09.04.2018

Persönliche Haftung bei der Firmengründung – was ist zu beachten?

Neben der Standortfrage und dem Vertriebsweg ist kaum eine Entscheidung bei einer Firmen- oder Existenzgründung so weitreichend wie die, welche Rechtsform für das Unternehmen gewählt wird. Hier geht es um die persönliche Haftung des Unternehmers oder der Gesellschafter. Es geht aber auch darum, welches Vertrauen Geschäftspartner und Kunden in ein Unternehmen setzen.

Haftung bei unterschiedlichen Rechtsformen von Unternehmen

Welche Konsequenzen die Wahl einer bestimmten Rechtsform für die Haftung innerhalb eines Unternehmens hat, soll hier kurz dargestellt werden. Insbesondere wird das Haftungsrisiko des Unternehmers, Gesellschafters oder Geschäftsführers näher beleuchtet. Bei welchen Rechtsformen tritt eine Haftung mit dem Privatvermögen in jedem Fall ein, bei welchen ist eine solche Haftung nur in bestimmten Fällen möglich.

Haftung als Einzelunternehmer bzw. eingetragener Kaufmann
Wer als Einzelunternehmer eine Geschäftstätigkeit aufnimmt und keine besondere Rechtsform wählt, ist automatisch ein Einzelunternehmer. Mit Eintrag ins Handelsregister firmiert er oder sie als „eingetragener Kaufmann“ (e.K.). In dieser Rechtsform gilt eine unbeschränkte Haftung mit dem Privatvermögen. Der Einzelunternehmer haftet also mit seinem kompletten Privatvermögen für alle Verbindlichkeiten der Firma.

Haftung in GbR und OHG
GbR (Gesellschaft bürgerlichen Rechts) und OHG (Offene Handelsgesellschaft) sind Pendants zum Einzelunternehmer, wenn sich zwei oder mehr Personen zu einer Firmentätigkeit zusammenfinden. Die GbR entsteht quasi automatisch mit Aufnahme einer Geschäftstätigkeit, wenn nichts weiter unternommen wird und unterliegt, wie der Name sagt, den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches. Mit Eintrag ins Handelsregister wird eine GbR ab einer bestimmten Größe eine OHG. Diese unterliegt dem Handelsgesetzbuch. In beiden Rechtsformen haften Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen und zwar gesamtschuldnerisch. Das bedeutet, dass ein Gläubiger der Firma seine komplette Forderung gegen jeden der Gesellschafter vorbringen und durchsetzen kann. Der Ausgleich zwischen den Gesellschaftern erfolgt innerhalb der Gesellschaft.

Haftung in der GmbH und der UG
Die GmbH (Gesellschaft mit beschränkter Haftung) und die UG (Unternehmergesellschaft) unterscheiden sich ausschließlich durch das einzubringende Mindeststammkapital, das bei der GmbH 25.000 Euro, bei der UG aber nur einen Euro beträgt. GmbH und UG haften nur in Höhe ihres Gesellschaftsvermögens. Eine Haftung der Gesellschafter mit ihrem Privatvermögen ist durch die Rechtsform ausgeschlossen. Allerdings kann eine Haftung der Geschäftsführer einer GmbH oder UG unter bestimmten Voraussetzungen vorliegen. Sie haften mit ihrem Vermögen, wenn eine Insolvenzverschleppung nachgewiesen wird, wenn eine Pflichtverletzung gegen die „Sorgfalt eines ordentlichen Geschäftsmannes vorliegt“ oder wenn die Gesellschaft noch in Gründung ist. Die Haftungsbeschränkung tritt erst ein, wenn die Unterlagen geprüft sind und das Unternehmen ins Handelsregister eingetragen ist. In der Gründungsphase dürfen zwar Geschäfte getätigt werden, das Haftungsrisiko liegt aber beim Geschäftsführer.

Haftung in der AG
Eine Aktiengesellschaft (AG) muss ein Mindestgrundkapital von 50.000 Euro aufbringen und wie bei der GmbH entsteht eine Haftung des Vorstandes nur bei den oben genannten Pflichtverletzungen. Die AG ist den strengen Regeln des Aktiengesetzes unterworfen. Auch hier entfaltet die Haftungsbeschränkung ihre Wirkung erst mit Eintrag ins Handelsregister.

Haftung in der KG
Die Kommanditgesellschaft (KG) besteht aus einem persönlich haftenden Gesellschafter, dem Komplementär und einem oder mehreren Kommanditisten, die nur in Höhe ihrer Einlage haften. Allerdings kann die Haftung des Komplementärs durch eine Erweiterung der Firmenkonstruktion wieder auf das Gesellschaftsvermögen beschränkt werden, indem z.B. eine GmbH die Position des Komplementärs übernimmt. Man spricht dann von einer GmbH und Co KG.

Haftung in der Ltd.
Eine Limited (Ltd.) ist eine Aktiengesellschaft nach britischem oder irischem Recht oder dem eines anderen Staates des Commonwealth. Da sie bereits mit einem Pfund also ca. 1,50 Euro Stammeinlage gegründet werden kann, gilt sie als einfache und billige Alternative zur deutschen GmbH, denn eine Ausgabe von Aktien ist nicht erforderlich. Allerdings braucht man für den Betrieb einer Ltd. einen Geschäftssitz in dem Land nach dessen Gesetzen die Ltd. errichtet wird, also zumindest eine funktionierende Postanschrift in Großbritannien, Irland oder wo auch immer. Zudem muss in die Gesellschaft Kapital eingebracht werden, um einen Geschäftsbetrieb in Gang zu bringen. Dieses Kapital kann verloren gehen. Obwohl es sich um eine britische Firma handelt, gilt bei einem Geschäftssitz in Deutschland auch deutsches Insolvenzrecht, das heißt bei Insolvenzverschleppung besteht eine Haftung mit dem Privatvermögen des Directors, der dem deutschen Geschäftsführer entspricht. Das gilt auch für „nicht ordnungsgemäße Geschäftsführung“. Das Haftungsrisiko ist also dem des Geschäftsführers einer GmbH vergleichbar.

Welche Rechtsform passt zu meiner Geschäftsidee?

Existenzgründer haben zunächst eine zündende Geschäftsidee, von deren Umsetzung sie sich einen Gewinn erhoffen. Über Gesellschafts- und Rechtsform ihrer Firma haben sie sich oft noch keine Gedanken gemacht, wenn sie schon dabei sind, ein Produkt zu entwickeln oder eine Dienstleistung anzubieten. Wenn sie sich dann mit den Rechtsformen befassen, ist es für junge Unternehmer vor allem wichtig, dass bürokratischer Aufwand und Kosten gering sind. Dafür bieten sich die Personengesellschaften, also Einzelunternehmen, GbR und OHG an, die fast keinen Verwaltungsaufwand und nur sehr geringe Kosten verursachen. Das liegt allerdings daran, dass hier eine volle Haftung mit dem Privatvermögen gegeben ist. Die geringen Kosten und der minimale Aufwand werden also mit persönlichem Risiko bezahlt.

Anders liegt der Fall bei den Kapitalgesellschaften GmbH, UG und AG. Hier besteht ab Eintrag ins Handelsregister eine Haftungsbeschränkung. Es gibt aber viele Regularien für die Form der Gründung und die Geschäftsführung. In Einzelfällen kann es zum Durchgriff auf das Privatvermögen des Geschäftsführers kommen. Allerdings gibt es genügend Fachleute, die alle bürokratischen Vorgänge bei einer Firmengründung im Griff haben und den Aufwand für den Unternehmer gering halten. Ein guter Steuerberater weiß, welche Gesellschaftsform für ein Unternehmen in welcher Phase sinnvoll ist und welche Voraussetzungen dafür zu erfüllen sind.

Lassen Sie sich als Existenzgründer zu Rechtsformen und Haftung in GmbH, GbR, OHG oder UG ausführlich beraten. Oft können die Kosten dafür auch durch einen Existenzgründerzuschuss des Arbeitsamtes übernommen oder verringert werden. Die oft als einfache und risikolose Alternative beworbene Ltd. ist nur für Unternehmer zu empfehlen, die sich sicher in den Gefilden britischen Gesellschafts- und Steuerrechts bewegen.

Wie schütze ich als Unternehmer mein Privatvermögen?

Bei den Personengesellschaften haftet der Unternehmer oder Gesellschafter grundsätzlich mit seinem Privatvermögen. Ein Schutz ist nur insofern möglich, dass Teile des Vermögens oder Immobilien auf (Ehe)partner oder -partnerin, Kinder, Eltern oder andere Vertrauenspersonen überschrieben werden, wobei auch solche Übertragungen unter Umständen von Gläubigern nachträglich angefochten werden können. Eine Insolvenz der Firma geht häufig auch mit einer Insolvenz des Unternehmers einher. Kapitalgesellschaften beschränken die Haftung auf das Gesellschaftsvermögen. Eine Haftung mit dem Privatvermögen bleibt ausgeschlossen, solange keine Insolvenzverschleppung oder ein ähnliches Vergehen das Durchgriffsrecht auf das Vermögen des Geschäftsführers ermöglicht.

Rechtsschutztipp

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Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei TeReBe Rechtsanwalts-AG auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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