27.08.2020

Seniorengenossenschaften – Definition und Förderung

Für viele Senioren steigt mit dem Alter auch ihr Bedarf an externer Hilfe, um den Alltag zu meistern. Seniorengenossenschaften unterstützen ältere Menschen bei der Bewältigung alltäglicher Aufgaben – und darüber hinaus. Doch was ist eigentlich eine Seniorengenossenschaft? Wer kann diese gründen, welche Leistungen werden erbracht? Und wie wird das Ganze finanziert? Dieser Artikel fasst die wichtigsten Informationen zusammen.

Ehrenamtliche Hilfe: Was ist eine Seniorengenossenschaft?

Bei einer Seniorengenossenschaft handelt es sich – wie bei jeder anderen Genossenschaft – um einen Zusammenschluss von Menschen, die sich gegenseitig in einem verbindlich organisierten Rahmen im Alltag unterstützen möchten. Ihre Grundsätze sind neben der Förderung der Mitglieder vor allem die Prinzipien der Selbsthilfe, der Selbstverantwortung sowie der Selbstverwaltung. Alle Mitglieder verpflichten sich, zum Vorteil der anderen Mitglieder zu handeln und auf diese Weise eine sich unterstützende Gemeinschaft zu schaffen.

Das Ziel einer Seniorengenossenschaft ist es, die Lebensqualität älterer Menschen zu erhalten oder sogar zu steigern, um den Verbleib in den eigenen vier Wänden möglichst lange zu erhalten.

Gründung einer Seniorengenossenschaft

Grundsätzlich kann jeder eine Seniorengenossenschaft gründen. Dies können beispielsweise Menschen im fortgeschrittenen Alter sein, die in ihrem Wohnort verschiedene Leistungen in Anspruch nehmen möchten, oder Angehörige von Senioren, die einen bestimmten Bedarf haben.

Auch bestehende Vereine und Verbände können ihre Strukturen nutzen, um eine Seniorengenossenschaft zu gründen. Diese kann aus einer Nachbarschaftshilfe hervorgehen, die über eine rein ehrenamtliche Vermittlung hinausgehen und einen verbindlichen Rahmen für Hilfeleistungen schaffen soll.

Für die Gründung ist zunächst eine Rechtsform zu wählen. Eine Seniorengenossenschaft kann als:

 

gegründet werden. Des Weiteren sind die Anforderungen des Genossenschaftsgesetzes (kurz: GenG) zu erfüllen. Die Zahl der Mitglieder bei der Gründung muss gem. § 4 GenG mindestens 3 betragen, die Satzung bedarf der schriftlichen Form und muss bestimmten Mindestinhalten genügen (§ 6 GenG i.V.m. § 7 GenG). Die Satzung selbst bedarf keiner notariellen Beurkundung, sondern lediglich der Schriftform (§ 126 BGB). Anschließend ist die Gründung der Genossenschaft nach § 157 GenG i.V.m. § 129 öffentlich zu beglaubigen und in elektronischer Form beim Genossenschaftsregister einzureichen.

Zielsetzung einer Seniorengenossenschaft

Welche Leistungen eine Seniorengenossenschaft im Detail erbringen soll, wird von den Mitgliedern selbst bestimmt. Üblicherweise wird vorab geklärt, in welchen Bereichen Bedarf besteht und ob Personen diese im Rahmen der Seniorengemeinschaft erbringen können. Dies kann beispielsweise über Befragungen der Mitglieder sowie engagierte Bürgerinnen und Bürgern der Gemeinde geschehen. Zu den typischen Leistungen einer Seniorengemeinschaft zählen unter anderem:

  • Fahr- und Essensdienste
  • Einkaufsdienste
  • Begleitdienste bei Arzt- und Behördengängen
  • Besuchsdienste zu Hause, im Heim oder im Krankenhaus
  • Handwerkliche Hilfen und Reparaturen
  • Haushaltshilfen, d.h. Reinigung, Zubereitung von Mahlzeiten etc.
  • Hilfen im Garten, d.h. Rasen mähen, Unkraut jäten
  • Hilfe bei technischen Problemen
  • Informationsbeschaffung und Beratung
  • Grabpflege
  • Winterdienst

 

Wichtig: Die Beratung durch eine Seniorengenossenschaft darf ausschließlich durch qualifizierte Personen erfolgen. Dazu zählen z.B. Rechtsanwälte, Steuerberater oder Ärzte. Das gilt sowohl bei Fragen zu persönlichen Angelegenheiten als auch zur medizinischen Versorgung oder sozialrechtlichen Angelegenheiten.

Seniorengemeinschaft: Abrechnungsmodelle in der Kurzübersicht

Für die Abrechnung erbrachter Leistungen sind verschiedene Abrechnungsmodelle denkbar.

Abrechnung über ein Zeitkonto

Jedes Mitglied besitzt ein Zeitkonto, auf dem alle erbrachten Leistungen mit einem Zeitanteil gutgeschrieben werden. Nimmt das Mitglied selbst Leistungen in Anspruch, werden die dadurch entstehenden Zeiteinheiten vom Zeitkonto abgezogen.

Abrechnung über Geldleistungen

Leistungsnehmer zahlen für die erhaltene Leistung einen Geldbetrag, welcher auf das Konto des Leistungserbringers gutgeschrieben oder bar ausgezahlt wird.

Abrechnung über ein Punktekonto

Jedes Mitglied verfügt über ein Punktekonto, auf dem unterschiedliche Leistungen mit unterschiedlichen Punkten vergütet werden. Die erworbenen Punkte werden bei Eigenbedarf eingesetzt oder in Kombination mit einer Geldauszahlung genutzt.

Finanzierung einer Seniorengenossenschaft

Um die Gründungen und den laufenden Betrieb zu finanzieren, sollte die Finanzierung einer Seniorengenossenschaft vor deren Gründung geklärt werden. Neben den Mitgliedsbeiträgen und den Beiträgen für die Leistungserbringung können externe Geld- oder Sachleistungen in Anspruch genommen werden. Hierzu zählen beispielsweise:

  • günstige Kredite durch Banken und Sparkassen
  • Spenden von Privatpersonen
  • Spenden und/oder Kredite von Stiftungen
  • Spenden in Form von Sachleistungen, beispielsweise Computer, Räumlichkeiten oder Fahrzeuge

 

Hinweis: Eine gesetzliche Förderung von Seniorengenossenschaften gibt es in Deutschland nicht. Bei den o.g. Geld- und Sachleistungen handelt es sich um freiwillige Leistungen externer Personen oder Unternehmen, welche der Seniorengenossenschaft – üblicherweise ohne Gegenleistung – zur Verfügung gestellt werden.

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