Wenn Ihr Kind alleine reist: Was müssen Sie als Erziehungsberechtigter beachten?

In modernen Patchworkfamilien gibt es vielerlei Gründe, warum ein Kind auf sich gestellt zu Vater, Mutter oder Verwandten fährt oder fliegt. Grundsätzlich gibt es keine gesetzlichen Vorschriften, ab welchem Alter Kinder alleine reisen dürfen. Diese Entscheidung müssen die Erziehungsberechtigten verantwortungsvoll treffen und dabei den Entwicklungsstand und die Selbstständigkeit des Kindes berücksichtigen. Das Jugendschutzgesetz trifft dazu keinerlei Festlegungen. Es beschränkt allerdings den Aufenthalt an "jugendgefährdenden Orten“. Eltern dürfen ihre Kinder also erst dann selbstständig auf Reisen schicken, wenn sie damit verantwortungsbewusst umzugehen wissen. Welche Regelungen im Verhältnis zu Reise- oder Veranstaltungsanbietern bestehen und welche Vorsorge Sie für alleinreisende Kinder treffen sollten, erfahren Sie im Weiteren.

Alleinreisende Kinder – was sagen Betreiber von Bahn, Bus und Flugzeug?

Es gibt unterschiedliche Vorschriften der verschiedenen Betreiber von Verkehrsmitteln. Bei der Bahn dürfen Kinder schon ab sechs Jahren allein reisen. Für Kinder von sechs bis fünfzehn Jahren kann eine Betreuung durch Bahnbedienstete dazu gebucht werden.

Die meisten Fernbusunternehmen lassen Kinder erst ab einem Alter von zehn Jahren allein mitreisen. Bis zum fünfzehnten Lebensjahr muss eine Erlaubnis der Eltern vorgelegt werden.

Bei den meisten Fluggesellschaften dürfen Kinder ab 12 Jahren allein fliegen. Für jüngere Kinder muss eine Betreuung an Bord dazu gebucht werden. Das ist im Regelfall kostenpflichtig und ab einem Alter von fünf Jahren möglich.

Sehr wichtiger Tipp: Wenn Sie Ihr alleinreisendes Kind, das mit Betreuung reist, vom Flughafen abholen, vergessen Sie Ihren Ausweis nicht. Die Begleitpersonen der Fluggesellschaften dürfen das Kind nur an die in ihren Papieren genannte Person herausgeben. Und diese Person muss sich ausweisen können. Es reicht nicht, wenn Ihr Kind Sie identifiziert. Ohne Ausweis stehen Sie vor Ihrem Kind und der Begleiter lässt es nicht zu Ihnen. Klaus H. ist das schon passiert: „Eine fast unwirkliche Situation und für Vater und Sohn unglaublich belastend. Zum Glück lag mein Führerschein im Auto. Der wurde dann als Ausweis akzeptiert und ich konnte Manuel in die Arme schließen.“

Allein ins Ferienlager – Kinder werden selbstständig

Manche Kinder machen sich gerne schon früh selbstständig, fahren mit den Pfadfindern, der Kirchengemeinde oder einem Sportverein ins Ferien- oder Trainingslager. Manchmal sind auch die Eltern darauf angewiesen, ihre Kinder in den Ferien sicher unterzubringen, wenn sie selbst keinen Urlaub nehmen können und auch sonst niemand da ist, der die Kinder beaufsichtigen könnte.

Wenn Sie Ihr Kind in eine solche Ferienfreizeit schicken, dann sollten Sie sich gut über den Anbieter informieren. Am besten nehmen Sie persönlich Kontakt mit den Begleitpersonen auf. Minimalanforderung ist, dass zumindest Leiter und Stellvertreter eines Ferienlagers volljährig sind. Am besten ist natürlich, wenn die Leitung bei einem ausgebildeten Pädagogen, Erzieher oder einer ähnlich geeigneten Person liegt. Aber am wichtigsten ist, dass Sie persönlich und auch Ihr Kind ein vertrauensvolles Verhältnis zu den Begleitpersonen haben. Ein gut ausgebildeter Jugendleiter kann da die bessere Wahl sein als ein studierter Pädagoge, dem es womöglich am Nervenkostüm oder dem Zugang zu den Jugendlichen fehlt. Für die Zeit des Aufenthalts liegt die Aufsichtspflicht bei den Betreuern der Freizeit.

Einverständniserklärung für ein ohne Eltern reisendes Kind

Reisevollmacht für das Kind, Vollmacht für ein alleinreisendes Kind, wie man es auch nennt, in bestimmten Situationen ist es sinnvoll, wenn das Kind eine Vollmacht der Eltern mitführt. Wenn ein minderjähriges Kind zum Beispiel auch selbstständig Fahrkarten kauft oder Übernachtungen bucht, dann kann der Verkäufer der Leistung eine Erlaubnis der Eltern fordern, denn eine Geschäftsfähigkeit liegt vor der Volljährigkeit nicht vor. Eine solche Reisevollmacht können Sie als Formular oder Vorlage bei vielen Anbietern im Internet wie zum Beispiel Verkehrsclubs, Reiseanbietern oder auch Landratsämtern herunterladen.

Wichtig ist eine solche Reisevollmacht bei Reisen ins Ausland sogar dann, wenn das Kind mit nur einem Elternteil reist, in Begleitung anderer Verwandter oder Erwachsener. Griechenland, Großbritannien und einige Länder der Balkanstaaten fordern eine solche Vollmacht, um Kindesentziehungen vorzubeugen. Es ist sinnvoll mit ausreichend Zeit vor der Abreise bei den Botschaften der bereisten Länder Erkundigungen einzuholen, wie die genauen Regeln sind. Manche Länder fordern Beglaubigungen, eine Übersetzung in die Landessprache oder das Mitführen einer Kopie der Geburtsurkunde des Kindes.

Versicherungsschutz für alleinreisende Kinder

Bei Reisen im Inland gibt es keinerlei Probleme beim Versicherungsschutz der Kinder. Die Mitversicherung in der Krankenversicherung funktioniert auch im EU-Raum und einigen Ländern darüber hinaus. Wird eine Reisekrankenversicherung abgeschlossen, ist mit dem Anbieter zu klären, ob auch dann Versicherungsschutz besteht, wenn das Kind allein reist.

Beim Thema Haftpflicht gelten auf Reisen dieselben Regeln wie zuhause. Bei versehentlich von den Kindern verursachten Schäden zahlt die Haftpflicht, auch im Ausland. Bei mutwillig angerichteten Schäden kommt dagegen die Aufsichtspflicht ins Spiel, die bei den Eltern bleibt, solange das Kind unterwegs ist. Ist die Reise für das Kind nicht zumutbar, haben die Eltern ihre Aufsichtspflicht verletzt und die Haftplicht zahlt. Sind Probleme während der Fahrt nicht vorhersehbar für die Erziehungsberechtigten und es kommt zu mutwilligen Beschädigungen, zahlt der Verursacher – das Kind, sobald es volljährig ist und sein eigenes Geld verdient.

Für etwaige Rechtsstreitigkeiten in diesem Zusammenhang ist ein Privatrechtsschutz der Eltern immer sinnvoll. Bei Alleinerziehenden in Rechtsschutz-Single-Tarifen ist die Mitversicherung der Kinder ebenfalls enthalten. Oft gibt es zum Beispiel bei der Anreise der Kinder zu einem Ferienlager Unstimmigkeiten darüber, wann die Aufsichtspflicht auf die Betreuer übergegangen ist, bzw. bei der Rückreise zurück zu den Eltern. Das ist entscheidend für die Kostenübernahme durch eine Haftpflicht, bei einem vom Kind verursachten Schaden.