Was steht mir als alleinerziehendes Elternteil rechtlich zu?

Fast jeder hat in seinem Bekanntenkreis Beziehungen, die nicht ewig halten, ja mancher ist gar selbst betroffen davon, dass der geplante Lebenstraum der glücklichen Familie zumindest nicht in der aktuellen Konstellation umgesetzt wird. Meist hinterlässt der Trennungsschmerz seelische Blessuren, im Falle einer Heirat sind zusätzlich mehr oder weniger dramatische Scheidungsverhandlungen durchzustehen, ganz zu schweigen von den organisatorischen und finanziellen Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt. Spätestens wenn Kinder im Spiel sind, wird die Sache so kompliziert, dass man gut daran tut, sich ausgiebig beraten zu lassen. Entscheidend ist, dass man die wichtigsten Punkte im Blick behält. Was soll mit den Kindern geschehen? Welches Elternteil übernimmt den Großteil der Erziehung und wie organisiert man das Ganze? Welche Gelder sind wo vorhanden und was kann man an Unterstützung bekommen? Auf alle diese Fragen bietet dieser Artikel Antworten.

Schritt 1: Die Ruhe bewahren

Als erstes sollte man sich klar darüber werden, dass man nicht das erste alleinerziehende Elternteil auf der Welt ist. Es gibt viele Institutionen, Netzwerke und Hilfeleistungen, die in Anspruch genommen werden können, um durch diese turbulente Zeit zu kommen. Wichtig ist, dass man Beratung in Anspruch nimmt und sich nicht scheut, bei Behörden Unterstützungsleistungen zu beantragen. Damit man überhaupt weiter handlungsfähig bleibt, muss man die Kinderbetreuung regeln, im Idealfall im Einvernehmen mit dem Partner, was leider allzu oft nicht einfach ist. Doch verschiedene Kosten von Kita oder Tagesmutter, bis hin zur Unterstützung einer Unterhaltsklage, werden unter bestimmten Voraussetzungen vom Staat übernommen. Bei den Jugendämtern findet man auch wichtige Hilfe, Auskunft und weitere Tipps zum Umgang mit der neuen Situation.

Unterhaltszahlungen: Wer? Was? Warum?

Bei den Unterhaltszahlungen wird zwischen dem Barunterhalt und dem Betreuungsunterhalt unterschieden. Erstes bezeichnet die finanziellen Leistungen, die ein Elternteil einbringen kann, Letzteres die Zeit für die Betreuung der Kinder, die aufgebracht werden muss. Grundsätzlich sind beide Elternteile zu gleichen Teilen unterhaltspflichtig. Meist leben die Kinder aber bei einem Elternteil und besuchen das andere regelmäßig. Das Elternteil, bei dem das Sorgerecht liegt, übernimmt also den Betreuungsunterhalt, während das andere zu 100 Prozent für den Barunterhalt aufkommen muss. Wechselt der Aufenthaltsort der Kinder, muss entschieden werden, wo der Schwerpunkt liegt, die Unterhaltszahlungen werden dann anteilig geregelt. Erst wenn beide Elternteile genau gleich viel Zeit für die Erziehung aufbringen, leisten beide auch anteilig die Unterhaltszahlungen, wobei man hier nicht mehr von „alleinerziehend“ spricht, sondern von „getrennt erziehenden Eltern“.

Wie hoch fallen die Unterhaltszahlungen aus?

Das Elternteil, welches den Unterhalt bezahlen muss, findet in der Düsseldorfer Tabelle einen Anhaltspunkt wie hoch die Bezahlung ausfallen wird. Muss man den Kindesunterhalt beim Partner gar einklagen, so kann auch die Hilfe eines Anwalts in Anspruch genommen werden. Hierfür können Geringverdiener beim Amtsgericht einen Beratungshilfeschein beantragen, mit dem sie bei einer Eigenbeteiligung von 15 Euro eine außergerichtliche Rechtsvertretung und Beratung in Anspruch nehmen können. Endet die Auseinandersetzung vor Gericht, kann auch Prozesskostenhilfe beantragt werden.

Welche Leistungen kann man sonst noch bekommen?

Sollte der unterhaltspflichtige Partner nicht zahlen, springt der Unterhaltsvorschuss ein. Dieser wird vom Jugendamt bezahlt und richtet sich nach der Düsseldorfer Tabelle. Allerdings ist dies unter Umständen nur ein Teil dessen, was der Partner tatsächlich zahlen müsste. Es lohnt sich also, alles zu versuchen, damit dieser seinen Verpflichtungen nachkommt. Wenn das Geld knapp ist, kann auch für die Miete ein Zuschuss beantragt werden, das sogenannte Wohngeld. Bei Harz-IV-Empfängern wird die Miete vollständig übernommen. Als Empfänger von Sozialhilfe sind die Wohnkosten im Rahmen der Leistungen abgedeckt.

Wer vor der Trennung verheiratet war, hat außerdem Anspruch auf den sogenannten Trennungsunterhalt, welcher sich nach der Höhe des Einkommens des Unterhaltspflichtigen richtet. Wenn die Scheidung durch ist, wird der Geschiedenenunterhalt gezahlt, welcher aber nach einer neueren Gesetzesvorlage eher die Ausnahme als die Regel sein soll und bei der Betreuung eines Kindes bis zum Beginn des 3. Schuljahres gezahlt wird. Ab einem Einkommen von 600 Euro kommt neben dem Kindergeld noch der Kinderzuschlag von 170 Euro pro Kind dazu, welches über die Arbeitsagentur bei der zuständigen Familienkasse beantragt werden kann. Dieser ist jedoch zeitlich begrenzt. Weiterhin kann in der Steuererklärung ein Entlastungsbetrag von 1908 Euro für das erste Kind und 240 Euro für jedes weitere angerechnet, sowie die Betreuungskosten bis maximal 4000 Euro pro Kind und Jahr geltend gemacht werden.

Hilfe gibt es überall

Selbst wenn man keine hilfsbereiten Freunde oder Verwandte in der unmittelbaren Umgebung hat, gibt es zahlreiche Angebote von Kommunen und von der Zivilgesellschaft, die einem als alleinerziehendes Elternteil Hilfe bei der Kinderbetreuung anbieten. So lässt sich bei der zuständigen Gemeindeverwaltung das sogenannte Bildungspaket beantragen, welches für schulisches Unterrichtsmaterial, Beiträge in Vereinen, Klassenfahrten oder Nachhilfe aufkommt. Neben zahlreichen Informationsangeboten im Netz, bieten zum Beispiel die Caritas, oder andere kirchliche Vereine eine Unterstützung für Alleinerziehende an. Aber auch andere soziale Leistungen und Hilfestellungen werden von unterschiedlichen Vereinen und Wohlfahrtsverbänden angeboten. Beim örtlichen Jugendamt erhält man die nötigen Informationen über relevante Angebote aus der näheren Umgebung. Um mental wie körperlich ein Stück weit zu regenerieren, kann außerdem eine Mutter/Vater-Kind-Kur hilfreich sein, welche von der gesetzlichen Krankenkasse angeboten wird und in der Regel für drei Wochen alleinerziehende Mütter und Väter mit ihren Kindern in den bezahlten Urlaub schickt.