15.03.2021

Stalking – Diese Rechte haben Betroffene

2019 waren rund 19.000 Menschen Opfer von Stalking. Diese Form der Belästigung stellt für betroffene Personen eine erhebliche Einschränkung ihrer Lebensqualität dar, denn sie sind in ihrer persönlichen Freiheit eingeschränkt und richten ihren Alltag vermehrt danach aus, den Kontakt zu der ihr nachstellenden Person zu vermeiden. Doch was genau bedeutet Stalking? Welche rechtlichen Möglichkeiten haben Betroffene und wo gibt es Hilfe sowie weiterführende Informationen? Dieser Artikel beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema „Stalking“.

Was ist Stalking?

Der Begriff „Stalking“ stammt aus dem Englischen und bezeichnet wörtlich das „Sich-Heranschleichen“ oder „Sich-Heranpirschen“. Wenn eine Person oder eine Personengruppe einen Dritten gegen dessen Willen widerrechtlich verfolgt, penetrant belästigt, bedroht oder diesem nachstellt, ist das Stalking.

Im Strafrecht handelt es sich beim Stalking üblicherweise um eine nicht klar abzugrenzende Einzeltat. Das Stalking setzt sich aus vielen einzelnen Tathandlungen zusammen, die über einen längeren Zeitraum stattfinden. Solche (strafbaren) Tathandlungen können sein:

 

Seit 2007 ist Stalking ein eigenständiger Straftatbestand. Gemäß § 238 StGB wird eine sogenannte „Nachstellung“ mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe bestraft. Sie kann auf eine Dauer von bis zu fünf Jahren steigen, wenn das Stalking zu einer schweren Gesundheitsschädigung oder gar zum Tod des Opfers führt.

Was ist Cyberstalking?

Beim Cyberstalking wird das Tatverhalten des klassischen Stalkings auf das Internet übertragen. Dabei wird die betroffene Person durch die Nutzung elektronischer Medien verfolgt oder belästigt. Ausdrucksformen des Cyberstalking können sein:

  • das Sammeln und Verbreiten von privaten Informationen/Bildern gegen den Willen des Betroffenen
  • Identitätsdiebstahl, Fake-Einträge oder Fake-Accounts
  • systematisches Verfolgen der Internetaktivitäten der betroffenen Person
  • unangemessene und permanente Kontaktaufnahme via E-Mail, Facebook, Twitter oder WhatsApp

 

Stalking Gegenmaßnahmen: So können sich Betroffene wehren

Beim Stalking ist es wichtig, dass Betroffene rechtzeitig handeln und Gegenmaßnahmen einleiten. Dies sollte zunächst in Form eines vollständigen Kontaktabbruchs geschehen. Anrufe, SMS und andere Nachrichten sind zu ignorieren. Auf diese Weise verliert der Täter unter Umständen bereits frühzeitig das Interesse.

Bei andauernden Belästigungen haben Betroffene jedoch auch zivil- und strafrechtliche Alternativen. Das Gewaltschutzgesetz ist das einzige deutsche Gesetz, das eine Doppelbestrafung erlaubt.

Zivilrechtlicher Schutz

Gemäß § 1 Gewaltschutzgesetz (kurz: GewSchG) können Stalking-Opfer eine sogenannte Schutzanordnung erwirken. Diese verbietet dem Täter ein weiteres Nachstellen oder Belästigen. Die entsprechende Anordnung kann beim Familiengericht beantragt werden. Kann die betroffene Person ein besonderes Eilbedürfnis darlegen, erlässt das Familiengericht eine einstweilige Verfügung, welche dem Täter verbietet, einen bestimmten Mindestabstand zum Stalking-Opfer oder dessen Wohnung zu unterschreiten, sich an vom Opfer häufig besuchten Orten aufzuhalten oder Kontakt zur betroffenen Person aufzunehmen.

Verstößt der Täter gegen eine solche Verfügung, sollte der Verstoß umgehend bei der Polizei angezeigt werden. Gleichzeitig ist beim zuständigen Gericht ein Antrag auf Zwangsmittel zu stellen.

Hinweis: In der Regel ist eine solche Anordnung auf einen Zeitraum von sechs Monaten befristet. Eine Verlängerung ist bei einer unveränderten Sachlage auf Antragmöglich. Eine zuverlässige private Rechtsschutzversicherung unterstützt bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt zur Unterstützung bei der Antragstellung.

Strafrechtlicher Schutz

Liegen Anzeichen einer Straftat nach § 238 StGB (Nachstellung) oder einem anderen Straftatbestand des Strafgesetzbuches vor, sollten Stalking-Opfer Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft erstatten. Gesammelte Beweismittel – wie beispielsweise Anruflisten oder Chatverläufe – können zur Prüfung vorgelegt werden.

Zu beachten ist, dass die strafrechtliche Verfolgung einiger Delikte einen Strafantrag innerhalb von drei Monaten nach der Tat voraussetzt. Dies ist zum Beispiel bei einer Nachstellung, einer Beleidigung und einer einfachen Körperverletzung der Fall.

Sich gegen Stalking wehren: Wo finden Betroffene Hilfe?

Neben den örtlichen Polizeidienststellen und Behörden gibt es zahlreiche Anlaufstellen, bei denen Betroffene Hilfe erhalten. Das Hilfetelefon richtet sich speziell an Frauen, die Opfer von Stalking geworden sind. Auch der Bundesverband der Frauenberatungsstellen und Frauennotrufe bietet Angebote an.

Die Hilfsorganisation „Weißer Ring“ berät Stalking-Opfer wahlweise vor Ort, telefonisch oder online.

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