19.07.2021

Neue Fahrradregeln: Rechte im Straßenverkehr

Wer durch die Stadt radelt, ist in der Regel schneller als mit dem Auto. Darüber hinaus macht Radfahren fit und schont die Umwelt. Doch auch Radler müssen sich an bestehende Verkehrsregeln halten. Welche genau dies sind, warum die sogenannte StVO-Novelle auch für Biker von Bedeutung ist und mit welchen Strafen Radfahrer im Falle eines Verstoßes rechnen müssen, wird hier erklärt.

StVO schreibt Fahrradausstattung vor

Bevor sich Radfahrer überhaupt auf ihre Drahtesel schwingen, sollten sie zunächst ihre Verkehrstüchtigkeit überprüfen. Sobald ein Fahrrad im öffentlichen Straßenverkehr bewegt wird, schreibt die Straßenverkehrsordnung (kurz: StVO) gesetzliche Anforderungen hinsichtlich seiner Ausstattung vor. Erforderlich sind:

  • zwei unabhängig funktionierende Bremsen am Vorder- und Hinterrad (§ 65 Abs. 1 StVO)
  • eine laute, hell tönende Klingel (§ 64a StVO)
  • ein weißer Frontscheinwerfer mit weißem Reflektor
  • ein roter Großflächenrückstrahler, ein rotes Rücklicht sowie ein kleiner, roter Reflektor
  • mindestens zwei gelbe Speichenreflektoren pro Rad (oder Reflektorenstreifen)
  • Pedale mit jeweils zwei gelben Rückstrahlern


Gemäß § 67 StVO müssen Fahrräder über eine funktionierende Beleuchtung verfügen. Diese muss fest am Rad montiert sein. Ein Dynamo ist hingegen nicht vorgeschrieben. Akkubetriebene Leuchtmittel sind zulässig, sofern diese eine Mindestbeleuchtungsstärke von 10 Lux aufweisen und mit einer Kontrollleuchte für den Batteriezustand ausgestattet sind.

Eine Helmpflicht existiert in Deutschland nicht – auch nicht für Kinder. Allerdings ist es für alle Radfahrer sinnvoll, einen Helm zu tragen. Nach Expertenmeinung lassen sich dadurch rund 80 Prozent der schweren Hirnverletzungen bei Radunfällen verhindern.

StVO für Radfahrer: Diese Regeln sollten Biker kennen

Fahrradfahrer sind Verkehrsteilnehmer und müssen sich an die Regeln der StVO halten. Grundsätzlich gilt:

1. Radfahrer haben die Pflicht, vorhandene Radwege zu nutzen, wenn diese als solche ausgeschildert sind. Die Kennzeichnung erfolgt z.B. durch das Zeichen 237, das Zeichen 240 oder das Zeichen 241. Grundsätzlich muss der in Fahrtrichtung rechts gelegene Radweg benutzt werden. Es gibt jedoch Ausnahmen:

  • Geschlossene Verbände ab 16 Radfahrern dürfen die Fahrbahn nutzen.
  • Auch für den Fall, dass der Radweg aus objektiven Gründen unbenutzbar ist (beispielsweise durch falsch geparkte Autos), gilt die Radwegebenutzungspflicht nicht.


Wichtig: Das Fahrradfahren auf dem Bürgersteig ist per Gesetz verboten (§ 2 Abs. 1 StVO). Allerdings dürfen Radler den Gehweg nutzen, sofern dieser mit dem Zeichen 239 i.V.m. dem Zusatzzeichen 1022-10 gekennzeichnet ist.

2. An Ampeln mit Radverkehrsführung gelten für Radfahrer separate bzw. kombinierte Lichtzeichen. Fehlen diese, sind die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten.

3. Stehende Autos zu überholen ist grundsätzlich erlaubt. Radfahrer dürfen rechts an stehenden Fahrzeugen vorbeifahren – jedoch nur langsam und vorsichtig. Langsam rollende Fahrzeuge dürfen hingegen nicht überholt werden.

Gut zu wissen: Ob mit dem Auto, als Fußgänger, Radfahrer oder als Fahrgast in öffentlichen oder privaten Verkehrsmitteln: Mit dem Verkehrsrechtsschutz der ALLRECHT sind Verkehrsteilnehmer optimal abgesichert. Mehr erfahren

Neue Fahrradregeln: Das wurde geändert

Aufgrund der StVO-Novelle gelten seit April 2021 zahlreiche Neuerungen im Straßenverkehr. Diese betreffen auch Radfahrer. So ist eine bestehende Grünpfeilregelung von Radlern, die aus einem Radfahrstreifen oder Radweg rechts abbiegen möchten, zu beachten. Wichtig: Radfahrer müssen – ebenso wie Autofahrer – kurz anhalten, ehe sie bei Rot abbiegen dürfen.

Gebiete, in denen häufig Rad gefahren wird, können zu einer sogenannten Fahrradzone erklärt werden. Dieser verkehrsberuhigte Bereich darf nur mit dem Fahrrad sowie Elektrokleinstfahrzeugen befahren werden.

Einige neue Regeln betreffen Radfahrer nur indirekt. Beispielsweise der neue Sicherheitsabstand beim Überholen. Der Gesetzgeber schreibt für Kfz-Fahrer beim Überholen einen ausreichenden Seitenabstand von mindestens 1,50 m zu Fußgängern, Radfahrern und Elektrokleinstfahrzeugen vor. Außerorts muss der Abstand mindestens 2 m betragen.

Für Lkw von Bedeutung: Kraftfahrzeuge mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 Tonnen dürfen beim Abbiegen höchstens 11 km/h schnell fahren. Verstöße werden mit einem Bußgeld i.H.v. 70 Euro sowie einem Punkt im Flensburger Fahreignungsregister geahndet.

Verkehrsregeln für das Fahrrad: Mögliche Strafen bei Verstößen

Verstöße von Radfahrern gegen die Straßenverkehrsordnungen werden bestraft. Entweder mit einem Bußgeld, mit Punkten in Flensburg oder sogar mit einem Entzug des Pkw-Führerscheins.

Verstoß

Bußgeld in Euro

Gekennzeichneten Radweg nicht benutzt

20 ,-

… mit Behinderung Dritter

25 ,-

… mit Gefährdung Dritter

30 ,-

Radweg in falscher Richtung gefahren

55 ,-

… mit Behinderung Dritter

70 ,-

… mit Gefährdung Dritter

80 ,-

Rad hat keine Klingel

15 ,-

Nebeneinander Fahrrad gefahren und Dritte behindert

20 ,-

Benutzung eines Mobiltelefons ohne Freisprecheinrichtung

55 ,-

Fahrradfahren mit Kopfhörern unter Beeinträchtigung des Gehörs

10 ,-

Missachtung einer roten Ampel

60 ,- + 1 Punkt

… mit Gefährdung Dritter

100 ,- + 1 Punkt

… mit Sachbeschädigung

120 ,- + 1 Punkt

Mangelnde Rücksichtnahme auf Fußgänger auf einem gemeinsamen Rad-/Gehweg

15

Wichtig!

Was einige Radfahrer nicht wissen: Auch für Radler existiert eine Promillegrenze. Wer mit 1,6 Promille oder mehr auf dem Rad unterwegs ist, begeht eine Straftat. Mit gravierenden Folgen, denn es drohen eine Geldstrafe i.H.v. mindestens 30 Tagessätzen, 3 Punkte in Flensburg sowie eine Anordnung zu einer medizinisch-psychologischen Untersuchung (kurz: MPU).

Mehr erfahren: Alles Wissenswerte zum Thema Fahren unter Drogen- oder Alkoholeinfluss fasst unser Artikel „Drogen und Trunkenheit am Steuer“ zusammen.

Rechtsschutztipp

  • Eine zuverlässige Verkehrs-Rechtsschutzversicherung hilft im Schadensfall bei der Klärung von Haftungsfragen und schützt Betroffene vor den finanziellen Folgen eines Rechtsstreits.
  • Dringende Rechtsfragen können ALLRECHT Kunden bequem und direkt mit Hilfe einer telefonischen Erstberatung durch die Vermittlung von kompetenten Anwälten klären lassen.

Alles was Recht ist

Frau mit Fahrrad im Treppenhaus

Leben mehrere Bewohner in einem Miethaus, können im Treppenhaus gelagerte Gegenstände schnell zu Diskussionen führen. Mieter dürfen im...

MEHR
Mann auf Fahrrad auf dem Weg zur Arbeit

Dienstfahrrad und E-Bike werden vom Gesetzgeber finanziell gefördert. Das Dienstrad stellt für Arbeitnehmer eine umweltfreundliche...

MEHR

Unsere Partnerkanzlei

Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.