nicht, welche gesetzlichen Regelungen müssen beachtet werden und was passiert, wenn man den Gesetzen zuwiderhandelt? Dieser Artikel verrät alles, was man über Winterreifen wissen muss.

Fakten zum Fahren mit Winterreifen

Vernünftige Autoreifen für den Winter sollten eine Mindestprofiltiefe von 1,6 mm aufweisen, doch Vorsicht! Auch vorher schon können die Reifen ihre wichtigen Eigenschaften einbüßen. Der ARCD warnt davor, dass schon ab 4 mm Profiltiefe die Fahreigenschaften von Winterreifen abnehmen. Also sollte man diese nicht einsetzen, bis sie von alleine auseinanderfallen. Dafür spricht schon, dass das Gummi der Reifen eine Höchstlebensdauer von ca. 6 Jahren hat, dann wird das Material porös und ein Wechsel der Bereifung ist nötig. Auch ist darauf zu achten, dass sich die Autoreifen gleichmäßig abfahren. Bisher war es so, dass Winterreifen als „M + S - Reifen“ gekennzeichnet wurden – M für Matsch und S für Schnee. Seit der neuen Verordnung für Winterreifen müssen wintertaugliche Reifen das Alpine-Symbol (Bergpiktogramm mit Schneeflocke) tragen, da die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen einheitliche Regularien für die Roll- und Haftungseigenschaften von Reifen erlassen hat. Allerdings gibt es auch für M+S Reifen eine Übergangsfrist bis Ende 2024.

Was passiert, wenn man mit Sommerreifen im Winter fährt?

Generell existiert keine allgemeine Pflicht für Winterreifen während eines speziellen Zeitraums. Die Faustregel von Oktober bis Ostern ist eher als Empfehlung zu verstehen. Die Pflicht mit Winterreifen zu fahren, richtet sich nicht nach einem Datum, sondern nach den Wetterbedingungen, denn sie gilt bei Schneeglätte, Eis oder Matsch auf der Fahrbahn. Da die Entwicklung des Wetters oft nicht vorhersehbar ist, geht man mit Winterreifen während der Wintermonate auf Nummer sicher. Die Vorschrift auf winterlichen Straßen mit Winterreifen zu fahren, gilt übrigens nicht nur für den Fahrzeugführer, sondern auch den Halter, welcher bei einem Verstoß ebenso mit einem Bußgeld belegt wird. Kann man bei einer Kontrolle keine Winterreifen vorweisen, sind ein Punkt in Flensburg sowie 60 Euro Strafe fällig. Bleibt man wegen Glatteis liegen und behindert den Verkehr, schlagen sogar 80 Euro zu Buche.

Da der Gesetzgeber von einem Benutzungsverbot für Sommerreifen bei winterlichen Straßenverhältnissen spricht, ist es unproblematisch, sein Auto bei Schnee und Glätte mit Sommerreifen zu parken. Nur das Fahren ist eine Ordnungswidrigkeit. Von einer Benutzung der Winterreifen im Sommer wird dringend abgeraten, auch wenn hier kein Verbot existiert. Winterreifen haben auf trockener Fahrbahn weniger gute Haftungseigenschaften und können den Bremsweg in erheblichem Umfang verlängern. Außerdem weisen die Reifen im Sommer einen deutlich höheren Verschleiß auf und durch die erhöhte Reibung steigt auch der Benzinverbrauch. Das wirkt sich aufs Portemonnaie aus!

Zahlt die Versicherung, wenn man durch Sommerreifen im Winter einen Unfall verursacht?

Wer schon einmal im Winter mit Sommerreifen unterwegs war, kennt dieses mulmige Gefühl. Denn kommt es tatsächlich auf Grund schlechter Wetterverhältnisse zu einem Unfall, wird die Kaskoversicherung wegen grober Fahrlässigkeit (§ 81 VVG) nur teilweise oder gar nicht einspringen. Zwar übernimmt die Kfz-Haftpflichtversicherung den Schaden des Unfallopfers, doch muss man damit rechnen, dass die Versicherung bis zu 5.000 Euro Regressansprüche stellt. Auf Grund der erhöhten Betriebsgefahr kann man gemäß § 7 StVG sogar zur Haftung herangezogen werden, wenn der Unfallgegner den Unfall verursacht hat. Im Zweifelsfall wird eine Mitschuld darauf abgestellt, ob der Fahrer die Gefahrensituation hätte erkennen können oder nicht. Nur wenn man nachweisen kann, dass die Benutzung der falschen Autoreifen für den Unfall nicht ausschlaggebend gewesen ist, wird die Mithaftung ausgeschlossen. Bei Streitfällen ist in jedem Fall ein Verkehrsrechtsschutz vonnöten, will man nicht auf den hohen Prozesskosten sitzen bleiben.

Ein guter Rat zum Schluss: Winterreifen richtig einlagern

Wenn man im Frühling die Winterreifen einlagern möchte, sollten Sie darauf achten, dass der Luftdruck um 0,5 Bar über dem Normaldruck der Autoreifen liegt. Dann sollten alle Fremdkörper aus den Profilen und dem Gummi entfernt und die Reifen gekennzeichnet werden, zum Beispiel in vorne/hinten, links/rechts. Beim Einlagern unbedingt darauf achten, dass die Reifen keinen Kontakt zu Öl, Fett oder Lösungsmitteln haben und in trockenen, dunklen und kühlen Räumen gelagert werden. Reifen mit Felgen werden am besten gestapelt oder können an die Wand gehängt werden, Reifen ohne Felgen sollten grundsätzlich senkrecht stehend gelagert werden. Meistens bieten auch größere Autowerkstätten eine Einlagerung gegen Gebühr an.