Was müssen Selbstständige bei der Auswahl ihrer Krankenkasse bedenken?

Als Selbstständiger ist man für den Versicherungsschutz komplett allein verantwortlich. Dafür hat man die Möglichkeit, zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung zu wählen. Ob man sich hier für die gesetzliche Krankenversicherung, kurz GKV oder aber die private Krankenversicherung, PKV, entscheidet, hängt von einer Vielzahl von Faktoren ab. Die Frage, welche Krankenversicherung für Selbstständige am Ende die richtige ist, lässt sich nicht leicht beantworten. Je nach Einkommenssituation, Wohnort oder sozialen Verhältnissen können Bedürfnisse ganz unterschiedlich ausfallen. Dass man vom Angebot an Versicherungen außerdem schier erschlagen wird, macht die Entscheidung nicht einfacher. Dieser Artikel liefert eine Zusammenfassung der wichtigsten Vor- und Nachteile und bietet eine Orientierung, auf was besonders geachtet werden muss.

Gesetzliche vs. private Krankenversicherung – die Unterschiede

Grundsätzlich ist es bei Selbstständigkeit problemlos möglich von der gesetzlichen in die private Krankenkasse zu wechseln. In die entgegengesetzte Richtung ist dies schon schwerer. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass gesetzliche und private Kassen ihre Beiträge auf verschiedene Weise erheben. Während bei der GKV das Einkommen der Versicherten zu Beitragsbemessung herangezogen wird, zählt bei der PKV nur das individuelle Versicherungsrisiko. Patienten, die gesund sind und ein weniger hohes Erkrankungsrisiko aufweisen, zahlen weniger. Während die gesetzliche Versicherung außerdem einen für den Bevölkerungsdurchschnitt brauchbaren, wenn auch eher eingeschränkten Leistungskatalog umfasst, lässt sich private Vorsorge ganz individuell angehen und baukastenmäßig in Umfang und Leistung den persönlichen Bedürfnissen anpassen.

Wie hoch fallen die Beitragssätze aus?

Im Jahr 2018 beträgt der allgemeine Beitragssatz 14,6 % des Einkommens. Da der Krankenkassenbeitrag für die gesetzliche Krankenversicherung vom Einkommen abhängt, wird für Spitzenverdiener (über 4.425 Euro monatlich) mit mindestens einem Kind ein Betrag von 758,89 Euro inklusive gesetzlicher Pflegeversicherung fällig. Kinderlose Krankenversicherte, die das 23. Lebensjahr vollendet haben, zahlen 769,95 Euro. Hinzu kommt noch ein Zusatzbeitrag, über dessen Höhe jede Kasse selbst entscheiden kann. Der geringste Satz für einkommensschwache Haushalte liegt bei 377,97 Euro plus Zusatzbeitrag. Für Härtefälle oder besonders Bezuschusste existieren Ausnahmeregelungen.

Bei der privaten Krankenversicherung werden die Beitragssätze anhand des Alters und der Gesundheitsdaten erhoben. Je jünger und gesünder der versicherte Patient, desto billiger wird es. Da Privatversicherungen die unterschiedlichsten Leistungen anbieten, ist hier eine genaue Auskunft über die Höhe der Beiträge nicht möglich. Außerdem lohnt es sich, den Rat eines Sachverständigen hinzuzuziehen, denn die Angebote der privaten Krankenkassen sind häufig sehr komplex und schwer vergleichbar.

Vor- und Nachteile der gesetzlichen Krankenkassen

Die Beitragsbemessungsgrenze liegt bei 4.425 Euro, d.h. bis zu dieser Höhe wird der Beitrag auf das Einkommen angepasst. Zum Einkommen zählen nicht nur Einkünfte aus selbständiger Tätigkeit, sondern auch die aus Kapitalanlagen oder Vermietung. Der ermäßigte Tarif gilt für freiwillig Versicherte, und beinhaltet keinen Anspruch auf Krankengeld. Praktisch an der gesetzlichen Versicherung ist die Familienversicherung, d.h. alle Familienmitglieder ohne Einkommen sind mitversichert. Leider bietet die gesetzliche Krankenversicherung einen deutlich kleineren Leistungsumfang: Vertragsärzte müssen konsultiert werden, beim Krankenhausaufenthalt besteht kein Anspruch auf Chefarztbehandlung oder Einzelzimmer und nur „medizinisch sinnvolle und notwendige“ Behandlungen werden übernommen. Den Besuch bei der Akkupunktur muss man also selber bezahlen. Mittlerweile bieten einige Kassen Zusatzleistungen an, meist ist hier aber eine private Zusatzversicherung die deutlich preisgünstigere Variante.

Vor- und Nachteile der privaten Krankenkassen

Der größte Vorteil, den die privaten Krankenversicherungen zu bieten haben, ist die maßgeschneiderte Zusammenstellung der Leistungen. So können freie Arztwahl, Einzelzimmer oder die Behandlung beim Heilpraktiker problemlos mitversichert werden. Auch Zahnersatz, Brillen oder andere medizinische Hilfsmittel sind auf Wunsch in der privaten Versorgung enthalten. Nachteilig ist, dass der Privatpatient häufig in Vorleistung gehen und seiner Versicherung die Arztrechnung vorlegen muss, um eine Erstattung zu bekommen. Außerdem wird meist ein größerer Gesundheitscheck verlangt, bevor man in die Kasse eintreten darf. Vorerkrankungen können den Tarif in die Höhe treiben oder führen sogar dazu, dass man gar nicht aufgenommen wird. Für diesen Fall gibt es per Gesetz einen Basistarif, bei dem die Gesundheitsprüfung wegfällt und somit jeder versichert werden kann. Allerdings ist der Leistungsumfang einer solchen Basisversicherung entsprechend geringer.

Welche Zusatzversicherungen sind sinnvoll?

Als Freiberufler ist es wichtig, im Krankheitsfall über ein Krankengeld verfügen zu können. Gerade Selbstständige können einen Arbeitsausfall eher schlecht verschmerzen. Wer sich in der GKV mit dem normalen allgemeinen Beitragssatz freiwillig versichert hat, bekommt ab dem 43. Ausfalltag Krankengeld, welches maximal 90 Prozent des Nettoeinkommens ausmacht. Hat man keine Zusatzversicherung, steht man während dieser ersten Wochen ganz ohne Einkommen da. Private Krankenkassen bieten den Vorteil, dass man den Beginn der Zahlung flexibel vereinbaren kann und auch die Höhe der Zahlung ist in gewissen Grenzen frei wählbar.

Was passiert bei Arbeitslosigkeit?

Versicherte der GKV, die Arbeitslosengeld I oder II beziehen, können unter Umständen Zuschüsse von der Agentur für Arbeit bekommen. Mit Inkrafttreten des Finanzierungs- und Qualitätsgesetzes ab Januar 2015 übernimmt die Bundesagentur nun den gesamten Zusatzbeitrag. Hat man sich als Selbstständiger für eine private Krankenversicherung entschieden, kann man leicht auf eine veränderte Einkommenssituation hin die Beitragssätze anpassen. Meist bietet der bereits erwähnte Basistarif ähnliche Bedingungen wie der gesetzliche Schutz. Sollten auch die geringen Beträge finanziell nicht zu bewältigen sein, bieten die privaten Krankenversicherer einen sogenannten Notlagentarif an. Seit 2013 ist dieser vom Gesetzgeber vorgeschrieben, damit alle Menschen eine medizinische Grundversorgung genießen können.

Zusammenfassung

Die Vorteile der privaten Krankenversicherung für Selbstständige liegen auf der Hand. Nicht nur die zahlreichen Zusatzangebote und die flexiblen Vertragsbedingungen sind von Vorteil, wenn man durch die Selbstständigkeit eine wechselhafte Auftragslage hat, auch die individuell justierbare Höhe der Beitragssätze ist ein großer Vorteil der PKV. Durch die einkommensunabhängigen Beiträge und häufigen Erstattungen zahlen Selbstständige unterm Strich sogar weniger als in der gesetzlichen Versicherung bei gleichzeitig besserem Leistungsumfang.