Abmahnung wegen Zuspätkommens – gerechtfertigt?

Wie jeden Morgen klingelt der Wecker, doch anstatt aufzustehen, betätigen viele Berufstätige automatisch die Schlummertaste und drehen sich noch einmal um. Mist! Schon wieder zu spät. Aber kann das eigentlich unangenehme Folgen haben? Sind sogar arbeitsrechtliche Konsequenzen wie eine Abmahnung wegen zu spät kommen möglich?

Arbeitsrecht – Pünktlichkeit am Arbeitsplatz

Arbeitsleistung ist eine Bringschuld und im Arbeitsvertrag ist geregelt, um wie viel Uhr die Arbeitszeit beginnt und wann sie endet. Wenn hier keine Gleitzeit vereinbart ist, sodass verlorene Arbeitszeit nachgeholt werden kann, muss der Arbeitnehmer pünktlich im Unternehmen erscheinen und seine Arbeit verrichten. Entschuldigt sich der Mitarbeiter damit, dass er zu spät zur Arbeit wegen Stau kommt oder wegen schlechter Wetterverhältnisse unpünktlich ist, muss der Arbeitgeber diese Gründe nicht gelten lassen und kann für die entgangene Arbeitszeit sogar den Lohn kürzen. Denn: Der Arbeitnehmer allein trägt das Wegerisiko.

Anders verhält es sich bei nicht angekündigten Streiks, zum Beispiel bei der Bahn, oder überraschend einsetzenden Unwettern. Unpünktlichkeit aufgrund von Ereignissen, die unvorhersehbar sind und nicht vom Arbeitnehmer verursacht wurden, kann ihm nicht angelastet werden. Ebenso ist das Zuspätkommen zur Arbeit wegen eines Unfalls, in den er verwickelt ist, nicht seine Schuld und deshalb vom Arbeitgeber zu entschuldigen. § 616, Abs. 1 BGB bietet hierfür die Rechtsgrundlage.

Warum ist Pünktlichkeit am Arbeitsplatz wichtig?

Wenn ein Arbeitnehmer ständig zu spät kommt, zieht er nicht nur den Unwillen seiner Kollegen auf sich, denn im ungünstigsten Fall müssen diese seine Arbeit mitübernehmen. Notorische Zuspätkommer gelten vor allem in den Augen der Arbeitgeber als unzuverlässig, denn sie signalisieren mit ihrer Unpünktlichkeit mangelndes Interesse und fehlendes Engagement im Job.

Um keine Abmahnung wegen zu spät kommen zu riskieren, sollte der Arbeitnehmer seinen Betrieb unverzüglich über die anstehende Verspätung informieren. So kann Arbeit, die sonst liegenbleiben würde, an andere Mitarbeiter delegiert werden. Auch das Angebot des Arbeitnehmers, wegen seiner Verspätung Arbeit nachzuholen, entlastet die Situation.

Abmahnung wegen Unpünktlichkeit

Ein langjähriger Mitarbeiter erscheint einmal zu spät zur Arbeit – ein Kündigungsgrund ist das sicher nicht. Sollten sich die selbst verschuldeten Verspätungen allerdings häufen und ist auch nach eindringlichen Gesprächen keine positive Entwicklung im Hinblick auf seine Pünktlichkeit zu erkennen, muss der Arbeitnehmer mit einer Abmahnung rechnen. Fadenscheinige Ausreden für Verspätungen, die Arbeit bleibt liegen – all das hat negative Auswirkungen auf die Stimmung im Unternehmen und kann mit dem deutlichen Warnhinweis einer Abmahnung geahndet werden.

In einer Abmahnung wegen Verspätungen wird genau dokumentiert, an welchen konkreten Daten der Mitarbeiter unpünktlich und wie groß die Verspätung war. Des Weiteren muss dem Arbeitnehmer unmissverständlich klar gemacht werden, dass nach dem Arbeitsrecht Pünktlichkeit ein wichtiger Aspekt seines Arbeitsvertrags und unbedingt einzuhalten ist. Begeht der Mitarbeiter auch zukünftig diese Pflichtverletzung, so sollte die Ankündigung von möglichen Konsequenzen wie einer Kündigung nicht fehlen.

Eine mündlich ausgesprochene Abmahnung hat arbeitsrechtlich Bestand, jedoch ist die Schriftform zu empfehlen, da der Empfang vom Arbeitnehmer quittiert werden muss und eine Kopie in der Personalakte landet. Diverse Muster für eine schriftliche Abmahnung finden sich im Internet.

Fristlose Kündigung wegen Zuspätkommens

Der Arbeitnehmer sollte eine Abmahnung wegen Unpünktlichkeit nicht als Bagatelle abtun, denn wenn er sich nach Erhalt nicht bessert und weiterhin zu spät zum Job kommt, droht die ordentliche Kündigung. Dabei ist es irrelevant, ob der ersten eine 2. Abmahnung wegen Zuspätkommen oder gar ein dritte folgt. Zeigt der Mitarbeiter keine Einsicht, kann das Arbeitsgericht der Kündigung stattgeben. Besonders negativ für den notorischen Zuspätkommer wirkt es sich aus, wenn das Gericht urteilt, dass durch die Unpünktlichkeit betriebliche Abläufe erheblich leiden.

Zu einer fristlosen Kündigung ohne vorherige Abmahnung kann es aufgrund von Verstößen in der Arbeitszeiterfassung kommen. Manipuliert ein Mitarbeiter die Stechuhr oder stempelt sich anwesend, obwohl er in der Pause ist, wird das als vorsätzlicher Arbeitszeitbetrug gewertet und rechtfertigt die fristlose Kündigung.