15.10.2018

Ihr Urlaubsanspruch beim Wechsel des Arbeitgebers

Der Arbeitsvertrag ist unterschrieben und ab dem nächsten Ersten beginnt der neue Job. Aber wie sieht es eigentlich mit dem Urlaubsanspruch aus, wenn man mitten im Kalenderjahr den Arbeitsplatz wechselt? Wie berechnet sich dieser beim alten Arbeitgeber und wie beim neuen? Welche Ansprüche können geltend gemacht werden und was passiert, wenn bereits der ganze Urlaub genommen wurde, obwohl er einem rechtlich noch gar nicht zugestanden hat?

Das Bundesurlaubsgesetz regelt den Urlaubsanspruch

Der gesetzlich vorgeschriebene Mindesturlaub beträgt laut Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) aktuell 20 Tage auf Basis einer 5-Tage-Woche. Doch liegt der Urlaubsanspruch in der Praxis meist höher – in Deutschland können sich Arbeitnehmer über durchschnittlich 29 Urlaubstage im Jahr freuen.

Für jeden vollen Monat, den ein Arbeitnehmer in seinem Unternehmen arbeitet, stehen ihm 1/12 des gesamten Jahresurlaubs zu. Das wären, wenn man von mindestens 24 Urlaubstagen ausgeht, zwei pro Monat. Am einfachsten lässt sich der anteilige Urlaubsanspruch berechnen, wenn der Arbeitsvertrag am 01.01. in Kraft tritt. Nach einer sechsmonatigen Wartezeit – in der Probezeit kann man theoretisch keinen Urlaub nehmen – hat der Arbeitnehmer einen Urlaubsanspruch von 12 Tagen erreicht und gleichzeitig das Anrecht, seinen vollständigen Jahresurlaub zu nehmen. Heißt: Er könnte ab Juli für 24 Tage in den Urlaub gehen, auch wenn für die Hälfte der Urlaubstage noch gar nicht gearbeitet hat.

Das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz stellt gemeinsam mit der juris GmbH Gesetze und Rechtverordnungen wie das Bundesurlaubsgesetz im Internet zum Nachlesen bereit: www.gesetze-im-internet.de.

Urlaubsanspruch bei Jobwechsel richtig berechnen

Bei einem Jobwechsel kommt es darauf an, ob dieser im ersten Halbjahr, also bis zum 30. Juni stattfindet oder danach. Anteilig berechnet wird der Urlaubsanspruch im ersten Halbjahr. Verlässt der Arbeitnehmer sein bisheriges Unternehmen zum Beispiel am 31. Mai, hat dieser ein Anrecht auf 10 Urlaubstage, die vor Ausscheiden genommen werden sollten, oder, wenn das nicht möglich ist, ausgezahlt werden können. Auf den entstandenen Urlaub zu verzichten und ihn verfallen zu lassen, geht aus Gründen des Arbeitnehmerschutzes nicht.

Was aber, wenn bereits mehr bezahlte Urlaubstage genommen wurden, als dem Arbeitnehmer überhaupt zugestanden haben? Hier kann der Arbeitgeber gemäß § 5, Absatz 3 BUrlG, kein Geld zurückfordern oder verlangen, dass bereits bezahlte Urlaubstage nachgearbeitet werden, wenn man den gesetzlichen Mindesturlaub von 20 Tagen zugrunde legt. Bei einer höheren Gewährung von Urlaub laut Arbeitsvertrag kann dieser einen Zusatz für eine Ausgleichszahlung oder ein Nacharbeiten enthalten. Der Arbeitnehmer müsste also für zu viel genommene Urlaubstage das entsprechende Geld zurückzahlen.

Kommt es zu einem Arbeitsplatzwechsel im zweiten Halbjahr, also ab dem 1. Juli, hat der Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch auf seinen gesamten Urlaub. Voraussetzung: Der Mitarbeiter muss mindestens sechs Monate in dem Unternehmen tätig gewesen sein. Der alte Arbeitgeber ist dann verpflichtet, auf Wunsch den kompletten Jahresurlaub zu gewähren. Eine weitere Regel gibt § 6 Abs. 1 BUrlG preis: „Der Anspruch auf Urlaub besteht nicht, soweit dem Arbeitnehmer für das laufende Kalenderjahr bereits von einem früheren Arbeitgeber Urlaub gewährt worden ist.“ Für diesen Ausschluss kommt es aber auch darauf an, ob sich der neue Arbeitgeber überhaupt auf den Ausschluss beruft. Dies ist nicht zwingend.

Wird dieser vollständig genommen, entfällt jedoch ein Urlaubsanspruch für das laufende Jahr im neuen Unternehmen. Bei einem Resturlaubsanspruch bei Kündigung kann es sinnvoll sein, diesen im Ganzen zu nehmen, wenn der neue Job erst im kommenden Jahr angetreten wird, da er sonst verfällt. Achtung: Im Einzelarbeits- beziehungsweise geltenden Tarifvertrag sind Einschränkungen möglich, sodass auch bei einem Ausscheiden aus dem Unternehmen in der zweiten Jahreshälfte unter Umständen nicht der ganze Jahresurlaub, sondern nur Anteile zustehen.

Urlaubsbescheinigung

Um Doppelansprüche von Urlaubstagen bei einem Jobwechsel auszuschließen, erhält der Arbeitnehmer von seinem Ex-Arbeitgeber bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses eine sogenannte Urlaubsbescheinigung. Diese beinhaltet, wie viele Urlaubstage bereits gewährt wurden und somit abgegolten sind. Diese Verpflichtung des Arbeitgebers ist ebenfalls im BUrlG, § 6, festgeschrieben. Der Arbeitnehmer ist dazu angehalten, dem neuen Arbeitgeber diese Urlaubsbescheinigung vorzulegen, damit dieser nach Abzug des bereits genommenen Urlaubs berechnen kann, wie viel Resturlaub noch besteht. Solange diese Urlaubsbescheinigung dem neuen Chef nicht ausgehändigt wird, kann dieser die Gewährung von Urlaub verweigern beziehungsweise zurückstellen.

Grundsätzlich kann der neue Mitarbeiter nicht beanspruchte Urlaubstage in sein neues Arbeitsverhältnis mitnehmen. Allerdings gibt es auch hier die Einschränkung, dass während der sechsmonatigen Probezeit grundsätzlich kein Urlaubsanspruch besteht, auch wenn Urlaubstage erworben wurden. Doch Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.

Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei TeReBe Rechtsanwalts-AG auf rechtliche Korrektheit überprüft.

Weitersagen