28.05.2018

Inkassoforderungen – Das sollten Sie prüfen, bevor Sie zahlen

Der Schreck beim Blick in den Briefkasten ist groß: Post vom Inkassounternehmen. Doch laut einer Studie der Verbraucherzentrale von 2015, ist mehr als jede zweite Forderung durch ein Inkassobüro unberechtigt oder zu hoch. Viele der vermeintlichen Schuldner reagieren aber auch Angst vor möglichen – und häufig angedrohten – Konsequenzen falsch. Dabei ist es gerade jetzt wichtig, besonnen zu handeln!

Was ist ein Inkassounternehmen?

Ein Inkassounternehmen ist der vertragliche Partner von Gläubigern und handelt in deren Auftrag – beispielsweise, unbezahlte Rechnungen einzufordern. Viele Unternehmen geben diese sogenannte Debitorenbuchhaltung außer Haus, weil ein gutes Inkassounternehmen über andere Möglichkeiten und eine effizientere Kompetenz besitzt. Zunächst ist ein Brief aus einem seriösen Inkassobüro also kein Grund zur Panik.

Daran erkennen Sie ein seriöses Inkassobüro

Ein Inkassounternehmen ist zunächst einmal ein Dienstleister und hilft Unternehmen dabei, ihr Geld zu bekommen. Dafür braucht es keine ausgesprochenen Drohungen oder respektlosen Briefe. Ein seriöser Absender ist meist in einem größeren Verband organisiert – beispielsweise dem Bundesverband Deutscher Inkassounternehmen e.V. Gemäß den gesetzlichen Vorschriften handelt ein Inkassounternehmen nach einem bestimmten Verfahren. Das kann beispielsweise in folgende Schritte aufgeteilt sein:

  • Schriftliche Rechnung mit folgender Mahnung,
  • Gerichtlicher Mahnbescheid mit Widerspruchsrecht von 14 Tagen,
  • Androhung der Zwangsvollstreckung/Pfändung,
  • Vollstreckungsbescheid.

 

So erkennen Sie "Schwarze Schafe" unter den Inkassobüros

In dem Anschreiben an Sie müssen Auftraggeber, Forderungsgrund und Vertragsgegenstand genannt werden und ein Hinweis, in wessen behördlichem Zuständigkeitsbereich die Sache liegt. Ein seriöses Unternehmen hat ein großes Interesse, die Fragen des Schuldners zu beantworten. Kontaktieren Sie also im Zweifelsfall das Unternehmen und fragen Sie nach.

Kontrollieren Sie ebenfalls, ob es sich bei dem Inkassobüro um ein legitimiertes Unternehmen handelt. Diese Auskunft erhalten Sie über das Anwalts- bzw. Rechtsdienstleistungsregister (www.rechtsdienstleistungsregister.de und www.rechtsanwaltsregister.org). Ausschließlich registrierte Inkassounternehmen und Rechtsanwälte dürfen offene Beträge im Auftrag Dritter einfordern. Überprüfen Sie das Unternehmen auch auf mögliche Einträge im Internet.

Spricht das Unternehmen bereits zu Beginn Drohungen über SCHUFA-Einträge und Pfändungen aus, ist Vorsicht geboten. Ebenso sollten Sie hellhörig sein, wenn es sich um ein ausländisches Unternehmen handelt. Dies erkennen Sie neben der Anschrift auch an der IBAN. Sitzt das Unternehmen in Deutschland, ist der Nummer die Kennung DE vorangestellt.

Der Zahlungsfrist für die Schulden sollte ein angemessener Zeitrahmen eingeräumt werden und selbstverständlich nicht in der Vergangenheit liegen.

Druckmittel unseriöser Inkassobüros

Einige unseriöse Inkassounternehmen setzen den Schuldner mit folgenschweren Drohungen dermaßen unter Druck, dass diese die Forderungen oft ohne Prüfung und ohne Einspruch begleichen. Zu den Androhungen gehören:

Eintrag in der SCHUFA – hier werden Informationen über die Kreditwürdigkeit von Antragstellern gespeichert. Ob ein Eintrag hier zulässig ist, ist im Bundesdatenschutzgesetz geregelt. Werden die Bedingungen – u.a. zweifache schriftliche Mahnung im Abstand von mindestens vier Wochen; kein Abstreiten der geltend zu machenden Forderungen – erfüllt, kann es zu einem Eintrag kommen. Eine unberechtigte Drohung mit einem solchen Eintrag kann übrigens als Nötigung geahndet werden!

Pfändung des Lohns: Dies ist nur möglich, wenn ein rechtsgültiger Titel gegen Sie durchgesetzt wurde.

Pfändung des Eigentums: Mitarbeiter von Inkassobüros und Rechtsanwälte haben kein Recht, Ihre Wohnung zu betreten – anders ist dies bei Gerichtsvollziehern.

Mahngebühren zu hoch

Im Zusammenhang mit Beschwerden über Inkassobüros fallen immer wieder die überhöhten Gebühren ins Auge. Es gibt leider keinen einheitlichen Gebührenkatalog, dennoch darf ein Inkassobüro nicht übermäßig hohe Gebühren kalkulieren. Nach § 4 Abs. 5 RDGEG sind Inkassokosten auch nur bis zur Höhe einer entsprechenden Rechtsanwaltsvergütung für die Geltendmachung der Forderung erstattungsfähig und somit gedeckelt.

Als Inkassogebühren dürfen berechnet werden:

  • Mahnkosten – aber erst nach Zahlungsverzug,
  • Nachgewiesene Zustellkosten,
  • Nachgewiesene Ermittlungskosten,
  • Nachgewiesene Bankrücklastschriftkosten,
  • Vollstreckungskosten,
  • Gerichts- bzw. Gerichtsvollzieherkosten.

 

Nicht angerechnet werden hingegen:

  • Nachnahmegebühren,
  • Kontoführungsgebühren,
  • Gebühren von Telefon-Inkasso,
  • Kosten für das Übersenden einer Forderungsaufstellung.

 

Handelt das Inkassobüro nicht auf Bevollmächtigung, sondern im eigenen Auftrag, darf es keine Gebühren veranschlagen! Dies ist bei den Unternehmen der Fall, die dem Gläubiger die Rechnung "abkaufen" und dann vom Schuldner das Geld eintreiben.

So gehen Sie mit ungerechtfertigten Inkasso-Forderungen um

Erhalten Sie ein Schreiben mit einer ungerechtfertigten Zahlungsaufforderung, sollten Sie sofort Einspruch dagegen erheben – und zwar schriftlich, idealerweise als Einschreiben. Vordrucke hierfür finden Sie beispielsweise unter www.verbraucherzentrale-berlin.de. Senden Sie Ihren Widerspruch gleichzeitig als Mail oder Fax und beziehen Sie das Gläubigerunternehmen in die Korrespondenz mit ein.

Erhalten Sie trotzdem einen gerichtlichen Mahnbescheid, liegt diesem ein Widerspruchsantrag bei. Füllen Sie ihn aus und senden Sie ihn fristgerecht an das zuständige Amtsgericht zurück. Sollte die Frist überschritten sein, ergeht in der nächsten Instanz ein Vollstreckungsbescheid gegen Sie. Auch gegen diesen können Sie, fristgerecht, Einspruch erheben. Versäumen Sie dies, wird der Bescheid rechtskräftig und es droht die Pfändung Ihres Kontos und Gehalts.

Begleichen Sie einen Teil oder den ganzen Betrag, gilt dies als Zugeständnis, dass die Forderung rechtens ist. Im Zweifelsfall sollten Sie daher einer Schuldbegleichung den Zusatz "Zahlung unter Vorbehalt der Rückforderung und ohne Präjudiz" hinzufügen. Es ist aber deutlich schwieriger, gezahltes Geld zurückzuverlangen, als die Rechnung vor Begleichen auf Rechtmäßigkeit zu überprüfen.

Haben sich womöglich die Begleichung der Rechnung und das Schreiben des Inkassounternehmens überschnitten, sollten Sie die Zahlungsaufforderung auf keinen Fall ignorieren. Setzen Sie das Unternehmen telefonisch oder schriftlich in Kenntnis, dass Sie die Rechnung bezahlt haben. Gegebenenfalls schicken Sie einen Beleg der Überweisung mit. Für mögliche Kosten des Inkassounternehmens müssen Sie dann nicht aufkommen.

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Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei TeReBe Rechtsanwalts-AG auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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