17.02.2020

Rente für pflegende Angehörige: So ist die Regelung

Wird ein Familienmitglied pflegebedürftig, übernehmen meist Angehörige die Pflege – und geben dafür nicht selten ihren Beruf auf. Damit die Pflege von Angehörigen keine negativen Auswirkungen auf die eigene Altersvorsorge hat, übernimmt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen die Rentenbeiträge der Pflegeperson. Doch unter welchen Voraussetzungen? Wie wirkt sich die Pflege im Detail auf die Rente aus und muss die Anrechnung der Pflegezeit auf die Rente beantragt werden? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen.

Rente für pflegende Angehörige: Was bedeutet „nicht erwerbsmäßige Pflege“?

Ein Rentenanspruch für pflegende Angehörige besteht nur dann, wenn die Pflege ehrenhalber – also nicht erwerbsmäßig – ausgeübt wird.

Eine Pflegetätigkeit gilt als nicht erwerbsmäßig, wenn die Pflegeperson für ihre Pflegetätigkeit keine oder lediglich eine kleine Vergütung erhält. Je nach Höhe der Anerkennung kann die Pflegekasse prüfen, ob tatsächlich eine nicht erwerbsmäßige Pflege oder ein echtes Beschäftigungsverhältnis vorliegt. Überschreitet die Vergütung das gesetzlich festgelegte Pflegegeld der jeweiligen Pflegestufe, gehen die Rentenkassen von einem Beschäftigungsverhältnis im Sinne der Sozialversicherung aus. In diesem Fall entfällt die Rentenversicherungspflicht der Pflegeperson und damit auch ihr Rentenanspruch.

PflegestufeMonatliches Pflegegeld in Euro
Pflegestufe 1 -
Pflegestufe 2316
Pflegestufe 3545
Pflegestufe 4728
Pflegestufe 5901

 

Angehörige pflegen: Zusätzliche Voraussetzungen für einen Rentenanspruch

Für einen Rentenanspruch für die Pflege eines Angehörigen setzen die Pflegekassen neben der nicht erwerbsmäßigen Pflege folgende Kriterien voraus:

  • Die Pflege muss durch eine Feststellung des medizinischen Dienstes der Krankenkasse (kurz: MDK) als notwendig eingestuft sein.
  • Die zu pflegende Person hat Anspruch auf Leistungen aus der Pflegeversicherung und mindestens den Pflegegrad 2.
  • Die Pflege umfasst mindestens 10 Stunden pro Woche in häuslicher Umgebung und ist regelmäßig auf mindestens zwei Wochentage verteilt.
  • Die Pflegeperson arbeitet neben der Pflege maximal 30 Stunden in der Woche.
  • Der Wohnsitz oder der gewöhnliche Aufenthaltsort der Pflegeperson ist in Deutschland, im Europäischen Wirtschaftsraum oder in der Schweiz.

 

Hinweis: Es ist möglich, dass sich zwei Personen die Pflege teilen. Dabei muss jedoch der Mindestpflegeaufwand von 10 Stunden pro Woche je Person erreicht werden. Andernfalls kann der Rentenanspruch entfallen.

Pflege für Angehörige: Versicherungsfreiheit prüfen!

Gemäß § 5 des SGB VI sind unter anderem folgende Personengruppen versicherungsfrei:

  • Beamte und Richter
  • Geistliche
  • Soldaten
  • geringfügig Beschäftigte 
  • unbezahlte Praktikanten

 

Grundsätzlich gilt: Wer vor der Regelaltersgrenze eine Voll- oder Teilrente oder wer nach dem Überschreiten der Regelaltersgrenze eine Teilrente bezieht, kann zusätzliche Rentenpunkte durch die Pflege von Angehörigen verdienen. Für Personen, die nach der Regelaltersgrenze eine Vollrente beziehen, ist eine Aufstockung der Rentenpunkte durch die Pflegeleistung jedoch nicht mehr möglich.

Pflegende Angehörige: Wie wirkt sich die Pflege auf die Rente aus?

Die Pflegezeit wird von den Rentenkassen als Beitragszeit gezählt und auf die sogenannte Wartezeit angerechnet. Zusätzlich zahlt die Pflegekasse die Rentenbeiträge für die Pflegeperson. Wie hoch die Beiträge im Einzelnen ausfallen, hängt vom zeitlichen Einsatz, dem Pflegegrad der pflegebedürftigen Person sowie dem Ort, an dem die Pflege ausgeübt wird, ab.

Wie hoch ist die Rente für pflegende Angehörige?

Je höher der Pflegegrad und je weniger professionelle Hilfe in Anspruch genommen wird, desto höher fällt die Rente für pflegende Angehörige aus.

Zur Festlegung der Rentenhöhe bestimmt die Pflegeversicherung jährlich ein fiktives Gehalt als Richtlinie. Dieses orientiert sich an der sogenannten Bezugsgröße, die jedes Jahr vom Arbeitsministerium festgelegt wird. Im Jahr 2020 liegt die Bezugsgröße bei 38.220 Euro pro Jahr im Westen und 36.120 Euro pro Jahr im Osten.

Auf diese Bezugsgröße wird der aktuelle Rentenversicherungsbeitrag von 18,6 Prozent angerechnet. Abhängig vom jeweiligen Pflegeaufwand liegt das Gehalt für pflegende Angehörige zwischen 18,9 und 100 Prozent der Bezugsgröße.

Ein Rechenbeispiel: Ein in Hamburg lebender Mann betreut seinen Vater, dem der Pflegegrad 3 zugeordnet wurde. Für die Pflege werden keine ambulanten Pflegekräfte benötigt, zudem nimmt der Mann keine Pflegesachleistungen in Anspruch. Das Pflegegeld wird voll ausgezahlt, der Pflegeperson steht ein Rentenplus in Höhe von 13,29 Euro zu.

Rentenansprüche für pflegende Angehörige: Ist ein Antrag notwendig?

Nein. Wer einen Angehörigen zu Hause pflegt, muss keinen direkten Antrag stellen. Stattdessen muss der „Fragebogen zur Zahlung der Beiträge zur sozialen Sicherung für nicht-erwerbsmäßig tätige Pflegepersonen“ ausgefüllt und bei der Pflegeversicherung eingereicht werden. Im Anschluss entscheidet die Pflegekasse, ob alle Voraussetzungen erfüllt sind.

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