31.05.2021

Kurzarbeit: Das sind die Folgen für Arbeitnehmer

Weniger Arbeit, weniger Geld: Aufgrund der Corona-Pandemie waren in Deutschland zeitweise mehr als 6 Millionen Arbeitnehmer in Kurzarbeit – einhergehend mit entsprechenden Einkommenseinbußen. Doch was genau verbirgt sich hinter dem Begriff „Kurzarbeit“? Welche Folgen hat diese für die Arbeitnehmer und wie können Betroffene ihren Entgeltausfall mithilfe des Kurzarbeitergeldes ausgleichen? Dieser Artikel fasst alles Wissenswerte rund um das Thema Kurzarbeit zusammen.

Kurzarbeit und Kurzarbeitergeld: Definitionen

Bei der sogenannten Kurzarbeit handelt es sich um eine Maßnahme von Betrieben, die in wirtschaftlichen Extremsituationen eingesetzt werden kann. Die regelmäßige Arbeitszeit mehrerer Arbeitnehmer oder der gesamten Belegschaft wird aufgrund eines erheblichen Arbeitsausfalls vorübergehend verringert. In der Folge erhalten die betroffenen Mitarbeiter ihr Entgelt basierend auf der neuen, reduzierten Arbeitszeit.

Um die entstehenden Gehaltseinbußen auszugleichen, stellt die Bundesagentur für Arbeit das sogenannte Kurzarbeitergeld bereit. Dieses soll nicht nur den Verdienstausfall teilweise ausgleichen, sondern auch den Arbeitsplatz des betroffenen Mitarbeiters erhalten, obwohl die aktuelle Situation eine Entlassung notwendig machen würde.

Tipp: Wichtige Informationen für Arbeitnehmer im Home-Office und deren Anspruch auf Kurzarbeitergeld liefert dieser Artikel.

Voraussetzungen für Kurzarbeit

Die Kurzarbeit muss vom betroffenen Unternehmen bei der Bundesagentur für Arbeit angezeigt werden, gleichzeitig ist für die betroffenen Mitarbeiter ein Antrag auf Kurarzbeitergeld zu stellen. Dem Antrag sind die Gründe für die Antragstellung beizufügen.

Gemäß §§ 95 ff. SGB III muss der antragstellende Betrieb von einem erheblichen Arbeitsausfall mit einem Entgeltausfall von mindestens 10 Prozent betroffen sein. Die Bezeichnung „erheblich“ bedeutete bisher, dass mindestens ein Drittel der Belegschaft betroffen sein muss. Durch die Corona-Krise wurde diese Regelung angepasst. Aktuell ist es rückwirkend vom 1. März 2020 bis Ende des Jahres 2021 ausreichend, wenn lediglich mindestens 10 Prozent der Belegschaft durch die entfallene Arbeit einen Ausfall ihres Bruttolohns von mindestens 10 Prozent haben.

Kurzarbeitergeld: Wie lange und wie viel wird gezahlt?

Die maximale Förderdauer für Kurzarbeitergeld liegt aktuell bei 12 Monaten.

Arbeitnehmer ohne Kinder erhalten ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 60 Prozent des ausgefallenen Nettolohns ausgezahlt, Arbeitnehmer mit Kindern beziehen ein Kurzarbeitergeld in Höhe von 67 Prozent des ausgefallenen Nettolohns.

Eine Beispielrechnung: Ein Arbeitnehmer ohne Kinder verdient in Vollzeit 2.000 Euro brutto. Dies entspricht in Steuerklasse I einem Nettoverdienst von ca. 1.400 Euro. Wird nun aufgrund von Kurzarbeit die Arbeitszeit um die Hälfte gekürzt, erhält der Arbeitnehmer einen Lohn von 1.000 brutto, also ca. 800 Euro netto. Die Agentur für Arbeit gleicht den Verdienstausfall in Höhe von 600 Euro mit einem Kurzarbeitergeld i.H.v. 360 Euro aus, sodass der Arbeitnehmer insgesamt ca. 1.160 Euro netto pro Monat erhält.

Das Kurzarbeitergeld erhöht sich ab dem vierten Bezugsmonat auf 70 Prozent des ausgefallenen Nettoentgelts bzw. 77 Prozent bei Arbeitnehmern mit Kindern. Ab dem 7. Bezugsmonat beträgt das Kurzarbeitergeld 80 Prozent des ausgefallenen Nettogehalts bzw. 87 Prozent bei Arbeitnehmern mit Kindern. Die Bezugsmonate müssen nicht zusammenhängen.

Voraussetzung für die Erhöhung: Der Arbeitnehmer war im jeweiligen Kalendermonat von einem Arbeitsausfall mit Entgelteinbußen von mindestens 50 Prozent betroffen.

Kurzarbeitergeld in % des ausgefallenen Nettoentgelts

 

Arbeitnehmer ohne Kinder

Arbeitnehmer mit Kindern

Ab 1. Bezugsmonat

60 %

67 %

Ab 4. Bezugsmonat

70 %

77 %

Ab 7. Bezugsmonat

80 %

87 %

Auswirkungen von Kurzarbeit für Arbeitnehmer

Beiträge zur Sozialversicherung

Für Arbeitnehmer in Kurzarbeit werden die Beiträge zur Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenversicherung und Unfallversicherung weiterhin vom Arbeitgeber bezahlt. Dieser erhält die Beiträge pauschalisiert erstattet – für den Zeitraum vom 01.01.2021 bis 30.06.2021 zu 100 Prozent, vom 01.07.2021 bis 31.12.2021 zu 50 Prozent.

Kündigungsverhältnis

Sobald das Arbeitsverhältnis eines Arbeitnehmers gekündigt wird, entfällt mit Zugang der Kündigung der Anspruch des Arbeitnehmers auf Kurzarbeitergeld gegenüber der Agentur für Arbeit gemäß § 98 Abs. 1 Nummer 2 SGB III. Inwieweit dann für die verbleibende Kündigungsfrist wieder der volle Lohnanspruch oder die entsprechend reduzierte Vergütung zu entrichten ist, ist weder gesetzlich geregelt noch in der Rechtsprechung abschließend geklärt. Durch Auslegung ist dann zu ermitteln ob die durch die Kurzarbeit verursachte Reduktion der Arbeitszeit infolge der Kündigung hinfällig geworden ist, dann besteht wieder der volle Lohnanspruch oder ob weiter lediglich eine verkürzte Arbeitszeit gilt und somit eine entsprechend reduzierte Vergütung zu zahlen ist.

Bestehen Zweifel an der Wirksamkeit der Kündigung sollten Arbeitnehmer anwaltlichen Rat einholen. Eine zuverlässige Berufsrechtsschutzversicherung hilft bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt.

Elterngeld

Grundsätzlich gilt: Ein gezahltes Kurzarbeitergeld kann als Bemessungsgrundlage für das Elterngeld hinzugezogen werden – und dieses folglich reduzieren.

Allerdings hat die Bundesregierung im Rahmen der Corona-Krise eine Ausnahmeregelung getroffen. Derzeit reduziert das Kurzarbeitergeld das Elterngeld nicht und fließt auch bei der späteren Berechnung des Elterngeldes für ein weiteres Kind nicht ein.

Altersteilzeit und Rente

Bei einem Bezug von Kurzarbeitergeld kommt es zu kürzeren Ansparintervallen, um planmäßig in Rente gehen zu können. Aus diesem Grund muss die reduzierte Arbeitszeit nachgearbeitet werden. Nähere Informationen zur Auswirkung von Kurzarbeit auf die Rente liefert dieser Artikel.

Steuern auf Kurzarbeitergeld: Das ist zu beachten

Kurzarbeitergeld ist grundsätzlich steuerfrei. Allerdings erhöht die Leistung den Steuersatz für den Rest des zu versteuernden Einkommens auf Grundlage des sogenannten Progressionsvorbehaltes. Das bedeutet: Der Bezug von Kurzarbeitergeld führt unter Umständen zu Steuernachzahlungen im Folgejahr.

Reduziert Kurzarbeit den Urlaubsanspruch?

Steht einem Arbeitnehmer Urlaubsanspruch für die Monate zu, in denen er auf Kurzarbeit Null gesetzt ist? Das Landesarbeitsgericht (LAG) in Düsseldorf hat dazu Stellung genommen: Ist die Kurzarbeit des Arbeitnehmers auf Null gesetzt, so reduziert sich sein Urlaubsanspruch um ein Zwölftel für jeden vollen Monat mit der Kurzarbeit Null. Demnach steht dem Arbeitnehmer lediglich ein anteilig gekürzter Jahresurlaub zu.

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