14.02.2018

Fake Bewertung bekommen – was nun?

Unternehmer achten zu Recht sehr genau auf ihren guten Ruf, schließlich ist jede persönliche Empfehlung durch zufriedene Kunden bares Geld wert, Fake Bewertungen schaden dem Ruf. Eine Bewertung zu schreiben ist im Internet spielend einfach: Bei jedem Onlinekauf werden die Käufer beispielsweise aufgefordert, den Verkäufer und das Produkt zu bewerten – Restaurant- oder Hotelbesucher können ihre Meinung sogar auf speziellen Bewertungsportalen teilen. Die guten Bewertungen steigern den Umsatz der Firmen, denn sie fördern das Vertrauen und stärken die Reputation. Und manchmal sorgen sie sogar dafür, dass sich Produkte fast wie von alleine verkaufen und Akquise überflüssig wird.

Doch leider gibt es auch schwarze Schafe unter denen, die Unternehmen bewerten: So kann zum Beispiel ein direkter Konkurrent mit erfundenen schlechten Bewertungen den Ruf eines Unternehmens nachhaltig schädigen – und die eigene Position am Markt durch ebenso falsche, aber positiv formulierte Bewertungen stärken. Oder ein enttäuschter Kunde lässt sich rufschädigend öffentlich aus – der bösen Fantasie sind gerade im Internet keine Grenzen gesetzt. Doch eins bleibt immer gleich: Ganz egal, aus welcher Motivation heraus ein Unternehmen falsch bewertet wurde, sollten die betroffenen Anbieter umgehend aktiv werden!

Die Gesetzeslage

Firmen steht grundsätzlich ein  Unternehmenspersönlichkeitsrecht nach Art. 2 Abs. 1 GG zu. Doch ihnen wird eher als Privatpersonen zugemutet, mit Kritik zu leben, denn sie bewegen sich in der Öffentlichkeit. Unwahre, unsachliche oder sogar herabwürdigende Bewertungen müssen aber auch Unternehmen nicht hinnehmen – besonders dann nicht, wenn diese einen Wettbewerbsverstoß beinhalten, weil ein direkter Konkurrent der Absender ist. Denn Verstöße gegen das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb (UWG) können Unterlassungsansprüche oder sogar Schadensersatzforderungen nach sich ziehen.

Meinungsfreiheit versus Schmähkritik

Bewertungen im Internet sind durch den Art. 5 des Grundgesetzes geschützt. Doch nicht alle Bewertungen beinhalten sogenannte wahre Tatsachenbehauptungen oder legale Werturteile – manchmal gleiten Bewertungen auch in ehrverletzende Schmähkritik oder sogar in eine rechtsverletzende Äußerung ab. Ein Beispiel: „Mir hat das Essen nicht geschmeckt!“ wäre eine freie Meinungsäußerung – „Mit diesem Essen hat der Wirt schon 100 Menschen vergiftet!“ wäre eine rechtsverletzende Äußerung, wenn es keine Beweise für diese Behauptung gibt.

Im Zweifelsfall kann ein Anwalt Auskunft geben, ob eine Bewertung noch durch Art. 5 GG abgedeckt ist oder nicht.

Bei einer falschen Bewertung sollten Unternehmen als Erstes Beweise sichern – und dabei nicht vergessen, die Screenshots der betreffenden Website mit einem Erstellungsdatum zu versehen! Wichtig sind auch noch der direkte Link zur falschen Bewertung und das Datum, zu dem diese falsche Bewertung erstellt wurde. Denn es könnten folgende Ansprüche gegen den Absender bestehen:

Der Anspruch auf eine Gegendarstellung
Unternehmen, die mit einer unwahren Tatsachenbehauptung bewertet wurden, haben Anspruch auf eine Gegendarstellung, um die Dinge richtigzustellen: So kann die betroffene Firma zum Beispiel in einem Kommentar die unwahre Tatsachenbehauptung widerlegen und die eigene Sicht der Dinge schildern.

Gut zu wissen: Dieser Anspruch auf Gegendarstellung greift nur bei unwahren Tatsachenbehauptungen –auch dann, wenn die Unwahrheit der Tatsachenbehauptung noch nicht bewiesen ist.

Der Anspruch auf Unterlassung und Beseitigung
Darüber hinaus können Betroffene ihren Anspruch auf Unterlassung und Beseitigung zivilrechtlich durchsetzen: Das Unternehmen kann vom Bewerter via strafbewehrter Unterlassungserklärung verlangen, dass dieser die falsche Bewertung löscht und künftige Persönlichkeitsrechtsverletzungen unterlässt. Sollte der Bewerter dieser Aufforderung nicht nachkommen, kann das betroffene Unternehmen eine einstweilige Verfügung beantragen – oder den Absender mithilfe einer Klage zur Unterlassung und Beseitigung der falschen Bewertung zwingen.

Gut zu wissen: Die Unterlassungserklärung sollte eine angemessene Vertragsstrafe beinhalten, die der Bewerter bei einer Zuwiderhandlung an das falsch bewertete Unternehmen zahlen muss.

Der Anspruch auf Schadensersatz
Wenn das allgemeine Persönlichkeitsrecht verletzt wurde, hat auch ein Unternehmen Anspruch auf Schadensersatz. Wenn darüber hinaus noch der Ruf einer Firma mit einer gefakten Bewertung geschädigt wurde, kann das richtig teuer werden für den Absender einer falschen Bewertung – denn es könnten sogar Schadensersatzansprüche wegen Kreditgefährdung oder entgangener Gewinne entstehen.

Gut zu wissen: Wenn der immaterielle Schaden, der durch eine falsche Bewertung entstanden ist, sehr hoch ist, hat der Betroffene eventuell sogar ebenfalls Anspruch auf eine Geldentschädigung.

Extratipp: Hat das von einer falschen Bewertung betroffene Unternehmen eine Rechtsschutzversicherung, sollte bei seinem Versicherer nachfragt werden, ob das anwaltliche Vorgehen von der Police abgedeckt wird. Urheber- und Wettbewerbsverstöße sind hingegen nicht versichert.

Der eingestellte Blog-Beitrag wurde von unserer Partnerkanzlei TeReBe Rechtsanwalts-AG auf rechtliche Korrektheit überprüft.

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