23.04.2020

Ausbildungsvergütung – Höhere Mindestvergütung und weitere Neuheiten für 2020

Die Neuregelung des Berufsbildungsgesetzes (kurz: BBiG) ist seit dem 1.1.2020 in Kraft. Damit schafft der Gesetzgeber verbesserte Bedingungen für Auszubildende und Betriebe. Doch welche Änderungen enthält das überarbeitete BBiG im Detail? Welchen Einfluss haben diese auf aktuelle sowie zukünftige Ausbildungen und wer profitiert von der Novellierung? Alle Infos zum neuen Berufsbildungsgesetz gibt es in diesem Artikel.

Einführung der Mindestvergütung für Azubis

Seit dem 1.1.2020 gilt in Deutschland eine Mindestvergütung für Auszubildende, deren Ausbildungsvertrag außerhalb der Tarifbindung liegt und die in einem nach dem Berufsbildungsgesetz oder der Handwerksordnung geregelten Beruf ausgebildet werden. Die Mindestvergütung gilt jedoch nicht für landesrechtlich geregelte Berufe, wie beispielsweise Erzieherinnen, sowie für die reglementierten Berufe im Gesundheitswesen.

Die Ausbildungsvergütung im ersten Ausbildungsjahr beträgt 515 Euro pro Monat im Jahr 2020. Im Jahr 2021 wird die Mindestvergütung auf monatlich 550 Euro angehoben, 2022 folgt eine weitere Anhebung auf 585 Euro. Im Jahr 2023 steigt die Mindestvergütung schließlich auf monatlich 620 Euro. Zudem müssen betriebliche Lernmittel seit der Gesetzesänderung vom Arbeitgeber bezahlt werden.

Erweiterte Freistellung für den Berufsschulunterricht

Aufgrund der neuen Regelungen in § 15 BBiG sind erwachsene Auszubildende und jugendliche Azubis bei der Freistellung und Anrechnung des Berufsschulunterrichts fortan gleichgestellt. Seit Januar 2020 gilt:

  • Auszubildende müssen nicht nur für die Teilnahme am Berufsschulunterricht, sondern auch an einem Berufsschultag mit mehr als fünf Unterrichtsstunden einmal in der Woche freigestellt werden.
  • Dieser Tag wird mit der durchschnittlichen täglichen Ausbildungszeit verrechnet.
  • In Berufsschulwochen mit einem Blockunterricht von mindestens 25 Stunden an mindestens 5 Tagen müssen Azubis ebenfalls freigestellt werden. Die Höhe der durchschnittlichen wöchentlichen Ausbildungszeit wird angerechnet.
  • An Arbeitstagen, die der schriftlichen Abschlussprüfung unmittelbar vorangehen, haben Auszubildende einen Freistellungsanspruch.

 

Hinweis: Für minderjährige Auszubildende gelten gem. § 15 Abs. 3 BBiG weiterhin die Regelungen des Jugendarbeitsschutzgesetzes (kurz: JArbSchG).

Zusammenfassung von Ausbildungen im Gesundheitswesen: Generalistische Pflegeausbildung

Um den beruflichen Einstieg in die Pflege zu erleichtern, existiert seit dem 1.1.2020 eine generalistische Pflegeausbildung. Sie führt die bisherigen Ausbildungen in der Alten-, Kranken- und Kinderkrankenpflege zusammen. Auf diese Weise ist es möglich, nach Abschluss der generalistischen Ausbildung sowohl in der Alten- als auch in der Kinderpflege zu arbeiten. Die Ausbildung dauert 3 Jahre und ist im gesamten EU-Ausland anerkannt. Als Zugangsvoraussetzung ist ein mittlerer Schulabschluss erforderlich.

Neue Pflicht für Arbeitgeber: Die Arbeitszeiterfassung

Nach der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs vom 14.05.2019 (Az.: C-55/18) sind Unternehmen dazu verpflichtet, die Arbeitszeit aller Mitarbeiter zu erfassen. Zur Arbeitszeiterfassung müssen Unternehmen ein „objektives, verlässliches und zugängliches System“ installieren, mit dem die von jedem Arbeitnehmer geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann.

Bisher waren Unternehmen gem. § 16 Abs. 2 Arbeitszeitgesetz (kurz: ArbZG) lediglich dazu verpflichtet, die über die werktägliche Arbeitszeit des § 3 Abs. 1 ArbZG hinausgehende Arbeitszeit – also die geleisteten Überstunden – zu erfassen. Je nachdem wie der deutsche Gesetzgeber die Verpflichtung zur Arbeitszeiterfassung ausgestalten wird, kann es hier zu erheblichem Anpassungsbedarf in den Unternehmen kommen.

Einheitliche Bezeichnung für Abschlüsse

Servicetechniker, Fachwirt und Betriebswirt: In Deutschland existieren zahlreiche Fortbildungsabschlüsse und -bezeichnungen. Durch die Novellierung des Berufsbildungsgesetzes hat der Gesetzgeber transparente berufliche Fortbildungsstufen geschaffen. Höherqualifizierende Abschlüsse in der Berufsbildung werden seit Januar 2020 auf drei Fortbildungsstufen mit einheitlichem Namen festgelegt:

  • Geprüfte/r Berufsspezialist/in
  • Bachelor Professional
  • Master Professional

 

Bisherige Bezeichnungen, wie beispielsweise „Fachwirt“ oder „Meister“ können weiter geführt werden.

Öffnung von Teilzeitausbildung

Bereits seit 2005 ist nach dem Berufsbildungsgesetz eine (duale) Teilzeit-Ausbildung möglich. Sie stand bisher allen Menschen offen, die eine Ausbildung mit familiären Pflichten vereinbaren wollten – beispielsweise alleinerziehende oder pflegende Auszubildende.

Seit dem 1.1.2020 kann jeder eine Ausbildung in Teilzeit absolvieren, sofern sich Ausbildungsbetrieb und Auszubildender über die Teilzeit einig sind. Von der neuen Regelung profitieren vor allem Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen, aufgrund einer Behinderung oder einer Lernschwäche keine Ausbildung in Vollzeit machen konnten.

Ausbildungsdauer und Abschluss: Anrechnung von aufeinander aufbauenden Ausbildungen

Durch das neue Berufsbildungsgesetzes wurde die Anrechenbarkeit der Ausbildungsdauer bei aufeinander aufbauen Ausbildungen vereinfacht. Zukünftig kann eine Ausbildungsordnung regeln, dass:

  • Azubis bei erfolgreichem Abschluss eines zweijährigen Ausbildungsberufes vom ersten Teil der Abschlussprüfung oder einer Zwischenprüfung eines darauf aufbauenden Ausbildungsberufes ohne Antrag befreit sind und
  • Auszubildende bei nicht bestandener Abschlussprüfung in einem drei- oder dreieinhalbjährigen Ausbildungsberuf, der auf einem zweijährigen Ausbildungsberuf aufbaut, auf Antrag bei mindestens ausreichenden Leistungen im ersten Teil der Abschlussprüfung gleichzeitig den Abschluss des zweijährigen Ausbildungsberufes erwerben.

 

Hinweis: Auszubildende, die eine Abschlussprüfung in einem drei- oder dreieinhalbjährigen Beruf nicht bestehen, können auf Antrag den zweijährigen Berufsabschluss erwerben. Durch den Erwerb geht die Option, die Abschlussprüfung des drei- bzw. dreieinhalbjährigen Berufes, nicht verloren.

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