06.01.2020

Erbe ausschlagen – Richtiges Verhalten bei der Erbausschlagung

Eine Erbschaft ist nicht immer Grund zur Freude. Erbberechtigte treten per Gesetz die Gesamtrechtsnachfolge des Verstorbenen an. Neben Vermögenswerten, Immobilien und Bargeld zählen somit auch Verbindlichkeiten und Schulden zur Erbmasse – für viele Menschen ein Grund, die Erbschaft auszuschlagen. Doch geht das so einfach? Wann kann ein Erbe ausgeschlagen werden, welche Konsequenzen hat eine Erbausschlagung und welche Alternativen gibt es? Dieser Artikel klärt die wichtigsten Fragen.

Erbe ablehnen: die Erbmasse als Ausgangswert

Ist ein Erbfall eingetreten, wird zunächst die Erbmasse ermittelt. Dazu müssen die Erbschaftsbesitzer gem. § 2027 BGB über sämtliche Vermögensverhältnisse des Erblassers, also Aktiva und Passiva den Erben Auskunft erteilen und diese in einem sogenannten Nachlassverzeichnis auflisten. Zu den Aktiva zählen beispielsweise:

  • Bargeld und Kontoguthaben
  • Sparbücher und Wertpapiere
  • Immobilien, Wohnungen
  • und andere bewegliche Gegenstände.

 

Typische Passiva sind:

  • Verbindlichkeiten bei Kreditinstituten
  • unbeglichene Schuldscheine
  • offene Rechnungen
  • Hypotheken

 

Im Anschluss werden die Passiva von den Aktiva subtrahiert. Das Ergebnis ist der sogenannte Nachlasswert, also der reine Wert des Nachlasses nach Abzug aller Verbindlichkeiten des Erblassers.

Schulden geerbt – Erbe ausschlagen oder ablehnen?

Übersteigen die Passiva die Aktiva deutlich, stehen Erben vor einem Problem. Sie erben nicht nur das Hab und Gut des Erblassers, sondern auch dessen Schulden. Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber in § 1942 BGB das Recht auf Ausschlagung einer Erbschaft verankert.

Doch Achtung: Die Ausschlagung bezieht sich auf die gesamte Erbmasse. Es ist nicht möglich, nur die Wertgegenstände und das Vermögen anzunehmen, die Schulden jedoch auszuschlagen. Wird das Erbe ausgeschlagen, verzichtet der Erbe auf alles. Dies bezieht sich auch auf Familienerbstücke, Fotografien oder den Hausrat des Erblassers.

Schulden, Folgekosten und Insolvenz: Gründe für einen Erbverzicht

Die Gründe für eine Erbausschlagung können vielfältig sein. Neben dem Fall, dass der Erblasser mehr Soll als Haben hinterlassen hat, kommt eine Erbausschlagung auch bei der Erbschaft einer renovierungsbedürftigen Immobilie in Betracht. Denn: Wird das Erbe angenommen, müssen die Erbberechtigten für die Renovierungskosten, beispielsweise ein neues Dach, moderne Elektrik oder eine Heizungsmodernisierung aufkommen.

Ist der Erbberechtigte selbst verschuldet und möchte dieser nicht, dass der Nachlass seinen Gläubigern zugutekommt, kann er das Erbe ausschlagen. Seinen Anteil bekäme der nächste in der Erbfolge – der oder die Gläubiger gingen leer aus.

Befindet sich der Erbberechtigte im Verfahren der Verbraucherinsolvenz, fällt eine Erbschaft gem. § 295 Abs. 1 Nr. 2 InsO zur Hälfte an den Insolvenzverwalter. Um dies zu verhindern, kann die Erbschaft ausgeschlagen werden.

Es kommen aber noch weitere Gründe in Betracht, eine Erbschaft auszuschlagen, beispielsweise:

  • Der Erbe hat kein Interesse an der Erbmasse
  • Der Erbberechtigte verzichtet zugunsten eines Nacherben
  • Der Erbe stand in keinem guten Verhältnis zum Erblasser

 

Erbe ausschlagen: Fristen und Kosten für eine Erbausschlagung

Die Frist für die Erbausschlagung beträgt gem. § 1944 BGB sechs Wochen, in Ausnahmefällen sechs Monate. Sie beginnt mit dem Zeitpunkt, in welchem der Erbe von dem Erbfall sowie seiner Berufung als Erbe Kenntnis erlangt. Dies ist spätestens dann der Fall, wenn dem Erbberechtigten vom Nachlassgericht die Kopie des Testaments übermittelt wird.

Die Höhe für die Kosten einer Erbausschlagung variieren je nach Nachlasswert. Ist das Erbe überschuldet, beträgt die Gebühr für die Erbausschlagung beim Nachlassgericht gem. KV 21201 Nr. 7 GNotKG pauschal 30 Euro.

Ist das Erbe jedoch zum finanziellen Vorteil des Erbberechtigten, richtet sich die Höhe der Gerichts- und Notarkosten gem. § 103 Abs. 1 GNotKG nach der Höhe des Nachlasswertes.

Konsequenzen aus einer Erbschaftsausschlagung

Mit der Erbausschlagung ist der Erbberechtigte von allen Pflichten, welche sich aus der Erbschaft ergeben, befreit. Der Erbe muss dann die Schulden des Erblassers nicht tilgen. Im Gegenzug verzichtet der Erbberechtigte auf seine Rechte, beispielsweise auf die Erbschaft seines Pflichtteils.

Wird das Erbe ausgeschlagen, verändert sich zudem die Erbfolge. Der Ausschlagende wird gem. § 1953 Abs. 2 BGB so behandelt, als wäre er selbst bereits verstorben. Das Erbrecht geht in diesem Fall auf die Abkömmlinge des Erbberechtigten über. Schlagen auch diese das Erbe aus und gibt es in der gesetzlichen Erbfolge keine weiteren Erben, tritt der Staat als Schlusserbe auf.

Verzichtserklärung Erbe: Alternativen zur Erbausschlagung

Eine Alternative zur Erbausschlagung ist die sogenannte Nachlassinsolvenz. Haben bestimmte Nachlassgegenstände für den Erbberechtigten einen emotionalen Wert, kann er diese für sich erhalten, ohne mit seinem Vermögen für den überschuldeten Nachlass haften zu müssen. Ein Nachlassinsolvenzverfahren ist jedoch nur möglich, wenn der Nachlass zahlungsunfähig oder überschuldet ist.

Eine weitere Alternative zur Erbausschlagung ist die Überschwerungseinrede gem. § 1992 BGB. Hat der Erblasser beispielsweise Vermächtnisse im Gesamtwert von 100.000 Euro angeordnet, beträgt der Nachlasswert jedoch nur 80.000 Euro, gilt der Nachlass als überschwert. In diesem Fall kann der Erbe nach Erhebung einer Überschwerungseinrede die Herausgabe auf einen Teil des Nachlasses beschränken, ohne das gesamte Erbe ausschlagen zu müssen.

Unser Tipp: Bei beiden Verfahren ist ein rechtlicher Beistand unabdingbar. Eine zuverlässige Privatrechtsschutzversicherung hilft Betroffenen bei der Suche nach einem fachkundigen Anwalt.

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