Ruhestörung durch Public Viewing – bitte nicht so laut!

Nach 22 Uhr herrscht die gesetzlich vorgeschriebene Nachtruhe, das ist allgemein bekannt. Aber wie sieht es zu Zeiten der Fußball-Weltmeisterschaft aus? Gerade, wenn die Spiele spät stattfinden und es vielleicht noch in die Verlängerung geht beziehungsweise es zum Elfmeterschießen kommt? Gibt es für diesen Fall vielleicht Sonderregelungen? Müssen Sie es hinnehmen, wenn Ihr Nachbar mit seinen Partygästen die Spiele lautstark verfolgt und Lärm nach 22 Uhr macht? Wie sieht es mit der Ruhestörung durch Public Viewing aus? Was ist mit den Grenzwerten für Lärmbelästigung in Wohngebieten, wenn Tausende Menschen bei einer von der Stadt genehmigten, öffentlichen Veranstaltung in Ihrer Nähe feiern?

Klare Regeln

Das Gesetz gibt es in der Lärmschutzverordnung vor und regelt die absoluten Ruhezeiten streng: Von 22 bis 6 Uhr gilt die Nachtruhe. In dieser Zeit ist alles verboten, was Ihre Nachbarn stören könnte – Geräusche, die über Zimmerlautstärke liegen, gelten als Ruhestörung. Wenn Sie am Wochenende in Ihrer Wohnung eine Party feiern, sind diese Zeiten ebenfalls verbindlich, es gibt hier keine Ausnahme. Im Grunde dürfen Partygeräusche nach 22 Uhr den vorgeschriebenen Wert von 30 Dezibel (dB) nicht überschreiten, das ist so laut wie ein Flüstern oder der Zimmerventilator. Zum Vergleich: ein Staubsauger oder der Haartrockner verursachen 70 dB. In allgemeinen Wohngebieten liegt die Grenze der Lärmbelästigung nachts bei 40 dB, das entspricht ungefähr einer normalen Gesprächslautstärke.

Jeder empfindet Lärm anders. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen liegt bereits bei 40 dB die Konzentrationsstörungsschwelle. Ab 65 dB beginnt die Erhöhung des Risikos von Herz- und Kreislauferkrankungen und ab 85 dB erleidet die dem Lärm ausgesetzte Person bei längerem Einwirken einen irreparablen Gehörschaden.

Jubeln bei der Fußball WM 2018 auch nach 22 Uhr

Wie bereits zur Fußball Weltmeisterschaft 2010 und 2014 sieht der Gesetzgeber auch für die WM 2018 eine Lockerung der strengen Lärmschutzverordnung in der Zeit vom 14. Juni bis zum Finale am 15. Juli vor. Die Minister des Bundeskabinetts haben der „Sonderregelung für öffentliche Fernseh-Darbietungen im Freien zur Fußball-WM 2018“ zugestimmt und somit grünes Licht gegeben für das Public Viewing der Spiele während des Turniers in Russland auch nach 22 Uhr. Die Spiele in der Gruppenphase und auch die nachfolgenden in der K.o.-Runde finden um 20 Uhr statt. Mit Verlängerung und Elfmeterschießen kann es da leicht auf 23 Uhr zugehen, bis sie entschieden sind. Und da die rechtlich geltenden Lärmschutzstandards nicht eingehalten werden können, sieht die Bundesregierung diese Ausnahmeregelung vor.

Die Bitte um Rücksichtnahme

Schließlich bestehe „ein erhebliches öffentliches Interesse“, so die Begründung. Russland sei weit weg und die meisten Fußballfans können sich eine Reise dahin nicht leisten. Die Open-Air-Übertragung auf Großleinwänden der Fanmeilen oder in Biergärten mit Gleichgesinnten gehöre zu Welt- und Europameisterschaften einfach dazu. Außerdem würde diese Regelung den Gastronomen und Veranstaltern dieser Events eine Rechts- und Planungssicherheit geben. Diese Verordnung gilt übrigens nicht für den Nachbarn, der seinen Fernseher in den Garten stellt, da es sich nicht um eine öffentliche Veranstaltung handelt.

Die Zustimmung des Bundesrats für die Sonderregelung steht allerdings noch aus, gilt aber als sicher. Eine kleine Einschränkung gibt es dennoch: die Auslegung der Verordnung liegt bei der jeweiligen Kommune. Diese muss im Einzelfall zwischen dem öffentlichen Interesse und dem Schutz der gesetzlichen Nachtruhe abwägen.

Aber wenn es nach der allgemeinen Grundstimmung geht, dürfen Sie sich schon jetzt darauf freuen, Titelverteidiger Deutschland am 17. Juni gegen Mexiko und in den hoffentlich vielen nachfolgenden Spielen unter freiem Himmel zujubeln zu können. Mit Rücksicht auf die restliche Bevölkerung, die vielleicht kein Fußballfan ist und am nächsten Morgen ausgeschlafen bei der Arbeit erscheinen möchte, sollten Sie auf Autokorsos, Trillerpfeifen und übertriebene Lärmbelästigung beim nach Hause kommen besser verzichten. Schließlich wollen Sie doch weiterhin ein gutes Verhältnis zu Ihren Nachbarn pflegen und keinen Nachbarschaftsstreit vom Zaun brechen.