Alles was Sie zur Privatinsolvenz wissen müssen

Schulden, die einem buchstäblich über den Kopf wachsen und nicht mehr aus eigener Kraft zu tilgen sind, gehen an die Substanz. Oft bietet sich als Ausweg nur noch die Privatinsolvenz. Aber was bedeutet das überhaupt? Welche Vor- und Nachteile ergeben sich für den Schuldner und wie läuft eine Privatinsolvenz genau ab?

Kurz erklärt: Was ist eine Privatinsolvenz?

Niemand ist davor gefeit, in die Schuldenfalle zu tappen – sei es aus eigener Verantwortung, durch eine Trennung, den Tod des Lebenspartners oder den Verlust des Arbeitsplatzes. Immer mehr Forderungen prasseln auf den Schuldner ein – es kommt zur absoluten Zahlungsunfähigkeit. Eine Möglichkeit, um aus der Schuldenspirale herauszukommen, ist die Privatinsolvenz, oder, wie sie offiziell heißt, die Verbraucherinsolvenz.

Die Privatinsolvenz ist in der Insolvenzordnung (InsO) geregelt. Der vollständige Inhalt findet sich unter folgendem Link, insbesondere ab § 304 InsO: www.gesetze-im-internet.de/inso.

Ablauf der Privatinsolvenz

  • Vor dem eigentlichen Insolvenzverfahren findet der Versuch einer außergerichtlichen Einigung mit den Gläubigern mittels eines vorab erstellten Schuldenbereinigungsplans durch eine Schuldnerberatung oder einen Anwalt statt.
  • Scheitert dieser Versuch, wird beim Insolvenzgericht der Antrag auf Privatinsolvenz gestellt. Hier wird anhand des Schuldenbereinigungsplans noch einmal geprüft, ob nicht doch eine außergerichtliche Lösung der Schuldentilgung möglich ist.
  • Ist keine Einigung in Sicht, wird das Insolvenzverfahren eröffnet und ein Treuhänder bestimmt, den der Schuldner auch selbst vorschlagen kann. Dieser verwaltet das Vermögen als auch die Schulden.
  • Über einen Zeitraum von in der Regel sechs Jahren nach Eröffnung des Insolvenzverfahrens werden nach bestimmten Kriterien Schulden beglichen. Alles, was über dem unpfändbaren Teil des Einkommens liegt, wird zur Abzahlung dieser Schulden herangezogen. Dabei sichert die Pfändungsgrenze das Existenzminimum des Schuldners und wird individuell berechnet. (Weitere Informationen zur Pfändungsgrenze unter www.schuldnerberatung.de/pfaendungsfreigrenze.)
  • Während dieser sogenannten Wohlverhaltensperiode, die mit dem Insolvenzverfahren beginnt und mit dessen Abschluss endet, muss sich der Schuldner an gesetzlich vorgeschriebene Regeln halten. Nach Ablauf von meist sechs Jahren wird er durch das Gericht von seiner Pflicht zur restlichen Schuldentilgung befreit (Restschuldbefreiung) und erhält die Möglichkeit eines finanziellen Neubeginns – ohne Schulden.
  • Es besteht sogar die Aussicht, dass das Insolvenzverfahren nur drei bzw. fünf Jahre andauert. Bei drei Jahren müssen innerhalb dieser Zeit 35 Prozent der Schulden sowie die Kosten des Verfahrens abgezahlt werden. Fünf Jahre, wenn die gesamten Verfahrenskosten beglichen wurden.

 

Die Vor- und Nachteile einer Privatinsolvenz

Ob eine Privatinsolvenz der richtige Weg aus der Überschuldung ist, sollte intensiv überlegt werden. Hat man sie einmal angeschoben, gibt es keinen Weg zurück. Bei Unsicherheit sollte eine Schuldnerberatung konsultiert werden.

Vorteile:

  • Erlangen der Schuldenfreiheit nach drei bis sechs Jahren als Grundlage für einen finanziellen Neubeginn
  • ab Eröffnung des Privatinsolvenzverfahrens drohen keine Konto- bzw. Gehaltspfändungen und auch kein Auftauchen des Gerichtsvollziehers zur Zwangsvollstreckung
  • die seelische und physische Belastung wird minimiert – ein Ausweg aus der Schuldenfalle wird aufgezeigt und lässt wieder ruhiger schlafen
  • Die Pfändungsfreigrenze sichert das Existenzminimum
  • drei Jahre nach der Restschuldbefreiung werden Schufa-Einträge gelöscht

 

Nachteile:

  • das pfändbare Einkommen wird an den Treuhänder ausgezahlt – der Arbeitgeber muss somit über die laufende Privatinsolvenz informiert werden
  • manche Verbindlichkeiten wie z. B. Bußgelder und Steuerschulden, sind von der Restschuldbefreiung ausgenommen und müssen auch nach der Privatinsolvenz weiter getilgt werden
  • sechs Jahre sind eine lange Zeit
  • die Privatinsolvenz verursacht einen negativen Schufa-Eintrag, was einen Wohnungswechsel oder den Wechsel von Anbietern für Strom oder Mobilfunk nahezu unmöglich macht – ebenso Ratenkäufe
  • die anfallenden Kosten des Verfahrens als auch für den Treuhänder sind zu zahlen

 

Wann macht eine Privatinsolvenz keinen Sinn?

Der Schuldner sollte sich darüber klar sein, dass eine Privatinsolvenz nicht greift, wenn seine Schulden aus einem betrügerischen Delikt oder einer Straftat wie Körperverletzung resultieren. Ist der Schuldner gerichtlich dazu verurteilt worden, ein hohes Schmerzensgeld oder sogar eine lebenslange Rente an den oder die Geschädigten zu zahlen, kann er hiervon auch durch die Restschuldbefreiung nach der Privatinsolvenz nicht entbunden werden.