31.10.2019

Firmenlaptop verloren, Firmendaten futsch – Wer haftet?

Viele Unternehmen stellen ihren Arbeitnehmern elektronische Geräte zum mobilen Arbeiten zur Verfügung. Dazu zählen Tablets, Smartphones und Notebooks. Diese Geräte sind zwar praktisch, bergen jedoch auch Risiken: Sie können gestohlen werden oder verloren gehen. Doch wer haftet im Fall eines verschwundenen Arbeitslaptops? Was passiert, wenn sich auf dem Gerät sensible Daten von Geschäftspartnern und Kunden befunden haben und welche Versicherung zahlt im Schadensfall?

Diensthandy, Arbeitslaptop und Co.: Wann haftet der Arbeitnehmer?

Grundsätzlich gilt: Verursacht ein Arbeitnehmer einen Sachschaden am Eigentum seines Arbeitgebers, so hat dieser Anspruch auf Schadenersatz, wenn folgende Voraussetzungen erfüllt sind:

  • Der Arbeitnehmer hat seine Pflichten verletzt. Dies können neben arbeitsvertraglichen Pflichten auch ungeschriebene Pflichten sein, die sich aus dem konkret entstandenen Sachverhalt ergeben. Hat der Arbeitnehmer das Firmennotebook beispielsweise bei geöffnetem Fahrerfenster im Auto liegen lassen, ist dies ein Verstoß.
  • Der Schaden ist aufgrund vorsätzlicher oder fahrlässiger Pflichtverletzung des Arbeitnehmers eingetreten.
  • Zwischen der Pflichtverletzung und dem Schadenseintritt besteht ein kausaler Zusammenhang.

 

Um den Grad des Eigenverschuldens benennen zu können, hat der Gesetzgeber drei Stufen der Fahrlässigkeit definiert:

1. Leichte Fahrlässigkeit

Gem. § 276 Abs. 2 BGB handelt fahrlässig, wer die im Verkehr erforderliche Sorgfalt außer acht lässt. Hat der Mitarbeiter ein Firmennotebook „normal“ und mit der gebotenen Sorgfalt behandelt, so ist sein Verhalten als „leicht fahrlässig“ einzustufen. In diesem Fall haftet der Mitarbeiter in aller Regel nicht für den Verlust des Gerätes.

2. Mittlere Fahrlässigkeit

Ist der Grad der Fahrlässigkeit zwischen „leicht“ und „grob“ einzustufen, spricht der Gesetzgeber von einer mittleren Fahrlässigkeit. Diese ist beispielsweise dann gegeben, wenn der Arbeitnehmer den Laptop im verschlossenen Auto in einer ungefährlichen Wohngegend zurückgelassen hat. Im Falle eines Diebstahls wird der Schaden zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer aufgeteilt,wobei für die Bildung einer konkreten, individuellen Haftungsquote im Einzelfall folgende Umstände herangezogen werden: wie gefahrgeneigt eine Tätigkeit ist, da bei einem arbeitstypisch höheren Haftungsrisiko, die Haftungsquote des Arbeitnehmers sinkt, die Schadenshöhe, die Versicherbarkeit des Risikos für den Arbeitgeber, die Höhe des Arbeitsentgelts („man spricht hier von einer Risikoprämie“) die persönlichen Verhältnisse des Arbeitnehmers und seine Stellung im Betrieb. Bei unklaren Sachverhalten sollte ein Rechtsbeistand zu Rate gezogen werden. Eine zuverlässige Berufsrechtsschutzversicherung hilft Betroffenen bei der Suche nach einem kompetenten Anwalt.

3. Grobe Fahrlässigkeit

Eine grobe Fahrlässigkeit liegt vor, wenn der Arbeitnehmer die verkehrserforderliche Sorgfalt in besonders schwerem Maße verletzt hat und diese Pflichtverletzung subjektiv unentschuldbar ist. Hat der Arbeitnehmer beispielsweise das Firmennotebook oder sein Diensthandy ohne zusätzliche Sicherungsmaßnahmen in einem Café vergessen, haftet er gänzlich für den eingetretenen Schaden.

Dienstlaptop oder Firmenhandy gestohlen: Vorsicht bei Vertraulichkeits- und Datenschutzverletzungen

Beim Diebstahl eines elektronischen Arbeitsgerätes entsteht zunächst der Schaden am Gerät selbst. Ob die Haftpflichtversicherung des Arbeitgebers oder -nehmers für den Schaden aufkommt, entscheidet sich im Einzelfall. Hierbei fällt unter anderem ins Gewicht, ob der Arbeitgeber die Mitnahme des Gerätes angeordnet oder ob der Arbeitnehmer dieses auf eigenen Wunsch mitgeführt hat.

Waren auf dem Gerät personenbezogene Firmendaten oder Geschäftsgeheimnisse Dritter gespeichert, ist von einer Vertraulichkeits- und Datenschutzverletzung auszugehen. Das Unternehmen ist in diesem Fall dazu verpflichtet, die zuständige Aufsichtsbehörde sowie alle Kunden zu informieren, deren Daten auf dem Gerät gespeichert waren. Wurden die vertraulichen Firmendaten vom Dieb ausgelesen oder sogar veröffentlicht, drohen Schadenersatzforderungen. Kann der geschädigte Dritte, beispielsweise ein Kunde, den Eintritt eines Schadens beweisen und dessen Höhe beziffern, hat dieser gem. § 823 BGB Anspruch auf Schadenersatz.

Wichtig: Nicht nur dem Unternehmen, sondern auch dem verursachenden Mitarbeiter drohen Haftungsrisiken. Hat der Arbeitgeber den Arbeitnehmer vor dem Diebstahl nachweislich hinreichend über die Gefahren und den Umgang mit den Daten belehrt, kann er den entstandenen Schaden im Rahmen des sogenannten innerbetrieblichen Schadensausgleichs vom Mitarbeiter zurückfordern.

Verlust eines Dienstlaptops: Welche Versicherung zahlt?

Die Frage, welche Versicherung für die durch den Datenverlust entstandenen Schäden aufkommt, entscheidet sich im Einzelfall. Vertrauens- und Datenschäden werden von vielen Haftpflichtversicherungen nicht abgedeckt, können jedoch von einer der folgenden Versicherungen übernommen werden:

Die Vertrauensschadensversicherung

Eine Vertrauensschadenversicherung schützt Unternehmen vor Vermögensschäden, die aus unerlaubten Handlungen von Mitarbeitern entstehen. Voraussetzung: Der Mitarbeiter hat das ihm dargebrachte Vertrauen wissentlich oder willentlich verletzt und auf diese Weise einen Vertrauensschaden herbei geführt.

Die Cyberversicherung

Eine Cyberversicherung tritt für entstandene Schäden ein, die durch Cyberkriminalität verursacht wurden. Dies gilt nicht nur für den Fall, dass ein Unternehmen gehackt wurde, sondern auch dann, wenn sich ein Betrieb einer Datenschutzverletzung schuldig gemacht hat.


Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei VETO Rechtsanwaltsgesellschaft mbH auf rechtliche Korrektheit überprüft.
 

Weitersagen

Jetzt optimalen Tarif konfigurieren

Selbstbeteiligung 250€
Vertragslaufzeit 3 Jahre
Ich bin und möchte absichern.

Gesamtsumme mtl.-,--Tarif zusammenstellen