Führerscheinentzug für Senioren – Ist das rechtens?

Der Führerschein lässt ältere Menschen, auch wenn sie nicht mehr so gut zu Fuß sind, bequem von A nach B kommen. Doch wie sicher verhalten sich Senioren im Straßenverkehr und welche Risiken gehen von ihnen aus? Sollte es ein generelles Fahrverbot ab einem bestimmten Alter geben oder reicht es für die allgemeine Sicherheit aus, wenn sie sich regelmäßig einem Fahrtüchtigkeitstest für Senioren unterziehen?

Fahrtauglichkeit im Alter – Gesetz?

Forderungen nach einem Führerscheinentzug für Senioren werden laut, wenn die Medien von einem schweren Unfall berichten, den ein betagter Autofahrer verursacht hat. Doch gibt es überhaupt eine gesetzliche Grundlage, um Senioren den Führerschein zu entziehen aufgrund ihres Alters? Nein, die gibt es nicht. Es würde auch eine Diskriminierung von Älteren bedeuten, wenn grundlos die allgemeine Fahrtüchtigkeit von Senioren angezweifelt würde.

Da viele Senioren auf das Auto angewiesen sind – um zum Beispiel Einkäufe zu erledigen oder Arzttermine wahrnehmen zu können – wäre es nicht fair, ein allgemeines Fahrverbot für Menschen auszusprechen, weil sie älter sind. Zumal man hier auch individuell entscheiden müsste, denn das Alter zeigt sich nicht bei jedem gleich. Es gibt 80-Jährige, die weitaus agiler erscheinen als so mancher 60-Jährige.

Führerscheinentzug altersbedingt – notwendig oder nicht?

Es finden sich im Internet Statistiken, die zeigen: Autofahren im Alter kann zum Risiko werden. So befand die Deutsche Verkehrswacht e.V. kürzlich, dass das Risiko, einen Unfall zu verursachen, mit zunehmendem Alter steigen würde. Auf der anderen Seite belegt der ADAC, dass ältere Menschen weniger Unfälle verursachen. Es wird ersichtlich, dass die sichere Teilnahme am Straßenverkehr nicht vom jeweiligen Lebensalter abhängt, sondern verschiedene Faktoren wie die Gesundheit und körperliche Verfassung des Fahrers nebst dessen in vielen Jahren erworbene Fahrpraxis miteinander vereint.

Autofahren im Alter: Einschränkungen und Perspektiven

Grundsätzlich sind Senioren nicht die schlechteren Autofahrer. Die meisten fahren bereits seit vielen Jahrzehnten Auto und besitzen somit große Erfahrung. Sie halten sich an die Verkehrsregeln, fahren nicht zu schnell und passen sich dem Straßenverkehr nach ihren Möglichkeiten an. Doch oft zeigen Menschen ab 70 Jahren körperliche Defizite. Diese Einschränkungen der Leistungsfähigkeit lassen sich zum Beispiel durch ein schlechteres Seh- und Hörvermögen erkennen. Auch Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Koordination lassen nach – das Reaktionsvermögen kann eingeschränkt sein und somit können Senioren im Einzelfall eine Gefahr im Straßenverkehr bedeuten.

Auch die regelmäßige Einnahme von Medikamenten kann zu einer verminderten Fahrtüchtigkeit führen. Nebenwirkungen wie Müdigkeit oder Schwindel können im Straßenverkehr fatale Folgen haben. Hier sollte unbedingt die Einschätzung eines Arztes eingeholt werden, ob man nicht besser auf das Autofahren verzichten sollte.

Führerscheinentzug für Senioren

Wenn die Behörde befindet, dass ein älterer Verkehrsteilnehmer nicht mehr in der Lage ist, sich ohne Gefahr für andere hinters Steuer zu setzen, kann diese ihm die Fahrerlaubnis entziehen.

So kann zum Beispiel nach einem vom Senioren verursachten Unfall oder Fehlverhalten im Straßenverkehr nach § 11 der Fahrererlaubnis-Verordnung (FeV) eine medizinische Untersuchung veranlasst werden, die seine Fahrtauglichkeit überprüft. Kommt man hier zu dem Ergebnis, dass ein Führerscheinentzug für den Senioren unumgänglich ist, wird die Fahrerlaubnis für immer eingezogen.

Fahrtauglichkeitsuntersuchung für Senioren

Den Führerschein freiwillig abgeben im Alter, ist eine Sache. Oft ist sie eine bewusste Entscheidung des Senioren, da er selbst merkt, wie unsicher er auf den immer hektischer befahrenen Straßen agiert. Um sich selbst zu testen und zu sehen, ob man noch sicher den Straßenverkehr bewältigen kann, ist es ratsam, sich einem Fahr-Fitness-Check für Senioren zu unterziehen. Bei diversen Vereinen wie dem TÜV, aber auch bei manchen Fahrschulen, können Senioren eine Fahrtauglichkeitsprüfung absolvieren.

Auch ein spezielles Gedächtnistraining für Senioren kann helfen, die kognitiven Fähigkeiten zu erhalten. Spiele wie Sudoku oder Memory, aber auch das Auswendiglernen von Telefonnummern, sind dafür geeignet.

Dank technischer Errungenschaften der Automobilhersteller wie akustische Einparkhilfen oder Bremsassistenten wird Senioren vieles beim Autofahren erleichtert. Dennoch: Die Empfehlung an ältere Verkehrsteilnehmer lautet, sich regelmäßig einem Sehtest zu unterziehen und Familienmitglieder, die an ihrer Fahrweise Bedenken äußern, ernst zu nehmen. Schließlich stellt ein nicht mehr sicheres Führen eines PKWs auch ein Gefahrenpotenzial für andere Menschen dar.