Fehlüberweisung: So holen Sie sich Ihr Geld zurück

Fast täglich haben wir es mit modernem Zahlungsverkehr zu tun. Am häufigsten füllen wir Überweisungen aus, oder nehmen am Lastschriftverfahren teil. Nach der Einführung der IBAN (International Bank Account Number) Kennnummern, einem 22-stelligen Code, sind diese Schritte noch leichter geworden. Doch leider birgt dieses System auch viele Gefahren. Ein Tippfehler, ein Zahlendreher oder ein unleserlicher Code und schon ist das Geld weg.

Sie haben Geld auf ein falsches Konto überwiesen – was tun?

Im Idealfall haben Sie Geld auf ein Konto überwiesen, das es gar nicht gibt. In diesem Fall wird der Betrag zwar bei Ihnen abgebucht, landet aber bereits nach wenigen Tagen wieder auf Ihrem Konto. Der Fall ist erledigt. Viele Zahlendreher können beim Online-Banking bereits während der Eingabe der IBAN aufgedeckt werden, weil die ersten zwei Ziffern nach dem Ländercode (in Deutschland DE) Prüfziffern sind. Das Online-System kann sofort erkennen, ob diesen Ziffern eine entsprechende Bank zugeordnet ist. Bei einem manuell ausgefüllten Überweisungsträger ist Ihre Bank verpflichtet zu prüfen, ob die IBAN technisch überhaupt existiert.

So können Sie falsch überwiesenes Geld zurückholen

Sollte der in der Überweisung angegebenen IBAN ein Konto zugewiesen werden können, nehmen die Dinge ihren unerwünschten Lauf. Hier stehen nun zwei Möglichkeiten zur Wahl, die falsche Abbuchung zurückzuholen:

Haben Sie den Fehler bemerkt, bevor die Überweisung dem Konto des Empfängers gutgeschrieben, reicht es, wenn Sie Ihre Hausbank kontaktieren. Üblicherweise wickeln die betroffenen Banken die Rückbuchungen untereinander ab. Eine Überweisung kann zwischen wenigen Stunden bis zu zwei Werktagen dauern. In der Zwischenzeit ist Ihr Geld auf einem Sammelkonto, von wo aus es seinem Bestimmungszwecke zukommt. Die meisten Finanzinstitute haben eine Service-Hotline, die auch am Wochenende und an Feiertagen besetzt ist.

Ist Ihre Überweisung dem Empfänger bereits gutgeschrieben, hat Ihre Bank keinen Zugriff mehr auf das Geld. Wenn es sich um einen Irrläufer handelt, wird die Bank den Empfänger kontaktieren und ihn um die Rücküberweisung bitten. Ob er dieser Aufforderung folgt, ist seine Sache. In diesem Fall können Sie auf die Herausgabe der Adressdaten des Empfängers pochen – das Datenschutzgesetz ist in diesem Fall nicht relevant. Im schlimmsten Fall müssen Sie Ihre Ansprüche nun mit Hilfe eines Anwalts durchsetzen.

Können Sie eine Rückerstattung von der Bank verlangen?

Nein ist hier die klare Antwort. Banken sind seit Einführung der SEPA (ein Projekt zur Vereinheitlichung von bargeldlosem Zahlungsverkehr) nicht mehr verpflichtet, Kontonummer und Empfängername auf einer Überweisung abzugleichen. Allerdings ist der Kundenservice der meisten Geldinstitute behilflich, eine Rücküberweisung durch den Empfänger zu unterstützen. Besprechen Sie, welche Kosten für einen Rückholauftrag anfallen. Diese liegen in der Regel zwischen 10 und 15 Euro, können aber auch höher ausfallen. Entscheiden Sie danach, ob sich der Aufwand einer Rückholung lohnt.

Was ist eine ungerechtfertigte Bereicherung?

Der Empfänger ist verpflichtet, das fälschlich oder zu viel überwiesene Geld zurückzugeben, denn es liegt eine ungerechtfertigte Bereicherung vor. Andernfalls macht er sich der ungerechtfertigten Bereicherung schuldig. Allerdings: Hat der Empfänger das falsch oder zu hoch angewiesene Geld ausgegeben und kann beweisen, dass er nicht wusste, dass es ihm nicht zustand, bleibt der Absender auf dem Problem alleine sitzen. Eine sog. Entreicherung liegt jedoch nicht vor, wenn der Empfänger mit dem erhaltenen Betrag z.B. eigene Schulden getilgt hat, dann bleibt er trotzdem zur Rückzahlung verpflichtet.

Rückbuchung bei Lastschriftverfahren und fehlerhafter Kreditkartenabbuchung

Um den Zahlungsverkehr zu erleichtern, bestehen viele Unternehmen auf das sogenannte Lastschriftverfahren. Hierbei gibt der Kunde seine Bankdaten bekannt und gestattet dem Unternehmen, das Geld vom Konto einzuziehen. Auch hier kann es zu Fehlbuchungen kommen – etwa eine unberechtigte oder zu hohe Abbuchung. In diesem Fall haben Sie als Kontobesitzer acht Wochen das Recht, ihr Geld zurückbuchen zu lassen. Bei Buchungen über PayPal gibt es sogar einen Käuferschutz von bis zu 180 Tagen.

Auch bei einem Missbrauch Ihrer Kreditkarte durch Dritte haben Sie eine Frist von – je nach Institut – sechs bis acht Wochen, um fehlerhafte Umsätze zurückbuchen zu lassen.

So schützen Sie sich vor einer falschen Überweisung oder Abbuchung

Kontrollieren Sie den Überweisungsträger doppelt, bevor Sie ihn in Auftrag geben.

Kontrollieren Sie Ihre Bankauszüge und Kreditkartenabrechnungen regelmäßig auf Kontobewegungen. Nur so können Sie eine falsch eingezogene Lastschrift rechtzeitig ausmachen und Ihr Geld zurückverlangen.