07.05.2020

ProPlanet, Fairtrade, Bio & Co. – Was steckt hinter Gütesiegeln und welche Rechte haben Verbraucher?

Es gibt sie in zahlreicher Fülle und in beinahe jedem Lebensbereich: Qualitätssiegel, Gütesiegel oder auch Nachhaltigkeitssiegel. Sie sollen Verbrauchern Orientierung, Sicherheit und Klarheit über Produkte, Produktionsbedingungen, Nachhaltigkeit und Fairness verschaffen. Im Einzelhandel stiftet die Lebensmittelkennzeichnung auf Grund der Vielzahl der Gütesiegel für Verbraucher jedoch mehr Verwirrung als Transparenz. Wie aussagekräftig sind Gütesiegel und welche Rechte und Möglichkeiten haben Verbraucher, wenn Sie sich über Lebensmittel näher erkundigen möchten?

Was ist ein Gütesiegel?

Ein Gütesiegel bezeichnet eine grafische oder schriftliche Kennzeichnung von Angeboten, die dem Verbraucher Informationen zu Qualität und Güte vermitteln sollen. Gleichbedeutend mit dem Begriff Qualitätssiegel steht das Gütesiegel als Label für bestimmte Eigenschaften, wie Nachhaltigkeit oder Fairness.

Bei der Lebensmittelkennzeichnung kann man zwischen gesetzlich vorgeschriebenen Kennzeichnungen wie etwa dem Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD) und den zahlreichen Siegeln, Herkunftszeichen und Symbolen, die institutionelle bzw. private Prüfzeichen oder Eigenmarken darstellen können, unterscheiden. Im Lebensmittelbereich finden sich diese - auch unter dem Begriff Ökolabel geläufig -  auf zahlreichen Verpackungen. Das erschwert die Orientierung für Verbraucher, denn die Siegel haben mitunter eine sehr unterschiedliche Aussagekraft und in manchen Fällen nur einen geringen Verbreitungsgrad. So existieren in Deutschland rund 1.000 verschiedene Gütesiegel, zwischen denen sich Verbraucher einen Überblick im Siegel-Dschungel verschaffen müssen.

Wer vergibt Gütesiegel?

In Deutschland werden Gütesiegel von anerkannten Institutionen an Hersteller und Dienstleister vergeben, die die jeweiligen Güte- und Prüfbestimmungen erfüllen. Die Einhaltung der Bestimmungen wird durch eine sogenannte Erstprüfung festgestellt. Im Anschluss erfolgen eine stetige Eigen- und Fremdüberwachung, um die fortdauernde Einhaltung der festgesetzten Standards zu gewährleisten. Die Voraussetzungen für die Vergabe der Qualitätssiegel sind jedoch sehr unterschiedlich. Nur wenige Labels basieren tatsächlich auf rechtlichen Grundlagen, einige stellen Eigenkreationen dar, die schlicht als ein Marketinginstrument eingesetzt werden.

Nach einer Studie des Deutschen Instituts für Qualitätsstandards und –prüfung e.V. (DIQP) nehmen Verbraucher den Wert eines unabhängigen Qualitätssiegels jedoch immer stärker wahr und legen Wert auf Unabhängigkeit und Transparenz. Die  Stiftung Warentest fand im Test zu Nachhaltigkeitssiegeln sogar heraus, dass Verbraucher bereit sind, für fair gehandelte Produkte deutlich tiefer in die Tasche zu greifen.

Welche Faktoren machen ein Gütesiegel glaubwürdig und welche Aussagekraft hat es?

Ein Gütesiegel soll vor allen Dingen Vertrauen schaffen – in ein Produkt, den Hersteller oder das Unternehmen im Hinblick auf Qualität, Fairness und Nachhaltigkeit. Die Siegel helfen dabei, Verbrauchern eine Orientierung über die Art der Lebensmittelerzeugung zu geben. Dazu zählen zum Beispiel Informationen zu sozialen und ökologischen Bedingungen - von der Produktion bis in den Einzelhandel - zum Beispiel darüber, ob Lebensmittel vegan oder biologisch produziert werden.

Kennzeichen für aussagekräftige Siegel sind solche mit fundierten Zahlen, Daten, Fakten und  nachgeprüften Kriterien durch anerkannte Institutionen und berechtigte Zertifizierungsstellen wie etwa die Siegel der deutschen Bioverbände deren Vorgaben beispielsweise über die Standards des EU-Bio-Siegels hinausgehen. Solche Gütesiegel sind nachweisbar überprüft und entsprechen nachvollziehbaren und nachweisbaren Qualitätsstandards. Das Fairtrade-Siegel kennzeichnet Produkte, bei deren Herstellung bestimmte soziale, ökologische und ökonomische Kriterien eingehalten wurden. Der Fokus liegt darauf, menschenwürdige Arbeitsbedingungen für Beschäftigte auf Plantagen in Entwicklungs- und Schwellenländern zu schaffen.

Info: Das Pro Planet Label ist ein von der REWE-Group im Jahr 2009 eingeführtes Label, welches sinnbildlich für einen umwelt- und sozialverträglicheren Einkauf steht und für REWE-Eigenmarken eingesetzt wird.

Gütesiegel-Apps als Orientierungshilfen für Verbraucher

Mit dem Aufbau von Internetportalen wie Siegelklarheit.de hat die Bundesregierung ein Angebot geschaffen, welches einen Beitrag zur Aufklärung über die zahlreichen Gütesiegel für Verbraucher leistet. Auch die Internetpräsenz Label-online.de der Verbraucherinitiative e.V. soll neutrale und unabhängige Informationen zu Siegeln vermitteln.

Tatsächlich nutzen viele Verbraucher Apps beim Einkaufen, um sich über Inhaltsstoffe, Nährwertangaben und Qualitätssiegel zu informieren. Zu diesem Ergebnis kommt eine repräsentative Befragung des Digitalverbands Bitkom. Eine App mit Fotoerkennung von Lebensmittellogos stellt zum Beispiel die App NABU des Naturschutzbund Deutschland e.V. dar.

Welche Informationsrechte haben Verbraucher?

Informationen unter anderem zur Zusammensetzung, chemischen Zusatzstoffen oder Inhaltsstoffen von Lebensmitteln können sich Verbraucher grundsätzlich über die zuständigen Lebensmittelüberwachungsbehörden gemäß dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) einholen. Auf Bundesebene können Verbraucher hierzu das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL), das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) oder die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) kontaktieren. Auskünfte bis zu 250 Euro Verwaltungsaufwand sind dabei kostenfrei.

Über die gesetzlich geforderte Lebensmittel-Kennzeichnung hinaus und darüber, welche Hinweise zu Lebensmitteln existieren und was verpflichtend auf dem Lebensmitteletikett stehen muss, gibt auch die Verbraucherzentrale Auskunft.

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