27.02.2019

Karneval: Rechte und Pflichten am Arbeitsplatz in der Zeit der Narren und Jecken

Für viele ist die schönste Zeit des Jahres – die Karnevalswoche. Von überall her schallt es ‚Alaaf’ oder ‚Helau’ und gerade die Menschen aus dem Rheinland haben, so scheint es, in dieser Zeit die Narrenfreiheit für sich gepachtet. Doch was ist an Karneval am Arbeitsplatz eigentlich erlaubt? Darf man sich kostümieren und von Alkohol beseelt Karneval feiern im Büro? Und überhaupt: Muss man an Karneval arbeiten?

Muss man an Karneval arbeiten?

Es ist ein Irrglaube, Rosenmontag und Faschingsdienstag seien offizielle Feiertage – auch wenn es sich so anfühlt. Trotz des Ausnahmezustands in Karnevalshochburgen wie Köln, Düsseldorf und Mainz, hat niemand den Anspruch, nicht bei der Arbeit zu erscheinen – nirgendwo in Deutschland sind die tollen Tage ein gesetzlicher Feiertag. Der Betriebsrat des jeweiligen Unternehmens kann Auskunft darüber geben, ob es in der – bezogen auf Karneval – Betriebsvereinbarung eine Bestimmung für die Gewährung von Sonderurlaub gibt.

Wenn für den Arbeitnehmer keine Regelung in der Betriebsvereinbarung, im Tarif- oder Arbeitsvertrag existiert, ist Arbeiten an Karneval Pflicht. Im besten Fall kann die Legitimation der Arbeitsbefreiung an Karneval ihre Berechtigung jedoch in der sogenannten betrieblichen Übung finden. Hat ein Arbeitgeber seinen Mitarbeitern in den letzten mindestens drei Jahren freie Tage an Karneval gewährt, können die Arbeitnehmer damit rechnen. Doch die betriebliche Übung ist eine Ausnahme und nicht verbindlich.

Wer also an Rosenmontag und Faschingsdienstag ausgelassen feiern möchte, sollte auf Nummer sicher gehen und rechtzeitig Urlaub einreichen. Und wer gern zum Auskurieren seines Katers auch den Aschermittwoch arbeitsfrei hätte, sollte daran denken, drei Tage Urlaub zu nehmen.

Karneval bei der Arbeit – was ist erlaubt?

  • Kostümierung

Der Brauch, sich an Karneval zu verkleiden, stammt aus dem Mittelalter. Man wollte für ein paar sorglose Stunden jemand anderes sein. Doch ob das Karneval-Kostüm im Büro oder Betrieb so gut ankommt, ist im Einzelfall zu entscheiden. Arbeitnehmer mit Kundenkontakt sollten auf eine komplette Kostümierung verzichten – selbst wenn sich der Arbeitsplatz in einer typischen Karnevalshochburg befindet. Ein kleines Hütchen oder ein wenig Glitzer im Haar tun es auch.

Wenn im Unternehmen Schutzkleidung angeordnet ist, darf der Gebrauch dieser nicht durch ein Karnevalskostüm oder -accessoire behindert werden.

Sollte der Chef aber nichts dagegen haben, ist es natürlich erlaubt, dass sich die Kollegen im Büro kostümieren. Deplatziert wirken Kostüme, die zu freizügig sind oder die Gefühle anderer verletzen könnten. Das knappe ‚Sexy-Putzfrau’-Dress ist weniger angebracht.

  • Radio hören oder online fernsehen

Wer Karneval im Büro verbringt, sollte vorher klären, ob es erlaubt ist, die Karnevalsumzüge per Livestream im Internet oder in der Radioübertragung zu verfolgen. Obwohl Radiohören in den meisten Unternehmen keiner gesonderten Genehmigung bedarf, ist es in diesem Fall anders, da der Arbeitnehmer zu sehr von der Arbeit abgelenkt sein könnte.

  • Alkohol

Alkohol am Arbeitsplatz kann grundsätzlich arbeitsrechtliche Konsequenzen mit sich bringen – und das ist an Karneval nicht anders. Auch hier sollte man mit dem Vorgesetzten reden, ob es okay ist, dass man kurz vor Feierabend gemeinsam mit den Kollegen auf die tollen Tage anstößt. In der Frühstückspause bereits eine Flasche Sekt zu leeren, kommt garantiert nicht gut an und beeinträchtigt die Leistungsfähigkeit. Gefährlich kann es werden, wenn man an Maschinen arbeitet – hier ist Alkoholkonsum strengstens verboten.

  • Krawatte abschneiden

An Weiberfastnacht ist es ein spaßiger Brauch, den schlipstragenden Herren die Krawatte abzuschneiden.

Doch was einige weibliche Narren begründen mit: Es ist Karneval – Pflichten am Arbeitsplatz adé – kann Folgen haben. Aus Spaß wird schnell bitterer Ernst, wenn der Träger des Schlipses nicht sein Einverständnis gegeben hat und mit Klage wegen Sachbeschädigung droht. Man sollte sich also ganz genau sein potentielles Opfer anschauen. Ist es ein Kunde, gar noch aus dem Ausland, der ins Büro kommt, ist es ratsam, die Schere stecken zu lassen.

Bei aller Narrenfreiheit gilt es stets abzuschätzen und zu erkennen, ob man sich im karnevalserprobten Gebiet befindet oder ob die traditionellen Gepflogenheiten in der Region, in der man sich gerade aufhält, einen verstörenden Eindruck hinterlassen.

Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei TeReBe Rechtsanwalts-AG auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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