26.02.2018

Das Netz vergisst nie – wenn peinliche Fotos im Internet landen

Grundsätzlich gilt: Jeder Mensch hat das Recht am eigenen Bild. Doch im Smartphone-Zeitalter kann praktisch jeder überall und zu jeder Zeit Fotos machen – zum Beispiel auch welche von der rauschenden Party der letzten Nacht und den Trinkspielchen. Da kann es schon sehr peinlich werden, wenn man am nächsten Morgen einen Blick in die sozialen Netzwerke wirft und dort haufenweise kompromittierende Fotos von sich findet. Noch unangenehmer wird es, wenn auch die Kollegen und der Chef sehen können, was man in seiner Freizeit so treibt!

Dazu kommt auch noch, dass in den Suchmaschinen Bilder noch öffentlich auffindbar sein können, die eigentlich längst gelöscht wurden. Außerdem können die Fotos von anderen kopiert und dann immer wieder ins Internet gestellt werden – ohne das Wissen der abgebildeten Personen. Gut ist, wenn Betroffene in einem solchen Fall ihre Rechte kennen. Doch wie geht man am besten vor, wenn peinliche Fotos aus dem Internet gelöscht werden sollen?

Was ist das Recht am eigenen Bild?

Das Recht am eigenen Bild wird im § 22 und § 23 des Kunsturhebergesetzes (KUG) geregelt. Paragraf 22 legt fest: „Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“ Dort wird auch definiert, dass eine Einwilligung im Zweifel als erteilt gilt, wenn die abgebildete Person eine Entlohnung für das Foto erhielt – was bei peinlichen Partyfotos eher nicht der Fall ist!

Doch es gibt Ausnahmen von dieser strengen Vorgabe: Menschen, die an öffentlichen Veranstaltungen wie zum Beispiel einem Fußballspiel, einem Schützenfest oder einer Demonstration teilnehmen, müssen damit rechnen, fotografiert zu werden – und auch damit, dass diese Fotos veröffentlicht werden. Wichtig ist hier aber, dass auf den Fotos das jeweilige Event im Vordergrund stehen muss, das heißt, auf dem veröffentlichten Foto dürfen nicht nur wenige Personen abgebildet sein. Lediglich der Sieger des Schützenfestes oder der Demo-Redner dürfen allein fotografiert werden, denn sie gelten in diesem Fall als Person der Zeitgeschichte nach § 23 KUG.

Gut zu wissen: Auch für Kinder gilt das Recht am eigenen Bild. Ergänzend kommt noch hinzu, dass jedes veröffentlichte Foto von Menschen unter 18 Jahren der Zustimmung der Erziehungsberechtigten bedarf.

Löschung peinlicher Fotos verlangen – so geht’s

Um Löschung bitten
Am Anfang empfiehlt sich die friedliche und höfliche Variante: Betroffene sollten also die Person, die die peinlichen Fotos veröffentlicht hat, bitten, diese wieder zu löschen – mit einer Frist von 14 Tagen. In vielen Fällen hilft das schon, denn oft weiß der Fotograf einfach nicht, welchen Schaden peinliche Fotos verursachen können.

Zum Anwalt gehen
Sollten die peinlichen Fotos nicht gelöscht werden, bleibt nur noch der Gang zum Anwalt. Vorher sollten Beweise gesichert werden, zum Beispiel mit Hilfe von Screenshots. Der Anwalt wird dann prüfen, ob die Persönlichkeitsrechte verletzt wurden und ob die abgebildete Person Anspruch auf Unterlassung hat – in diesem Fall kann der Fotograf außergerichtlich zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufgefordert werden. Außerdem wird der Anwalt noch eventuelle Schadensersatz- oder sogar Schmerzensgeldansprüche prüfen.

Wann hilft die Rechtsschutzversicherung?
Wer bei der Durchsetzung von Unterlassungsansprüchen anwaltliche Unterstützung in Anspruch nehmen will, sollte sich vorab informieren, ob die Kosten dafür von der eigenen Rechtsschutzversicherung abgedeckt werden.

Weitere Möglichkeiten für Betroffene

  • Sollten peinliche Fotos auch nach der Löschung noch zu finden sein, kann man diese unerwünschten Inhalte auch direkt bei Google melden und die Löschung beantragen.
  • Unter jedem Bild bei Facebook gibt es die Funktionen „Foto melden“ oder „Markierung melden“ – auf Klick öffnet sich ein Formular, mit dem man kompromittierende Inhalte melden kann. Im Hilfebereich finden sich noch viele weitere Informationen.

Sollten derartige Fotos auf Twitter geteilt worden sein, wendet man sich am besten direkt an den Support.

Die beste Vorgehensweise: vorbeugen

Um sich viel Frust und Arbeit zu ersparen, sollte man am besten stets darauf achten, dass solche kompromittierenden Fotos gar nicht erst entstehen. Viele Menschen sind sich überhaupt nicht bewusst, wie viel Schaden sie mit einem schnellen Schnappschuss anrichten können – und wissen auch nicht, welche empfindlichen Strafen auf sie warten können, wenn sie diese „lustigen“ Bilder nicht umgehend löschen, sobald eine abgebildete Person sie dazu auffordert. Ein klärendes Gespräch im Vorfeld kann hier also viel Ärger vermeiden.

Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei TeReBe Rechtsanwalts-AG auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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