04.03.2020

Stau auf der Autobahn – Wie verhalte ich mich richtig?

Der Stau auf der Autobahn gehört beinahe zur täglichen Herausforderung für Autofahrer. Für manche Verkehrsteilnehmer wird er gar zur Geduldsprobe: rund 2.000 Staus am Tag gab es auf deutschen Autobahnen im vergangen Jahr. Die Gründe für einen Stau sind vielfältig und reichen von B wie Baustelle bis U wie Urlaubszeit. Doch viel entscheidender ist die Frage: Welches Verhalten im Stau ist korrekt?

DO´s and DON´Ts:
Was ist im Stau auf der Autobahn erlaubt, was nicht?

Der Autobahn-Stau stellt eine besondere Gefahrenquelle dar: Gerade wenn das Stauende hinter einer Kurve liegt, ist besondere Vorsicht geboten. Allgemein gilt, wenn es auf der Autobahn stockt, ist besondere Aufmerksamkeit gefragt, um Unfälle jedweder Art zu vermeiden.

DO: Vorausschauendes Verhalten im Stau

  • Tempo verlangsamen
  • Warnblinker anschalten
  • Angemessenen Abstand zum Vordermann wahren
  • Rettungsgasse bilden

 

DON´T: Gefahren im Stau befördern

Begleiterscheinungen vom Stau auf der Autobahn sind neben zeitlichen Verzögerungen mitunter auch nervliche Zerreißproben. Doch wie groß die Verlockung, dem Stau zu entgehen, auch sein mag, einige Regeln sollten unbedingt beachtet werden:

  • Beine vertreten – Sollte der Stau auch einmal länger dauern, das Aussteigen und Betreten der Fahrbahn auf der Autobahn sind grundsätzlich verboten. Ein Verstoß wird mit einem Bußgeld in Höhe von 10 Euro geahndet.
  • Standstreifen nutzen – Auch wenn die nächste Ausfahrt schon in Sichtweite ist, der Standstreifen muss frei bleiben. Er darf nicht zum Befahren genutzt werden. Es gilt also: hintenanstellen. Wer sich hier widersetzt, muss mit einem Bußgeld von 75 Euro und einem Punkt rechnen.
  • Wenden – Eine Ausfahrt, die nicht weit zurückliegt, verlockt vielleicht, drastische Mittel zu ergreifen, um dem Stau auf der Autobahn zu entkommen. Aber Vorsicht: Wenden auf der Autobahn, Fahren entgegen der Fahrtrichtung oder Rückwärtsfahren sind grundsätzlich Tabu, da hier Straftatbestände erfüllt werden können. Bei Nicht-Beachtung können Geldstrafen je nach Schwere des Vergehens erteilt werden. Außerdem können bis zu drei Punkte, ein Entzug der Fahrerlaubnis und sogar eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren drohen.
  • Rechts überholen – Ist grundsätzlich untersagt. Es gibt jedoch Umstände, unter denen das Rechts überholen erlaubt sein kann, etwa wenn der Verkehr auf dem linken Fahrstreifen steht oder mit höchstens 60 km/h fährt und die überholenden Fahrzeuge nicht mehr als 20 km/h schneller fahren. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine Geldstrafe in Höhe von 100 Euro und einen Punkt.
  • Handy am Steuer – Telefonieren ohne Freisprechgerät oder die Nutzung des Mobiltelefons während der Fahrt sind verboten. Bei Verstößen werden Bußgelder bis zu 200 Euro fällig sowie ein bis zwei Punkte und sogar Fahrverbot bei Gefährdung oder Sachbeschädigung.
  • Rettungsgasse befahren – Nur Polizei- und Hilfsfahrzeuge wie Feuerwehr- und Rettungswagen sowie Arzt- und Abschleppfahrzeuge dürfen die Rettungsgasse befahren. Bei Nicht-Einhaltung drohen Bußgeld und Punkte in Flensburg.


Tipp: Ausreichend Flüssigkeit, ein kleiner Snack, genügend Benzin, eine Decke und ggf. eine Ablenkung für mitfahrende Kinder sollten neben den vorgeschriebenen Warnwesten, Warndreieck und Verbandkasten zur Standardausrüstung, nicht nur für lange Strecken, gehören. So ist man für den Fall der Fälle, den Autobahn-Stau, bestens gewappnet.

Gesetzliche Hintergründe: Die Straßenverkehrsordnung (StVO)

Die Grundregeln der Straßenverkehrsordnung besagen, dass die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksicht erfordern. Zudem wird darauf verwiesen, dass sich die Verkehrsteilnehmer so zu verhalten haben, „dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder, mehr als nach den Umständen unvermeidbar, behindert oder belästigt wird.“ (§1, StVO) Im Hinblick auf das Verhalten im Stau auf der Autobahn, der den Einsatz von Polizei- und Rettungskräften erforderlich machen kann, ist zunächst allgemein die Pflicht bei Blaulicht „freie Bahn zu schaffen“, zu beachten:

§ 38 Blaues Blinklicht und gelbes Blinklicht
(1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.

Darüber hinaus hat der Gesetzgeber der Rettungsgasse, die Einsatzkräften ein schnelles Vorankommen bei Stau ermöglichen soll,  zunehmend mehr Bedeutung beigemessen. Neben einer vereinfachten Regelung zur Bildung der Rettungsgasse, die 2017 in Kraft getreten ist,  hat der Bundesrat am 14.02.20 den geplanten Änderungen der Straßenverkehrsordnung zugestimmt, wonach Verstöße härter geahndet werden.

Rettungsgasse richtig bilden!

Die korrekte Ausführung der Rettungsgasse entscheidet im Zweifel über wertvolle Sekunden, wenn es um die Rettung von Leben geht. Doch wie wird die Rettungsgasse korrekt gebildet und welche Regelungen greifen bei mehrspurigen Autobahnen? Wenn ein Stau auf der Autobahn entsteht, sollte frühestmöglich eine Rettungsgasse gebildet werden. Am besten bereits, wenn es beginnt zu stocken. Das erlaubt den Fahrzeugen ein frühzeitiges Ausweichen, um Platz für die Rettungsfahrzeuge zu schaffen. Ganz konkret heißt es in der StVO hierzu:

§ 11 Besondere Verkehrslagen
(2) Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußerst linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrstreifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden. “.

Die Rettungsgasse wird also zwischen der linken und rechten Fahrspur gebildet: Die Fahrzeuge auf der linken Spur weichen nach links, die Fahrzeuge auf der rechten Spur weichen nach rechts aus. Bei mehrspurigen Autobahnen ist das Prinzip wie folgt zu übertragen: Alle Fahrer auf der linken Spur fahren nach links, alle anderen weichen nach rechts aus.

Hinweis: Auch wenn bereits ein Polizei- oder Rettungsfahrzeug die Rettungsgasse passiert hat, ist diese weiterhin bis zum Auflösen des Staus freizuhalten, damit eventuell nachkommende Fahrzeuge ebenfalls schnell zum Einsatzort gelangen können.

Bußgeld: Was gilt auf Autobahnen bei Nicht-Beachtung der Rettungsgasse?

Mit dem Inkrafttreten der StVO-Novelle 2020 gelten künftig erhöhte Sanktionen, wenn die Rettungsgasse nicht oder nicht vorschriftsgemäß gebildet wird, wie folgt:

TatbestandBußgeldPunkteFahrverbot
Bei stockendem Verkehr auf einer Autobahn oder Außerortsstraße für die Durchfahrt von Polizei- oder Hilfsfahrzeugen keine vorschriftsmäßige Gasse gebildet200 Euro21 Monat
– unrechtmäßig eine gebildete Rettungsgasse genutzt 240 Euro21 Monat
– mit Behinderung280 Euro21 Monat
– mit Gefährdung300 Euro21 Monat
– mit Sachbeschädigung320 Euro21 Monat

Quelle: https://www.bussgeldkatalog.org abgerufen am 19.02.20

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