18.02.2021

Unternehmensnachfolge – Was ist zu beachten?

Es muss nicht immer eine Neugründung sein. Die sogenannte Unternehmensnachfolge bietet Existenzgründern die Möglichkeit, bestehende Betriebsstrukturen zu übernehmen und ohne riskante Startphase in die Selbstständigkeit zu starten. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Unternehmensnachfolge“? Welche Vor- und Nachteile bringt sie mit sich und welche rechtlichen Aspekte gibt es bei einer Unternehmensübertragung zu beachten? Dieser Artikel fasst alles Wissenswerte zusammen.

Unternehmensnachfolge: Definition, Vor- und Nachteile

Die Unternehmensnachfolge ist eine Form der Existenzgründung und zählt zur Kategorie der Unternehmensübernahme. Hierbei geht ein existierendes Unternehmen unter vereinbarten Individual-Konditionen in den Besitz sowie die Führung eines Dritten über. Die Eigentumsübertragung kann sowohl in Form eines Unternehmenskaufes, als auch durch eine Schenkung oder Erbschaft erfolgen. Die Vorteile:

  • Das Unternehmen ist bereits am Markt etabliert
  • Bestehende Planungen und Perspektiven können vom neuen Eigentümer genutzt werden
  • Räumlichkeiten, Angestellte sowie eine betriebsinterne Infrastruktur sind vorhanden
  • Es besteht ein Kundenstamm sowie ein Netzwerk zu Lieferanten
  • Die arbeitsintensive Startphase der Unternehmensgründung entfällt

 

Allerdings ist bei einer Unternehmensnachfolge zu beachten, dass sich der neue Geschäftsführer durch fachliche Kompetenzen sowie sein unternehmerisches Know-how als Nachfolger qualifizieren muss.

Existenzgründungsberatung unterstützt Hilfesuchende

Existenzgründer, die im Rahmen einer Unternehmensnachfolge den Start in die Selbstständigkeit planen, müssen diesen Schritt sorgfältig vorbereiten. Die Unternehmensnachfolge erfordert nicht nur die erfolgreiche Suche nach einem geeigneten Betrieb, sondern auch das Erstellen eines Businessplans, die Ermittlung des Kaufpreises sowie eine fehlerfreie Gestaltung des Kaufvertrages. Aufgrund der Komplexität einer Betriebsübernahme ist die Inanspruchnahme einer Existenzgründungsberatung für die Dauer des Ablaufs einer Unternehmensnachfolge zu empfehlen. Sie unterstützt Käufer und Verkäufer bei der Erstellung eines Finanz- und Businessplans sowie bei notwendigen Kreditgesprächen mit Banken.

Unternehmensnachfolge finden: Checkliste für Verkäufer

Bevor eine Unternehmensnachfolge realisiert werden kann, müssen sich Käufer und Verkäufer finden. Sogenannte Nachfolgebörsen – wie beispielsweise die Plattform „nexxt change“ des BMWi – haben  sich zum Ziel gesetzt, beide Parteien miteinander zu verbinden.

Wer einen Nachfolger für sein Unternehmen sucht, sollte zunächst eine Checkliste erstellen:

  • Welche menschlichen und fachlichen Qualifikationen waren erforderlich, um das Unternehmen aufzubauen?
  • Welche menschlichen und fachlichen Qualifikationen sind erforderlich, um den Betrieb in Zukunft zu führen?
  • Wer besitzt diese Qualifikationen?
  • Hat einer der potentiellen Nachfolger bereits erfolgreich in einem vergleichbaren Unternehmen gearbeitet?
  • Welche Zertifikate und Zeugnisse über seine fachlichen Kompetenzen kann der potentielle Nachfolger vorweisen?

 

Bewertung und Kauf durch den Nachfolger

Wer einen Betrieb als Unternehmensnachfolger übernehmen möchte, sollte den bisherigen Inhaber nach den Gründen des Verkaufs befragen. Häufig erfolgt dieser nicht aus Alters- oder Gesundheitsgründen, sondern hat finanzielle Ursachen.

Um einen umfassenden Überblick über das zu kaufende Unternehmen zu erhalten, ist eine Analyse der Unternehmenssituation unerlässlich. Diese sollte sowohl den Ist-Zustand des Betriebes als auch eine Prognose zur zukünftigen Unternehmensentwicklung beschreiben.

  • Stimmt der Standort des Unternehmens?
  • Ist der Betrieb rentabel?
  • Wie hoch sind die in Zukunft zu erwartenden Gewinne?
  • Wie ist die Marktsituation einzuschätzen?

 

Fällt die Analyse zur Zufriedenheit des potentiellen Käufers aus, ist der Kaufpreis zu ermitteln. In der Regel ist ein höherer Wert als der reine Wert aller Vermögensgegenstände (der sog. Substanzwert) zu zahlen. Firmenwert und Ertragswert fließen in die Kaufsumme ein. Dabei richtet sich der Firmenwert nach dem immateriellen Status des Betriebes, also beispielsweise dem Kundenstamm sowie dem Image. Der Ertragswert berechnet sich auf Grundlage des zu erwartenden Gewinns, welcher nach Abzug des Unternehmergehalts und einer branchenüblichen Eigenkapitalverzinsung übrig bleibt.

Unternehmensübertragung: Rechtliche Aspekte einer Unternehmensnachfolge

Grundsätzlich gilt: Eine Unternehmensnachfolge sollte grundsätzlich mithilfe eines Rechtsbeistandes durchgeführt werden, um Unstimmigkeiten zwischen Käufer und Verkäufer zu vermeiden.

Das Ausarbeiten eines schriftlichen Übernahmevertrages ist bei einer Unternehmensnachfolge essentiell. Verschweigt der Verkäufer etwaige Mängel, kann der Käufer den Kaufvertrag entweder rückgängig machen oder den Kaufpreis mindern.

Ein Übernahmevertrag sollte folgende Punkte beinhalten:

  • eine Inventarliste sowie ein Überblick über das Betriebsvermögen
  • eine Übersicht über offene Forderungen und Verbindlichkeiten
  • eine Übersicht über die zu zahlenden Steuern sowie etwaige Steuerrückstände
  • Informationen zu den Kaufpreiszahlungsmodalitäten
  • eventuelle Wettbewerbsverbote
  • mögliche Garantien und Gewährleistungen

 

Hinweis: Der Käufer übernimmt alle Verbindlichkeiten des Verkäufers und wird gleichzeitig in die Haftungspflicht genommen. Soll - sofern zulässig - vertraglich ein Haftungsausschluss vereinbart werden, muss dieser in das Handelsregister eingetragen und bekannt gemacht werden. Zudem ist eine Mitteilung über den Haftungsausschluss an alle Gläubiger erforderlich.

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