30.05.2022

Rentenpunkte kaufen und früher in Rente gehen?

Nach einem langen Arbeitsleben freuen sich Viele auf einen wohlverdienten Ruhestand. Eine hohe Rente hilft, den Lebensstandard nach dem Job zu sichern. Doch einige Umstände (z.B. ein geringer Verdienst oder Teilzeitarbeit) reduzieren die Rentenpunkte – und damit auch den Rentenanspruch. Um diese Lücke zu schließen, können Rentenpunkte gekauft werden. Wie das Ganze funktioniert, wer Rentenpunkte kaufen kann und wie viel diese kosten, erläutert dieser Artikel.

Was sind Rentenpunkte und welche Auswirkungen haben sie auf die Rente?

Sogenannte Rentenpunkte (auch: Entgeltpunkte) sind eine Rechengröße der gesetzlichen Rentenversicherung. Sie dienen dazu, die späteren Rentenansprüche auf Grundlage der eingezahlten Beiträge zu berechnen.

Wer ein Jahr lang so viel Rentenbeiträge eingezahlt hat wie der deutsche Durchschnittsverdiener (38.901 Euro/Jahr in Westdeutschland, 37.333 Euro/Jahr in Ostdeutschland, Stand 2022) erhält dafür von der Deutschen Rentenversicherung einen Entgelt- bzw. Rentenpunkt gutgeschrieben. Bei geringeren Einzahlungen reduziert sich die Anrechnung um den entsprechenden Bruchteil, bei höheren Einzahlungen steigt die Gutschrift an.

Je mehr Rentenpunkte Versicherte sammeln, umso höher fällt die gesetzliche Rente aus.

Wer kann Entgeltpunkte kaufen und wann ist der Kauf von Rentenpunkten sinnvoll?

Wer für eine gewisse Zeit in Teilzeit arbeitet oder im Job pausiert, erhält weniger Rentenpunkte und muss bei der Ruhestandsplanung eine reduzierte Rente berücksichtigen.

Um die verringerte Rentenzahlung auszugleichen, erlaubt die Deutsche Rentenversicherung den Kauf von Rentenpunkten. Die gesetzliche Grundlage bildet das sogenannte Flexirentengesetz.

Wichtig!

Rentenpunkte kaufen dürfen grundsätzlich alle Personen ab einem Alter von 50 Jahren, die bereits zuvor schon einmal Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung geleistet haben. Demnach können nicht nur Arbeitnehmende, sondern auch freiberuflich Tätige oder Selbstständige, die nach einer Existenzgründung keine Einzahlungen mehr geleistet haben, Rentenpunkte kaufen.

Ein Rentenpunkt kostet (Stand 04/2022) 7.235,59 Euro und erbringt eine Rente i.H.v. 34,19 Euro/Monat (West) bzw. 33,47 Euro/Monat (Ost).

Der Kauf von Rentenpunkten ist vor allem für Personen sinnvoll, die:

  • einen früheren Rentenbeginn planen und den Abschlag mithilfe von zusätzlichen Entgeltpunkten ausgleichen möchten
  • ihre gesetzliche Rente erhöhen möchten
  • im Falle einer Kündigung einen Teil ihrer Abfindung einzahlen möchten, um ihr Rentenniveau trotz Arbeitslosigkeit zu halten
  • fehlende Versicherungsjahre zur Mindestversicherungszeit auffüllen möchten

 

Fehlende Rentenjahre kaufen: Wie viele Rentenpunkte kann man erwerben?

Für den Kauf von Rentenpunkten ist ein formaler Antrag bei der Deutschen Rentenversicherung erforderlich. Die gewünschten Beiträge lassen sich entweder monatlich oder auf einen Schlag bezahlen. Es ist empfehlenswert, vor dem Kauf eine Rentenauskunft einzuholen. Auf diese Weise wird festgestellt, wie viele Rentenpunkte bereits erworben wurden und wie hoch die spätere Rente ausfällt.

Info!

Wie viele Entgeltpunkte gekauft werden können, hängt von der aktuellen Beitragsbemessungsgrenze ab. Versicherte müssen nur bis zu dieser Grenze Beiträge aus ihrem Arbeitsentgelt in die gesetzliche Rentenversicherung einzahlen.

Die Beitragsbemessungsgrenze liegt im Jahr 2022 bei 7.050 Euro/Monat (Westdeutschland) bzw. 6.750 Euro/Monat (Ostdeutschland). Einkommen, die darüber hinausgehen, zählen nicht mehr zur Ermittlung der Entgeltpunkte.

Vor allem für Besserverdienende gilt: Wer auch im Alter seinen gewohnten Lebensstandard halten möchte, sollte etwaig entstehenden Versorgungslücken vorbeugen – beispielsweise durch eine private Altersvorsorge.

Rentenpunkte und Rente: Eine Beispielrechnung

Die gesetzliche Rente berechnet sich anhand folgender Formel:

Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor = Rentenhöhe

Der Zugangsfaktor steht für Abschläge, die durch einen vorzeitigen Ruhestand oder das Weiterarbeiten nach Erreichen der Grenze entstehen. Für jeden Monat des vorzeitigen Ruhestandes mindert sich der Rentenanspruch um 0,3 Prozent, für jeden Monat der Mehrarbeit erhöht er sich um 0,5 Prozent.

Der Rentenartfaktor bezieht sich auf die Art der Rente. Wer beispielsweise eine Erwerbsminderungsrente bezieht, erhält nur die Hälfte der gesetzlichen Rente. Der Rentenartfaktor beträgt in diesem Fall 0,5. Bei einer klassischen Altersrente hingegen gibt es den gesamten Betrag – der Faktor beträgt also 1.

Beispiel

Person A hat im Laufe ihres Berufslebens 38 Entgeltpunkte angesammelt und geht bei Erreichen der Regelaltersgrenze in Rente. Die Rentenhöhe beträgt: 38 x 1 x 34,19 x 1= 1.299,22 Euro.

Entscheidet sich Person A, ein Jahr früher in Rente zu gehen, muss sie mit rund 3,6 Prozent weniger Rente (= 46 Euro/Monat) rechnen. Um diese Lücke auszugleichen, müsste Person A beim aktuellen Rentenwert (34,19 Euro/Stand 04/2022) rund 1,3 Rentenpunkte erwerben – also ca. 9.400 Euro freiwillig in die Rentenkasse einzahlen.

Rentenpunkte kaufen und steuerlich absetzen: Geht das?

Die Kosten für den Kauf von Entgeltpunkten sind steuerlich absetzbar. Die Zahlungen gelten als Vorsorgeaufwendungen und können als Sonderausgaben in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Allerdings ist der Höchstbetrag der Abzugsfähigkeit gem. § 10 Abs. 3 Einkommenssteuergesetz auf 84 Prozent beschränkt.

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