06.07.2020

Hallo, Grillsaison – Doch wo ist es erlaubt?

Deutschland ist Grillweltmeister. Nach einer Studie von Tomorrow Focus Media grillen rund ein Drittel der Deutschen ganzjährig. Dabei stellt sich die Frage: Auf dem Balkon, im Garten oder im Park – wo ist das Grillen eigentlich erlaubt? Welche Vorgaben macht der Gesetzgeber und wie oft müssen Nachbarn das Grillen tolerieren? Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

Grillen im eigenen Garten

Grundsätzlich ist das Grillen im eigenen Garten erlaubt. Jedoch ist das nachbarschaftliche Rücksichtnahmegebot, welches sich aus § 242 BGB ableitet und nach dem Grundsatz von Treu und Glauben von der Rechtsprechung entwickelt wurde, zu beherzigen. So ist jeder Bürger zur Rücksichtnahme auf die schutzwürdigen Interessen des anderen sowie zu einem redlichen und sozialen Verhalten verpflichtet. Im Umkehrschluss bedeutet dies: Handlungen, die den Nachbarn stören können, sind zu unterlassen. Wer also bis spät in die Nacht feiert oder den stark rauchenden Grill direkt am Zaun zum Nachbargrundstück platziert, sieht sich unter Umständen mit einem Unterlassungsanspruch seitens des Nachbarn konfrontiert.

Grillen auf dem Balkon

Ob das Grillen auf dem Balkon erlaubt ist, entscheidet sich im Einzelfall. Ist im Mietvertrag oder in der Hausordnung das Grillen auf dem Balkon oder der Terrasse verboten, müssen sich Mieter an diese Regelung halten. Wer dagegen verstößt, riskiert eine Abmahnung oder sogar eine Kündigung (vgl. Urteil des LG Essen, Az.: 10 S 438/01).

Auch ohne entsprechende Regelung im Mietvertrag darf auf dem Balkon oder der Terrasse nicht gegrillt werden, wenn das Grillen für die Nachbarn eine unzumutbare Belästigung darstellt. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn der Rauch in die Nachbarwohnungen zieht oder eine starke Geruchsentwickelung entsteht. Bei wesentlichen Beeinträchtigungen durch Ruß und Rauch liegt zudem eine Ordnungswidrigkeit vor, welche mit einer Geldbuße geahndet werden kann.

Grillen im Gemeinschaftsgarten

Für das Grillen im Gemeinschaftsgarten gelten die gleichen Richtlinien wie für das Grillen auf dem Balkon. Verbieten Mietvertrag oder Hausordnung das Grillen, haben sich Mieter an diese Vorgabe zu halten. Fehlt eine entsprechende Klausel, gilt das Gebot zur nachbarschaftlichen Rücksichtnahme.

Grillen im öffentlichen Park

Das Grillen in Parks, am Baggersee und auf öffentlichen Wiesen ist in vielen Bundesländern grundsätzlich verboten – und mit entsprechend hohen Strafen belegt. So kostet beispielsweise in Berlin das unerlaubte Grillen in der Öffentlichkeit bis zu 5.000 Euro.

Auf ausgewiesenen Grillplätzen ist das Grillen gestattet. Dabei ist darauf zu achten, dass viele Bundesländer einen Mindestabstand des Grills zum Boden vorschreiben, damit der Untergrund keinen allzu großen Schaden nimmt und die Brandgefahr minimiert wird.

Belästigung durch Grillen: Beweis der Beeinträchtigung ist Sache des Klägers

Wer sich durch das Grillen seiner Nachbarn gestört fühlt, hat unter Umständen einen Unterlassungsanspruch. Im Falle einer Klage liegt die Beweislast allerdings beim Kläger. Das bedeutet: Dieser muss die wesentliche und unzumutbare Beeinträchtigung nachweisen. Dies ist beispielsweise durch Zeugenaussagen oder das Gutachten eines Sachverständigen zu erbringen. Auch die örtlichen Gegebenheiten (z. B. Rußablagerungen am Wohngebäude oder eine sichtbar enge Bebauung) können das Gericht zur Bejahung des Unterlassungsanspruches bewegen.

Grillen im Garten, auf dem Balkon oder der Terrasse: Wie oft darf man grillen?

Anhand der aktuellen Rechtsprechung lässt sich diese Frage nicht pauschal beantworten. Laut Amtsgericht Berlin-Schöneberg dürfe jährlich zwischen 20 und 25 Mal für jeweils zwei Stunden und maximal bis 21 Uhr gegrillt werden (Az.: 3 C 14/07). Das Landgericht Aachen hat hingegen entschieden, dass nur zweimal pro Monat zwischen 17 und 22.30 Uhr gegrillt werden darf (Az.: 6 S 2/02). Das OLG Oldenburg legt strengere Maßstäbe an: Nach einem Urteil vom 29. Juli 2002 dürfe der Grill zwar bis 24 Uhr angeworfen werden – allerdings nur viermal pro Jahr (Az.: 13 U 53/02).

Grillen verboten: Diese Strafen drohen

Wer auf dem Balkon oder im Gemeinschaftsgarten seiner Mietwohnung grillt, obwohl dies im Mietvertrag oder in der Hausordnung verboten ist, dem droht eine Abmahnung – bei wiederholten Verstößen sogar eine Kündigung.

Das unerlaubte Grillen in der Öffentlichkeit stellt eine Ordnungswidrigkeit dar, die – je nach Stadt und Bundesland – mit einem Bußgeld zwischen 5 und 5.000 Euro bestraft wird.

Wird beim unerlaubten Grillen in der Öffentlichkeit zusätzlich gegen das Naturschutzgesetz verstoßen, kann sich das Bußgeld deutlich erhöhen. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Natur oder die heimischen Tiere und Pflanzen durch das Grillen oder die Hinterlassenschaften der Grillliebhaber beeinträchtigt, gestört oder beschädigt werden.

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