03.09.2020

Nebenberufliche Selbstständigkeit – Das gilt es zu beachten

Die nebenberufliche Selbstständigkeit boomt. Laut KfW-Gründungsmonitors entfielen im Jahr 2018 rund 60 Prozent aller Existenzgründungen (547.000) auf Nebenerwerbsgründer (292.000). Wer sich nebenberuflich selbstständig machen will, steht jedoch vor vielen Fragen: Muss der Arbeitgeber über die geplante Selbstständigkeit informiert werden? Welche behördlichen Genehmigungen sind einzuholen und wie sieht es mit den Steuern aus? Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

Nebenberufliche Selbstständigkeit: Wann liegt sie vor?

Ob ein Arbeitnehmer als haupt- oder nebenberuflich selbstständig gilt, hängt davon ab, welche Beschäftigung den Arbeitsmittelpunkt bildet. Eine Selbstständigkeit wird nur dann als nebenberuflich erachtet, wenn für diese eine Arbeitszeit von weniger als 18 Stunden pro Woche aufgewendet werden muss. Zusätzlich darf das Einkommen aus der Selbstständigkeit nicht höher ausfallen als das Angestelltengehalt. Hinweis: Wer selbstständig ist und Mitarbeiter beschäftigt, dem wird regelmäßig eine hauptberufliche Selbstständigkeit unterstellt.

Nebenberufliche Tätigkeit: Arbeitgeber informieren!

In Deutschland hat jeder Arbeitnehmer das Recht, sich nebenberuflich selbstständig zu machen. Das ergibt sich aus Artikel 12 Grundgesetz i.V.m. § 1 Gewerbeordnung (kurz: GewO).

Es ist jedoch empfehlenswert, den Arbeitgeber rechtzeitig zu informieren. Viele Arbeitsverträge enthalten Regelungen, die bestimmte Nebentätigkeiten verbieten. Das gilt vor allem für Nebentätigkeiten, die gegen die berechtigten Interessen des Hauptarbeitgebers verstoßen. Dazu zählen Nebenjobs bei konkurrierenden Unternehmen, welche durch das Konkurrenzverbot i.S.d. § 60 Handelsgesetzbuch (kurz: HGB) zulässig verboten werden dürfen. Zudem dürfen Arbeitgeber Nebentätigkeiten untersagen, durch deren Ausübung der Arbeitnehmer seinen Hauptarbeitsvertrag nicht oder nicht ausreichend erfüllen kann. Das ist beispielsweise dann der Fall, wenn der Arbeitnehmer aufgrund seiner nebenberuflichen Selbstständigkeit häufig nicht erreichbar oder übermüdet ist. Wer sich nebenberuflich selbstständig machen möchte, sollte sicherstellen, dass:

  • die Selbstständigkeit das Hauptarbeitsverhältnis nicht beeinträchtigt
  • dem Arbeitgeber durch die Selbstständigkeit keine direkte Konkurrenz entsteht
  • der Arbeitsvertrag keine einschränkenden Regelungen zu einer nebenberuflichen Selbstständigkeit enthält

 

Anmeldung der nebenberuflichen Selbstständigkeit

Ob haupt- oder nebenberuflich: Wer ein Unternehmen gründen möchte, muss dies anmelden. Freiberufler und Kleinunternehmer melden sich innerhalb von 4 Wochen beim zuständigen Finanzamt an, bei der Selbstständigkeit als Einzelunternehmer, Kaufmann, OHG oder Kapitalgesellschaft ist eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt erforderlich. Für selbstständige Handwerker gilt zusätzlich eine Pflichtmitgliedschaft in einer Handwerkskammer.

Nebenberuflich gründen: Genehmigungen für nebenberufliche Selbstständigkeit

Nebenberufliche, selbstständige Tätigkeiten können gem. § 29 ff GewO einer Erlaubnispflicht unterliegen. Dazu zählen beispielsweise der Betrieb von Versicherungsvermittlungen, Immobilienvermittlungen, Privatkrankenanstalten, Spielhallen sowie Tätigkeiten im Reise- und Bewachungsgewerbe. Für die Erlaubniserteilung durch die zuständige Behörde – üblicherweise das Ordnungsamt oder die IHK – sind folgende Dokumente erforderlich:

 

Wer eine nicht genehmigungspflichtige Selbstständigkeit ausüben möchte, kann sich direkt an das zuständige Gewerbeamt wenden.

Selbstständigkeit: Sozialversicherungspflicht beachten

Nebenberuflich Selbstständige müssen in der Regel keine zusätzlichen Abgaben zur Sozialversicherung entrichten, da diese bereits über das Hauptarbeitsverhältnis abgegolten werden. Allerdings ist eine Rücksprache mit der Krankenversicherung erforderlich. Das Entgelt aus der nebenberuflichen Selbstständigkeit wird für die Beitragszahlungen berücksichtigt. Dies kann in einigen Fällen Nachforderungen zur Folge haben.

Selbstständig: Steuern für nebenberuflich Selbstständige

Die Besteuerung einer nebenberuflichen Selbstständigkeit gleicht der Besteuerung bei einer Gründung im Vollerwerb.

Steuer

Wer zahlt die Steuer?

Umsatzsteuer oder Mehrwertsteuer

Jedes Unternehmen. Kleinunternehmer müssen jedoch keine Umsatzsteuer auf der Rechnung ausweisen

Einkommenssteuer

Kleingewerbetreibende und GbR

Körperschaftssteuer

Kapitalgesellschaften wie GmbH, UG, AG und Genossenschaft

Gewerbesteuer

Alle Gewerbetreibende. Ausnahme: Freiberufler

Vorsteuerabzug

Kann von allen umsatzsteuerpflichtigen Unternehmen vorgenommen werden

Lohnsteuer

Bei der Beschäftigung von Mitarbeitern bzw. der Gründung einer GmbH (Geschäftsführergehalt)

Vor- und Nachteile einer nebenberuflichen Selbstständigkeit

Wer sich nebenberuflich selbstständig macht, kann zunächst prüfen, ob seine Geschäftsidee über ausreichend wirtschaftliches Potential für eine hauptberufliche Selbstständigkeit verfügt. Das Einkommen aus dem Hauptjob sichert in vielen Fällen die Finanzierung der nebenberuflichen Selbstständigkeit. Gleichzeitig ist es möglich, die nebenberufliche Selbstständigkeit beim Verlust des Haupteinkommens in eine hauptberufliche Selbstständigkeit zu überführen.

Allerdings birgt eine nebenberufliche Selbstständigkeit auch Risiken. Die Doppelbelastung geht mit einem Verzicht auf private Freizeit einher, gleichzeitig kann der Umstand einer nebenberuflichen Selbstständigkeit von einigen Kunden als nachteilig ausgelegt werden. Und: Wer nebenberuflich selbstständig arbeitet, ist zeitlich weniger flexibel, um auf dringende Kundenwünsche zu reagieren.

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