23.03.2022

Mieterstrom: Win-Win für Mietpartei und Vermietende?

Kostengünstiger und klimafreundlicher Strom aus der eigenen Photovoltaikanlage: Das war bisher nur Menschen mit eigenem Immobilieneigentum vorbehalten. Doch auch Mietverhältnisse können zukünftig von den Vorteilen des PV-Stroms profitieren – in Form von Mieterstrom. Was genau sich hinter dem Begriff verbirgt, welchen Anspruch Vermietende auf eine Mieterstrom-Förderung haben und was das neue Mieterstromkonzept für die Mietparteien bedeutet, erklärt dieser Artikel.

Was ist Mieterstrom?

Als Mieterstrom wird Strom bezeichnet, welcher lokal produziert und lokal verbraucht wird. In der Praxis bedeutet dies, dass der Strom auf oder innerhalb eines Wohngebäudes erzeugt und von dort direkt an die Endkundschaft (die Mietenden) des Gebäudes geliefert wird. Üblicherweise wird der Strom mittels einer Solaranlage auf dem Dach, eines Blockheizkraftwerkes oder einer Kombination beider Typen erzeugt.

Darüber hinaus kann der Strom auch im Rahmen eines sogenannten „Lieferkettenmodells“ an eine dritte Partei (bspw. ein Energiedienstleistungsunternehmen) weitergeleitet werden, welcher den Strom anschließend weiter liefert.

Liegt die Stromerzeugung über dem Bedarf der Immobilie, wird der nicht benötigte Strom in das öffentliche Netz eingespeist.

Mieterstromförderung: Warum gibt es Mieterstrom?

Bis dato profitierten vor allem die, die ein Eigenheim besitzen, von der Möglichkeit, Strom in einer Solaranlage auf dem Hausdach zu erzeugen. Anders als beim Strombezug aus dem öffentlichen Netz entfallen dabei einige Kosten, beispielsweise Netzentgelte, Umlagen und die Stromsteuer. Von diesen Vorteilen sollen jetzt auch Mietparteien profitieren können.

Mieterstromzuschlag: Wer bekommt die Förderung?

Für Vermietende stellt die staatliche Förderung von Mieterstrom eine wirtschaftlich attraktive Alternative zum Strombezug aus dem öffentlichen Netz dar, denn sie erhalten einen sogenannten Mieterstromzuschlag. Voraussetzung: Sie betreiben die Anlage selbst oder haben eine dritte Partei damit beauftragt. Liegen diese Voraussetzungen vor, hat die vermietende Person (die die Anlage betreibt) gegen den Netzbetrieb einen gesetzlichen Anspruch auf Mieterstromzuschlag. Dieser Anspruch ist in § 48a EEG verankert. Wichtig: Der Mieterstromzuschlag wird nur für Anlagen gewährt, die am oder nach dem 25. Juli 2017 in Betrieb genommen wurden und maximal 100 kW leisten.

Leistung der Anlage

Mieterstromzuschlag je kWh

Bis 10 kW

3,79 ct

Bis 40 kW

3,52 ct

Bis 100 kW

2,37 ct

Wer Eigentum besitzt, hat auch dann Anspruch auf einen Mieterstromzuschlag, wenn die Abrechnung und der Verkauf des erzeugten Stroms einer energiewirtschaftlich erfahrenen dritten Partei überlassen werden. Wird beispielsweise ein Energieversorgungsunternehmen mit diesen Aufgaben betraut, wird es Teil der Lieferkette bzw. des Lieferkettenmodells. Der Anspruch auf den Zugschlag verbleibt jedoch bei der vermietenden Partei.

Was bedeutet das Mieterstrommodell für Mietende?

Wer zur Miete wohnt, soll grundsätzlich frei wählen können, wer den Strom für die Wohnung anbietet und liefert. Aus diesem Grund darf der Vertrag über den Bezug von Mieterstrom nicht Bestandteil des Mietvertrags sein. So ist es möglich, dass die Mietpartei den Mieterstromvertrag unabhängig vom Mietvertrag kündigen kann.

Die Laufzeit des Mieterstromvertrags ist auf ein Jahr begrenzt und muss die Stromversorgung auch für Zeiten regeln, in denen kein Mieterstrom geliefert werden kann. Darüber hinaus enthält das Mieterstromgesetz eine Preisobergrenze für den Mieterstrom sowie den aus dem Netz bezogenen Zusatzstrom i.H.v. 90 Prozent des jeweiligen Grundversorgungstarif.

Was passiert bei Problemen bei der Lieferung von Mieterstrom?

Liefert die installierte PV-Anlage zu wenig oder keinen Strom – beispielsweise, weil die Sonne nicht scheint – werden betroffene Haushalte aus dem öffentlichen Stromnetz beliefert. Solar- und Netzstrom werden in einem Mieterstromtarif gebündelt, so dass eine zuverlässige Versorgung gewährleistet ist.

Andere können keinen Mieterstrom nutzen: Wird der Strom für Haushalte teurer?

Ja, aber nur geringfügig. Denn: Der durch den Mieterstromzuschlag förderfähige Ausbau von Solaranlagen ist auf 500 Megawatt pro Jahr beschränkt. Darüber hinaus muss die EEG-Umlage für gelieferten Mieterstrom vollumfänglich gezahlt werden. Wird das Maximalpotenzial für Mieterstrom langfristig erschlossen, geht das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie derzeit von einen Preisaufschlag von weniger als 0,1 ct je Kilowattstunde aus. Das entspricht ca. 3,50 Euro pro Jahr und Haushalt.

Mieterstrom: Vorteile für Mietende und Vermietende in der Kurzübersicht

Vorteile für Mietende

Vorteile für Vermietende

Geringere Stromkosten

Wertsteigerung der Immobilie aufgrund der nachhaltigen Energiegewinnung

Nutzung von nachhaltigem Strom

Senkung der Mietnebenkosten

Freie Wahl aus dem Angebot

Steigerung der Mietbindung

Preisobergrenze

Einfache Umsetzung und steuerrechtliche Absicherung

Zuverlässige Stromversorgung, auch bei geringer Erzeugung durch die PV-Anlage

Hohe Planungssicherheit in Bezug auf die Erträge

 

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